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Kampf gegen die häufigste Hautkrankheit weltweit
Akne – So hungern Sie Mitesser und Pickel aus

Tipps: Das hilft wirklich gegen Akne
Tipps: Das hilft wirklich gegen Akne
Düsseldorf. Akne gilt als typisches Teenagerproblem. Bei ihnen sprießen durch den hormonellen Umbruch die Pickel und Pustel besonders heftig. Doch es gibt andere Faktoren, die vor allem bei Erwachsenen die Hautkrankheit mit beeinflussen und umstrittene Medikamente, die in den Suizid führen können. Von Tanja Walter

Entzündete Pickel und Pusteln blühen im Teenageralter in den meisten Gesichtern und sind Nervfaktor Nummer eins vom ersten Date oder dem Ausflug ins Schwimmbad. 80 Prozent der Deutschen leiden irgendwann in ihrem Leben daran, was sie zur häufigsten Hautkrankheit überhaupt macht. Viele doktern selbst an den gefüllten Bläschen herum, obwohl das vor allem bei stärkerer Akne daneben gehen kann. Es können dann tiefe Narben zurückbleiben, die das Gesicht für ein ganzes Leben zeichnen.

Warum sich Mitesser bilden

Wenn sich in jungen Jahren das Hautbild vom Weg eines Kindes zum Erwachsenen plötzlich verändert, liegt das meist an der Umstellung des Hormonhaushalts. Beide Geschlechter bilden verstärkt das männliche Geschlechtshormon Androgen. Das regt die Haut an, vermehrt Fett zu produzieren. Besonders im Gesicht, im Nacken, auf dem Rücken und der Brust sitzen viele Talgdrüsen. Sondern sie besonders viel Fett ab, lagert sich der Talg an den Gängen ab und führt zu einer Verengung. In einigen Fällen verschließen mikroskopisch feine Verhornungen den und verstopfen die Drüse.

Es bilden sich unschöne Mitesser. Die erkennt man entweder an einem weißen Knötchen oder ihrem schwarzen Köpfchen, das sich durch die Oxidation des im Talg enthaltenen Hautfarbstoffs Melanin bildet. Unter der Einwirkung von Bakterien entzünden sich die unbeliebten Störenfriede in der Haut und es entstehen die bekannten mit Eiter gefüllten Bläschen und Pusteln. Dabei handelt es sich um die häufigste Form der Akne, auch Akne vulgaris genannt. Sie tritt in der Regel bei Jugendlichen zwischen dem zwölften und 17 Lebensjahr auf. Rund 80 Prozent der Teenager leiden an ihr.

Warum Herumdrücken alles nur noch schlimmer macht

Auch wenn Akne einerseits in einem Lebensabschnitt beinahe normal ist, ist damit nicht zu spaßen. Das Herumdrücken an den Pickeln und Beulen führt meist zu noch schwereren Entzündungen der Haut. Denn platzen verschlossene Bläschen aus, breitet sich der bakterienreiche Inhalt auf das umliegende Gewebe aus und führt dort zu weiteren Entzündungen. Es kommt zu größeren Knoten und Eiterblasen, die nach ihrem Platzen narbig verheilen. Diese Ausprägung nennt man Acne conglobata. Ganz zu schweigen von der psychischen Last, die die Betroffenen zu tragen haben, schmerzen solche Hauterscheinungen unglaublich und gehören nach Expertenmeinung immer in professionelle Hände, da sie sonst nach dem Abheilen als derbe Narben für immer sichtbar bleiben.

In Zeiten hormoneller Umstellung kann Akne immer wieder im Leben zum Problem werden: Frauen plagt das vor allem kurz vor der Menstruation oder in einer Schwangerschaft. Manche ärgern die sprießenden Pickel und Mitesser auch nach der Umstellung auf eine Pille. Unreine und beulige Gesichtshaut kann auch durch Anabolikamissbrauch entstehen. Über Nacht mutieren Männer, die vielleicht nie Probleme mit Akne hatten zu Beulengeplagten. In allen Fällen bestimmen dabei auch die Gene mit, ob und wie stark es den Einzelnen trifft, so hält es die Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften fest. Denn Akne ist vererbbar. Hatten beide Elternteile diese Probleme mit der Haut, wird es auch die Kinder treffen. Dennoch sind sie sind nicht einzig und allein dafür verantwortlich.

Eskimos haben die schönere Haut

Forscher haben daneben die Ernährung, einige Medikamente und Stress als Auslöser für das Sprießen der Pickel ausgemacht. Ein Beispiel, das die Wissenschaftler interessiert auf die Ernährung blicken lässt, ist die Beobachtung, dass sowohl bei Eskimos, Chinesen als auch den Einwohnern der Okinawa-Insel häufiger Akne auftritt, wenn sie ihre Ernährung umstellen.

Die Wissenschaftler führen das auf die veränderte Aufnahmemenge an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und antioxidativen Vitaminen zurück. In der westlichen Ernährung, kommen diese gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe 20 Mal weniger vor. Bei Eskimos, Chinesen wie auch Inselbewohnern zeigte sich ein Ernährungsschwenk prompt auf der Haut und legt für die Wissenschaftler einen entsprechenden Zusammenhang nahe, der bislang unterschätzt wurde. Als erwiesen gilt heute die Erkenntnis, das Nahrungsfette den Zustand der Haut beeinflussen. Aknepatienten sollten also besser auf fettes Fleisch, Butter und andere Nahrungsmittel verzichten, die einfache Fettsäuren enthalten. In Fisch, Avocados oder Rapsöl hingegen stecken mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die nicht nur vor zu hohen Cholesterinwerten, Herz-Kreislaufproblemen und Adipositas schützen, sondern ebenso die Akne lindern.

