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Arzneimittelverordnung
Wann Sie das Arztrezept selber zahlen müssen

Grüne Rezepte - wann Sie selber zahlen müssen
Bei der Höhe von Zuzahlungen oder eigener Kostenübernahme kommt es auf die Farbe des Rezeptes an. FOTO: abda
Düsseldorf. Immer häufiger verlassen Patienten nicht mit dem gewohnten rosafarbenen, sondern einem Rezept die Arztpraxis. Mittlerweile steht auf jeder fünften Verordnung ein rezeptfreies Medikament. Das würde der Patient auch ohne Rezept in der Apotheke bekommen. Hier lesen Sie, warum der Doc es Ihnen dennoch verschreibt und wann Sie es nicht selber zahlen müssen, auch wenn es auf einem Grünen Rezept steht. Von Tanja Walter

Einst gab es beim Arzt nur zweierlei: rosa Rezepte für Kassenpatienten und blaue Rezepte für Privatpatienten. Heute ist die Verordnungswelt bunter. Neben den altbekannten Rezepten gibt es zudem gelbe, auf denen Betäubungsmittel verordnet werden und Grüne Rezepte. Für manche Arzneimittel sind Zuzahlungen nötig, für andere kommen die Kassen voll auf und dann gibt es da noch diese grünen Rezepte. Bei denen zahlt man immer selbst. Nasentropfen, manche Schmerzmittel oder pflanzliche Arzneimittel kommen "grün" daher.

Rund 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte erwarten vom Arzt neben einer treffsicheren Diagnose auch eine medikamentöse Therapie. Die wird ihnen in vielen Fällen per rosafarbenem Rezept verordnet, das sie gegen eine Rezeptgebühr zwischen fünf und zehn Euro in der Apotheke einlösen können. Manchmal aber nehmen sie auch ein Grünes Rezept entgegen und merken spätestens in der Apotheke, dass hier etwas anders läuft als sie es erwartet hätten. Denn die Arzneimittel auf dem Grünen Rezept zahlt der Patient in der Apotheke selbst.

Was unterscheidet das rosafarbene von dem Grünen Rezept?

Mit der Gesundheitsreform im Jahr 2004 sollten die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) finanziell dadurch entlastetet werden, dass rezeptfreie Arzneimittel größtenteils aus der Erstattung herausgenommen wurden. Fortan tauchten sie also auf keinem rosafarbenen Rezept mehr auf. Sehr zum Ärger von Patienten, die sie nun selbst bezahlen mussten und vieler Mediziner, die sie gerne weiterhin verordnet hätten. Denn auch diese oft pflanzlichen Arzneimittel sind nachweislich wirksamen, zugleich aber nebenwirkungsarm.

Der Deutsche Apothekerverband hob darum gemeinsam mit dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller und dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie die Grüne Verordnung aus der Taufe. Auf ihm können Ärzte all jene Arzneien verordnen, die unter die Kategorie der OTC-Präparate fallen. Diese Abkürzung steht für "over the counter", meint also die Medikamente, die auch ohne Rezept in der Apotheke zu haben sind.

Wann bekommt man Medikamente auf Grünem Rezept?

Ob es nun Arzneimittel wie Nasenspray und Hustensaft sind, die Erkältungsbeschwerden lindern, oder Mittel gegen Nagelpilz oder bei Verdauungsbeschwerden – Ärzte aller Fachrichtungen greifen darauf zurück. An erster Stelle jedoch die Dermatologen, gefolgt von HNO-Ärzten und Hausärzten. Hält der Mediziner ein Mittel für sinnvoll, das nicht wie zum Beispiel ein Antibiotikum oder ein Blutdrucksenker rezeptpflichtig ist, kann er das Grüne Rezept als eine Art "Merkhilfe" für den Patienten ausstellen. Vermerkt wird darauf nicht nur der genaue Name des Präparats, sondern auch die Dosierung und Einnahmedauer.

Von 481 Millionen apothekenpflichtigen Arzneimitteln war im Jahr 2014 jedes zehnte eines auf einem Grünen Rezept, sagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Allein in der Zeit zwischen April 2014 und März 2015 waren es nach Informationen des Marktforschungsunternehmens IMS-Health rund sechs Millionen Packungen schleimlösende Medikamente, die auf diesem Wege zum Patienten kamen, gefolgt von drei Millionen Verordnungen über Nasenspray.

Sind die Medikamente auf dem grünen Rezept weniger wirksam?

Nein. Auch wenn man diese Mittel ohne Rezept in der Apotheke bekäme, sind sie nicht weniger wirksam. "Auf dem Grünen Rezept dokumentiert der Arzt eindeutig, dass er ein Präparat für medizinisch notwendig hält", so der Deutsche Apotherkerverband. Oftmals sind es die sanften Therapien, pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel, die auf diese Weise verschrieben werden.

