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Nach Entschluss von Angelina Jolie
Was Sie über Eierstockkrebs wissen müssen

Angelina Jolie: Was sollte man über Eierstockkrebs wissen
Die Schauspielerin Angelina Jolie hatte sich 2013 aus Angst vor einer Krebserkrankung einer Brustamputation unterzogen. Nun gab sie bekannt, dass sie sich auch die Eierstöcke entfernen ließ. FOTO: dpa, st mda kde
Düsseldorf . Nachdem sich die Schauspielerin Angelina Jolie im vergangenen Jahr einer Brustamputation unterzog, ließ sie sich nun auch die Eierstöcke entfernen. Grund für die Maßnahmen ist eine familiär vererbbare Krebsform. Warum sie so entschied, erklärt Dr. Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes. Von Susanne Hamann

Frau Dr. Weg-Remers, Angelina Jolie hat nun bekannt gegeben, dass Sie sich nach ihrer Mastektomie (Brustamputation) nun auch die Eierstöcke entfernen ließ. Ist dieser Schritt zu radikal, oder gerechtfertigt?

Dr. Weg-Remers: Die Statistiken zeigen, dass bei einem veränderten BRCA1- oder 2-Gen ein signifikant höheres Risiko besteht, dass die Betroffenen an Brust- und Eierstockkrebs. Insofern kann man durchaus sagen, dass es bei Frau Jolie einen medizinisch gerechtfertigten Grund für diese Entscheidung gab.

Dr. Susanne Weg-Remers ist die Leiterin des Deutschen Krebsinformationsdienstes. FOTO: TOBIAS SCHWERDT

Heißt das, dass Angelina Jolie mit diesem Schritt tatsächlich eine Art Vorbildcharakter für andere betroffene Frauen hat? Man ihnen also dazu raten sollte?

Dr. Weg-Remers: So allgemein kann man das nicht sagen. Es ist wichtig, dass sich Frauen, in deren Familien gehäuft Brust- und/oder Eieerstockkrebs vorkommt, über ihre Optionen beraten lassen, und dann entscheiden, ob sie sich genetisch testen lassen möchten. Für Deutschland gibt es keine genauen Zahlen, was die Häufigkeit von BRCA1 und 2-Veränderungen angeht. Aber die WHO schätzt, dass weltweit etwa jede 800ste Frau betroffen ist.

Gibt es denn eine Garantie, dass der Krebs gar nicht erst auftritt, wenn Brust und Eierstöcke entfernt wurden?

Dr. Weg-Remers: Nein, eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht. Grund dafür ist, dass die BRCA1 und 2 Gene Eiweiße kodieren, die für die Reparatur von Erbgutschäden in den Zellen zuständig sind. Sie sind gewissermaßen Teil eines genetischen Werkzeugkastens. Ist jedoch ein Werkzeug in dem Kasten defekt, dann treten mit der Zeit in einzelnen Zellen Erbgutveränderungen, also Mutationen auf, die dann die zu Krebs führen können. Am wahrscheinlichsten sind bei Frauen mit BRCA1 und 2-Veränderungen dabei Brüste und Eierstöcke betroffen. Der Krebs kann aber auch an anderen Organen auftreten. Auf der anderen Seite ist es aber auch möglich, dass betroffene Frauen im Laufe ihres Lebens nicht an Krebs erkranken. Deswegen ist es eine sehr persönliche Entscheidung. Und jede Frau muss für sich selbst entscheiden, ob sie sich genetisch testen und eventuell operieren lassen will oder nicht.

Was mich bei diesem Schritt besonders wundert ist, dass die Chancen Brustkrebs zu heilen doch inzwischen sehr gut sind. Wieso rät man dann medizinisch dennoch zu solch radikalen Schritten?

Dr. Weg-Remers: Es stimmt, die Chancen Brustkrebs zu heilen sind inzwischen recht gut. Deswegen wird dieser Schritt auch nicht unbedingt empfohlen. Hier gibt es auch die Möglichkeit an einem intensivierten Früherkennungsprogramm teilzunehmen. Außerdem können sich betroffene Frauen auch noch später zu diesem Schritt entscheiden, denn die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs steigt mit dem Alter.

Und wie ist das bei Eierstockkrebs?

Dr. Weg-Remers: Bei Eierstockkrebs ist das jedoch anders, weil es keine zuverlässige Methode zur Früherkennung gibt. Studien, in denen beispielsweise Ultraschal oder der Marker CA 125 als Verahren zur Früherkennung getestet wurden, zeigen, dass diese keinen Einfluss auf die Sterblichkeit an Eierstockkrebs haben. Und die ist bei Eierstockkrebs deutlich höher als bei Brustkrebs.

Haben Sie dazu Vergleichszahlen?

Dr. Weg-Remers: An Eierstockkrebs erkranken in Deutschland rund 7800 Frauen pro Jahr. Rund 5500 versterben an der Erkrankung pro Jahr. Zum Vergleich: Etwa 74.000 Frauen in Deutschland erkranken jählich an Brustkrebs. Und es versterben circa 17.500.

Das ist natürlich ein deutlicher Unterschied. Folglich also die Frage, was empfehlen Sie einer Frau, die Sorge hat, sie könnte vom familiär erblichen Krebs betroffen sein?

Dr. Weg-Remers: Erst einmal sollte sie sich zur Orientierung an ihren Frauenarzt wenden. Dort wird die Familienkrankengeschichte erhoben. Es gibt sehr klare Kriterien, hinsichtlich der der Häufigkeit von Brust- und Eierstockkrebs innerhalb einer Familie, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Wenn dies der Fall ist, sollte die Patientin darüber nachdenken, sich auf die veränderten Gene BRCA1 und 2 testen zu lassen. Dazu überweist der Arzt die Patientin in der Regel an eines der Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs, wo dann alle weiteren Schritte unternommen werden.

Das Gespräch führte Susanne Hamann. 

 

 

 
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