Stress ist der Haut nicht egal

Die Behauptung, Arbeitsdruck und Hektik ließen Mitesser sprießen, wirkt auf den ersten Blick vielleicht befremdlich. Tatsächlich aber sind es auch hier Hormone, die an des Übels Wurzel wirken. Forscher um den Dermatologen Christos Zouboulis von der Freien Universität Berlin haben dafür das Stresshormon Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) identifiziert, das nicht nur den Stresshaushalt im Körper reguliert, sondern auch direkte Auswirkung auf die Haut hat. Denn es wird direkt in den Drüsenzellen gebildet und regt ebenso wie auch das Androgen die Produktion von Fett und Testosteron an. Regulieren lässt sich das nur noch von außen.

Der Körper kann alleine diese so genannte autokrine Hormonwirkung nicht mehr steuern. Autokrine Faktoren sind Sekretionsmechanismen von Zellen, die unabhängig von äußeren Faktoren sind. Das ist zum Beispiel auch beim Wachstum von Krebszellen der Fall. Das macht es übel für alle, die unter Dauerstrom stehen. Denn Stress dreht den Produktionshahn im Hypothalamus auf. Aus dem Steuerzentrum des Zwischenhirns gelangt das Hormon über die Blutgefäße schließlich die Nebennierenrinde und nimmt von dort aus Einfluss auf das weitere Körpergeschehen.

Akne genauso belastend wie Asthma oder Depressionen

Was unsere äußere Hülle eigentlich geschmeidig macht, ein Gemisch aus Fettkörpern und Wasser, der sich auf der Haut verteilt und Hornschichten wie Hautoberfläche in einen selbst produzierten Wohlfühlfilm hüllt, wird zur Last, wenn der Talgfluss nicht versiegen will. In keinem Fall gilt das Wegsehen bei extrem unreiner Haut, denn dann gibt es tiefe Narben. Ebenso kann das Herumdrücken an den Hautunreinheiten die Situation weiter verschärfen. Was eine Behandlung zudem unumgänglich macht, ist die Tatsache, dass Akne belastet. Wenn sie schwer ausgeprägt ist, geht sie den Betroffenen ebenso heftig ans Nervenkostüm wie eine Angsterkrankung, Depressionen oder chronische Krankheiten wie Asthma bronchiale, Epilepsie oder Typ 2 Diabetes.

Jungen Menschen wird häufig mit Schälmitteln gegen die Verhornung der Haut geholfen. Sie helfen gleichzeitig gegen Mitesser, Bakterien und Entzündungen, führen jedoch bei vielen zu Hautreizungen. Die gleiche Nebenwirkung können auch Präparate haben, die Azelainsäure enthalten. Auch die wirkt bakterienhemmend und hemmt die Verhornung der Haut. Zwar sind solche Präparate sehr effektiv, doch muss man die Haut zunächst an die Verwendung von Fruchtsäure gewöhnen, weil sie sehr stark wirkt. Daneben ist auch die Behandlung mit antibiotischen Creme, Salbe oder einem Gel üblich. Die sollen die Besiedelung der Minifettseen mit Bakterien hemmen, kommen aber erst zum Einsatz, wenn andere Therapien versagt haben.

Kombinationstherapie der Weg zurück zu schöner Haut

Bei Erwachsenen ist dieses Therapiekonzept weniger erfolgversprechend. Um den in Schieflage geratenen Hormonhaushalt wieder in den Griff zu bekommen, können bei Frauen Hormonpräparate zum Einsatz kommen. Das allerdings ist nur dann sinnvoll, wenn der Arzt zuvor genau den individuellen Status ermittelt hat. Denn so wie männliche Sexualhormone die Talgproduktion anregen, haben weibliche Sexhormone hemmende Wirkung. Daneben helfen bei leichter bis mittelschwerer Akne chemische Substanzen, die dem Vitamin A ähnlich sind. Sie hemmen, als Creme äußerlich aufgebracht, die schnelle Zellteilung und wirken antientzündlich. Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen zur Behandlung von Erwachsenenakne Kombinationsbehandlungen. Denn alleine auf Antibiotika zu setzen scheint in einer Zeit, in der die Wissenschaft klar erkennt, dass Bakterien nicht die Hauptursache der Krankheit sind nicht mehr zeitgemäß.

Sehr umstritten ist das Aknemittel Isotretinoin und wird aus diesem Grund in äußerst schweren Fällen eingesetzt. Es sorgt für ein Engstellen der Talgdrüsen, die zudem weniger Fett ausschütten. Außerdem wirkt es entzündungshemmend, hat jedoch schlimmste Nebenwirkungen: Bei Schwangeren kann das Medikament zu Missbildungen des Fötus führen. In Verruf geriet der Wirkstoff Isotretinoin, weil es zu Depressionen führen kann, Angst, Aggressionen Suizide auslösen können soll. Bei stark vernarbender Akne kann begleitend eine Peeling-Behandlung helfen. Bei ihm wird die Haut vorsichtig abgetragen und auf diese Weise das Erscheinungsbild verbessert.

 

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