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Gegen Tattoos, Akne und Narben
Wenn der Hautarzt die Laserkanone zückt

Lasern beim Hautarzt: Was die Therapie leisten kann
Oberarzt Peter Arne Gerber aus der Düsseldorfer Universitäts-Hautklinik behandelt das Gesicht von Walter Leethaus mit einem Laser. FOTO: Hans Jürgen Bauer
Düsseldorf . Tattoos, Nagelpilz, Besenreiser, Akne - mit dem Laser können Dermatologen auch dauerhaft scheinendes von der Haut entfernen. Ein Überblick über eine der schnellsten Therapieformen beim Hautarzt. Von Wolfram Goertz

Der Patient Walter Leethaus ist 71 Jahre und kommt heute zum ersten Mal mit Albert Einstein in Berührung. Der berühmte Physiker hat mit seinen Arbeiten zur Strahlung genial vorempfunden, was bei Hautärzten heute zum Tagesgeschäft zählt. Der Laser ist ein wichtiges Instrument der modernen Dermatologie geworden, und Herr Leethaus setzt seine Hoffnung auf ihn, weil er an Couperose/Rosacea leidet, einer Hautkrankheit im Gesicht, bei der Äderchen störend hervortreten. Die nennt man Teleangiektasien, und der Laser ist eine feine Harke gegen sie. Auch bei Besenreisern tut er gute Dienste, ebenso bei Blutschwämmchen, Warzen, Altersflecken, verstärkter Behaarung, gewucherten Narben, Akne oder gewissen Hautkrebsstufen.

Fotos: Wenn Laser auf Pigmente schießen FOTO: dpa, Marcus Simaitis

"Tun Sie mir aber nicht weh", sagt Herr Leethaus zu Peter Arne Gerber. Der Oberarzt der Düsseldorfer Universitäts-Hautklinik kennt seine Apparate. Er verfügt über einen Fuhrpark verschiedener Laser und gedenkt den kosmetischen Akt mit Feingefühl durchzuführen. Beide müssen sich aber wappnen, deshalb tragen sie Schutzbrillen. Der Laser ist ein scharfes Schwert, obgleich er viel mit angewandter Physik zu tun hat, mit Wellenlängen, mit "selektiver Absorption" und "stimulierten Emissionen", die auf ein höheres Niveau gehoben werden. Gerber, der soeben mit dem Oscar-Gans-Förderpreis der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft geehrt wurde, praktiziert seit Jahren mit den verschiedenen Lasern. "Anfangs war ich defensiv", sagt er und lacht, "jetzt aber kenne ich die Wirkung gut."

Die Kundschaft ist breit gestreut. Der Patient vor Herrn Leethaus war ein scheuer Akademiker, der einen ihm peinlichen Nagelpilz mit Tinkturen nicht entfernt bekam. Zusammen mit dem Laser ist die gelbe Zone am Nagelrand aber zusehends verblasst - und das nach nur drei Sitzungen. Auch er verspürt gar keine Schmerzen unter dem Laser, bisweilen zuckt er kurz, dann nimmt Gerber den Laser weg. "Geht wieder", sagt der Patient. Gerber nickt und brutzelt punktgenau weiter.

Bei Pilzkrankheiten sind die ärztlichen Erfolgsvorhersagen leiser geworden. Gerber: "Kein Arzt kann sicher prophezeien, ob ein Nagelpilz wirklich verschwindet. Es gibt keine ideale Therapie, und Tabletten verträgt nicht jeder, zumal sie Nebenwirkungen haben. Den Pilz alleine mit dem Laser zu entfernen, halte ich für extrem schwierig. Wir sehen aber, dass die additiven Aspekte sehr gut funktionieren." Das heißt: Bei Onychomykose (Nagelpilz) muss ein Patient konsequent mit einem pilztötenden Lack arbeiten, muss immer wieder feilen und desinfizieren; ein lästiges Lied wöchentlicher Pingeligkeit muss da gesungen werden. Meist reicht diese Therapie aber nicht aus. In Verbindung mit einer medizinischen Fußpflege und dem Laser sind die Aussichten aber deutlich höher. Die Nachfrage ist groß, denn mittlerweile leidet jeder achte Deutsche unter einem Nagelpilz.

Schutz vor Fuß- und Nagelpilz FOTO: AP

Die nächste Patientin kommt etwas verlegen herein und sagt: "Jugendsünde, Herr Doktor. Ich möchte da gern etwas entfernen lassen." Das raumgreifende und geweihhafte Tattoo oberhalb ihrer beiden Sitzkissen bedarf einer intensiveren Zuwendung des Arztes. Auch diese Dame wird ihre Behandlung privat bezahlen müssen, denn Lasermedizin ist nur in wenigen Fällen eine Kassenleistung. Ein Tattoo, das größer ist als 15 Zentimeter, kostet hier 250 Euro pro Sitzung; zehn Sitzungen oder mehr kann es brauchen, bis die Tätowierung verblasst ist. Gerber empfängt die Dame freundlich, betrachtet ihren missliebigen Zierrat und berät sie. "Ich kommentiere Tattoos nie, jeder Mensch hat seine Eigenheiten. Peinlich muss einem ein Tattoo nicht sein." Jeder vierte Mensch in Deutschland zwischen 25 und 35 Jahren trägt mindestens ein Tattoo, und jeder Zehnte will es wieder loswerden. Da ist viel zu tun.

Aber der Laser schmort nicht nur, er kann das Gewebe auch öffnen, damit etwa ein Medikament durch das Stratum corneum, die Hornzellschicht, in tiefere Regionen vordringen kann. Solche Formen von Kombinationsbehandlungen sind wissenschaftlich verbürgt und werden mittlerweile erfolgreich zur Behandlung von Vorstufen des hellen Hautkrebses eingesetzt.

Bei all seiner Nützlichkeit: Der Laser ist ein gefährliches Instrument, "das zwingend in ärztliche Hand gehört" sagt Oberarzt Gerber. "Bei Kosmetikerinnen und ähnlichen Berufsgruppen hat er nichts zu suchen."

Quelle: RP
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