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Studie
Narkosegase können Entwicklung von Kleinkindern schaden

Narkosegase können Entwicklung von Kleinkindern schaden
FOTO: Shutterstock.com/ Torwaiphoto
Düsseldorf. Eltern, deren Kleinkind operiert werden muss, sollten sich beim Anästhesisten vor der OP über die Art der Narkose informieren. Eine neue Studie, die in "Pediatrics" veröffentlicht wurde, legt die Vermutung nahe, dass Narkosegase Risiken bergen: Sie können die Sprachentwicklung verlangsamen und Intelligenz-Defizite erzeugen. Von Wolfram Goertz

Andreas Loepke vom Cincinnati Children's Hospital untersuchte Kinder zwischen fünf und 18 Jahren mit neurokognitiven Tests und bildgebenden Verfahren. 53 Kindern, die in den ersten vier Jahren eine Vollnarkose bekommen hatten, stellte er 53 Kinder gegenüber, die nicht operiert worden waren.

Kinder, die vor der OP über eine Maske mit Gas einschliefen, schnitten in einem Hörtest im Schnitt um sechs Punkte schlechter ab als die Kinder ohne OP. Ihr Performance-IQ (bei dem Aufgaben möglichst schnell zu erledigen waren) war im Schnitt 6,4 Punkte niedriger als in der Kontrollgruppe. Loepke wertet dies als Bestätigung seiner Ansicht, dass Inhalations-Anästhetika die Reifung des Gehirns in den ersten Jahren stören können.

Peter Gretenkort, leitender Anästhesist am Allgemeinen Krankenhaus Viersen, weist darauf hin, dass die Vollnarkose, bei der ein Kind unter einer Maske mit Narkosegasen einschläft, in der Anästhesiologie gängig sei. Doch könne die Narkose bei den allermeisten Kleinkindern theoretisch auch über andere Medikamente und einen venösen Zugang erfolgen. Bei dieser sogenannten Tiva (totale intravenöse Anästhesie) arbeitet der Arzt mit programmierbaren Spritzenpumpen.

"Dazu müssen die Kinder allerdings mitmachen und den Pieks ertragen", so Gretenkort, "und das ist zuweilen schwierig. Eine Vollnarkose mit Maske ist für einen Anästhesisten auch leichter zu steuern." Zu überlegen sei aber, so Gretenkort, ob man Kinder nicht kurz per Maske einschlafen lasse und ihnen dann einen Zugang in die Vene lege.

Sorgen von Eltern müsse ein Anästhesist ernst nehmen; manchmal lasse sich eine nicht überlebenswichtige Operation wie beim Leistenbruch auch verschieben. Gretenkort: "Bislang empfiehlt unsere Fachgesellschaft die Verwendung von Narkosegasen. Aber vielleicht ändert sich das ja. In der Tat könnte man überlegen, ob ein kleines Kind, das mehrfach operiert werden muss, immer Narkosegase bekommen sollte. Manchmal hilft auch eine Regionalanästhesie."

Quelle: RP
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