Muss man das grüne Rezept einlösen?

Nein. Ebenso wie auch eine Verordnung auf einem rosafarbenen Rezept, ist es auch auf dem grünen Pendant der Selbstverantwortung des Patienten überlassen, ob er es einlöst oder nicht. Der Arzt dokumentiert durch die Grüne Verordnung, dass er dieses Präparat für sinnvoll erachtet, auch wenn die Krankenkasse die Kosten dafür nicht automatisch übernimmt.

Wie lange sind die verschiedenen Rezepte gültig?

Es versteht sich von selbst, dass – unabhängig von der Art des Rezepts – der Arzt die Einnahme im angegebenen Umfang meist sofort für sinnvoll erachtet. Wer jedoch erst einige Tage später mit dem Rezept in der Apotheke steht, muss nicht fürchten, nichts mehr zu bekommen. Blaue Privatrezepte verlieren ihre Gültigkeit erst nach drei Monaten, gelbe Betäubungsmittel-Rezepte sind sehr eingeschränkt nur sieben Tage gültig. Die üblichen rosa Rezepte können noch bis zu einem Monat nach Ausstellungsdatum eingelöst werden und ein Grünes Rezept ist sogar noch nach Jahren einlösbar, denn es ist unbegrenzt gültig.

Unter welchen Voraussetzungen muss man bei rosafarbenen Verordnungen nicht zahlen?

Wer ein rosafarbenes Rezept einlöst, der bezahlt eine Rezeptgebühr zwischen fünf bis zehn Euro. Durch diesen Eigenanteil sollen die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen gebremst werden. Die Höhe der Zuzahlung richtet sich nach der Höhe des Arzneimittelpreises. Sie beträgt zehn Prozent, mindestens aber fünf Euro und maximal zehn Euro. Medikamente, die bis fünf Euro kosten, muss der Patient auch dann selber zahlen, wenn sie auf einem rosafarbenen Rezept ausgestellt sind.

Kostenfrei sind Medikamente auf rosafarbenen Verordnungen, wenn das Mittel auf der festbetragsabhängigen Zuzahlungsbefreiungsliste steht. Eine Übersicht darüber finden Sie beim GKV-Spitzenverband.

Im Einzelfall gibt es Arzneimittel auch dann kostenfrei, wenn es zwischen Ihrer Krankenkasse und dem jeweiligen Pharmahersteller eine Rabattvereinbarung gibt.

Kostenlos sind Arzneimittel auf rosa Verordnungen auch dann, wenn der Versicherte von der gesetzlichen Zuzahlung befreit ist. Er kann sie beantragen, wenn seine individuelle Belastungsgrenze überschritten ist. Diese Belastungsgrenze ergibt sich aus den jährlichen Bruttoeinkünften abzüglich der Freibeträge für Kinder und Ehepartner. Regulär liegt diese Grenze bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens. Bei chronisch Kranken liegt sie bei einem Prozent. Den Antrag auf Befreiung muss man bei seiner Krankenversicherung stellen. Im Netz finden Sie Zahlungsrechner, die Ihnen bei der Ermittlung der individuellen Grenzen helfen.

Muss man Grüne Rezepte wirklich selber zahlen?

Nein. Zunächst tritt der Patient dafür in Vorleistung. Etwa 70 der rund 120 gesetzlichen Krankenkassen übernehmen jedoch zumindest als individuell festgelegte Satzungsleistung teilweise die Kosten. Dazu muss man in der Regel das Rezept mit eigenem Antrag und Quittung einreichen. In erster Linie werden auf diese Art und Weise pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel erstattet. Meist erstatten die Kassen solche Mittel mit Ausnahme eines Eigenanteils von 20 Prozent nur bis zu einer bestimmten jährlichen Höhe. Sie liegt zwischen 70 und 400 Euro. Bei der eigenen Krankenkasse lassen sich die jeweiligen Modalitäten erfragen.

Sollten Sie diesen Rahmen bereits überschritten haben, können Sie Ihre Grünen Rezepte auch steuerlich geltend machen. Geben Sie sie dann bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung an.

Tipp: Wer sich den Schleimlöser oder das nötige Antiallergikum in der Apotheke bislang auf eigene Kosten geholt hat, der tut besser daran, in Zukunft beim Arzt um eine Verordnung auf Grünem Rezept zu bitten. Dann nämlich werden die Kosten bis auf einen Eigenanteil von mehr als der Hälfte der Krankenkassen im Rahmen der Satzungsleistungen übernommen.

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