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Nanotechnologie
Google entwickelt Armbänder zur Krebserkennung

Krebs: Labore experimentieren mit Haut von Menschen
Das Gesundheitslabor von Google arbeitet derzeit an einem Armband, das Krebszellen erkennen soll. Noch ist nicht bekannt, wie es aussehen wird. FOTO: Shutterstock.com/ Sukpaiboonwat
Düsseldorf/ San Francisco . Es klingt wie eine Geschichte aus einem Science-Fiction-Film: In Googles Gesundheitslaboren wird derzeit an einem Armband getüftelt, das Krebszellen erkennen und den Träger alarmieren soll. Dafür wird viel experimentiert, auch mit gezüchteter Menschenhaut. Von Susanne Hamann

Ein Allheilmittel gegen Krebs gibt es bislang noch nicht. In einem sind sich jedoch alle führenden Wissenschaftler zum Thema einig: entscheidend für eine gute Heilungsprognose ist, wie früh die Krankheit erkannt wird.

Damit das schon bald vielleicht sogar noch vor den ersten Symptomen passieren kann, haben sich die Wissenschaftler in den Google X Laboren einem ehrgeizigen Projekt verschrieben: Sie wollen ein Armband entwickeln, das Krebszellen erkennt, einfärbt und seinen Träger warnt.

Was wie Zukunftsmusik klingt, wird bereits seit drei Jahren entwickelt. Wie Dr. Andrew Conrad, der Leiter des Laboratoriums der Zeitung "Independent" sagte, soll das System Krebszellen mittels Nanopartikeln erkennen, die den Körper nach krankhaften Zellen durchsuchen. Allerdings sei das Projekt noch immer in einem sehr frühen Stadium.

Bei Erfolg könnten Krebszellen jedoch theoretisch sofort nach dem Auftreten und damit lange vor physischen Symptomen erkannt werden und somit die Sterberate der Krankheit drastisch senken, erklärt Conrad ebenda.

In einem Video für die Zeitung "Atlantic" erklärt der Wissenschaftler erstmals, wie das Armband-System funktionieren würde:

So soll der Patient eine Pille schlucken, in der sich Nanopartikel befinden, die in der Lage sind, sich an krankhafte Zellen wie etwa die von Krebs zu heften. Laut dem Google-Wissenschaftler soll die Verbindung aus Zelle und Partikel dann "aufleuchten" und so von dem magnetischen Armband gefunden werden können. Um dieses Verfahren möglich zu machen, müssen sich die Wissenschaftler allerdings mit dem Wechselverhalten zwischen Haut und Licht vertraut machen. 

In der Folge züchten die Forscher künstliche Haut im Labor und nutzen Teile echter Haut, um möglichst realistische Unterarme herzustellen. Mit ihnen werden die Versuche mit den Nanopartikeln unternommen. Das ganze ist um so beschwerlicher, da verschiedene Hauttypen und - farben berücksichtigt werden müssen.

Google versucht immer wieder revolutionäre Technologien auf den Markt zu bringen. Im Gesundheitsbereich gehörten dazu etwa Kontaktlinsen, die den Glukoseblutwert von Diabetikern messen können, und ein Löffel, der dem Zittern von Parkinson-Patienten entgegen wirkt. Nicht alle Entwicklungen kommen jedoch auf den Markt.

Zudem stehen gerade Technologien, die permanent Daten über Patienten sammeln, bei Verbraucherschützern immer wieder in der Kritik. Auch der Google-Wissenschaftler Conrad wurde in dem Video-Interview von "Atlantic" gefragt, ob es nicht auch Menschen gibt, die sagen, es sei seltsam, Partikel im Körper zu haben, die sie andauernd überwachen? Seine Antwort: "Es ist viel seltsamer Krebszellen im Blut zu haben, die andauernd versuchen mich umzubringen."

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