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70.000 Fälle jährlich
Warum Darmkrebs meistens vermieden werden kann

Warum viele Darmkrebspatienten unnötig erkranken
FOTO: Naeblys /Shutterstock.com
Düsseldorf. Mehr als 70.000 Menschen erkranken in jedem Jahr in Deutschland an Darmkrebs. Damit gehört er zu den häufigsten Krebsarten. Theoretisch könnten jedoch fast alle Darmkrebs-Erkrankungen vermieden oder geheilt werden. Von Rainer Neubert

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland und ist dennoch etwas Besonderes. Denn Tumorerkrankungen des Dickdarms, des Enddarms und des Darmausgangs lassen sich wie keine andere Krebsart im Vor- und Frühstadium erkennen und behandeln.

Warum das so ist, erklärt der Chirurg und Proktologe Janusz Patas: "Bereits zehn Jahre vor einer krankhaften Veränderung lassen sich gutartige Polypen als Vorstufen von Krebs bei einer Darmspiegelung erkennen und entfernen. Das geschieht bei etwa jedem fünften Patienten, den wir untersuchen."

So läuft eine Darmspiegelung ab FOTO: Privat

Umso mehr bedauert der Chefarzt, dass nur 17 Prozent der Frauen über 55 Jahre das Angebot einer von den Krankenkassen bezahlten Vorsorgedarmspiegelung (Koloskopie) wahrnehmen. Bei Männern ist die Bereitschaft dazu mit 15 Prozent sogar noch geringer. Den von den gesetzlichen Krankenkassen angebotenen Test auf verstecktes Blut im Stuhl hält Patas ebenfalls für sinnvoll. "Das ist ergänzend wichtig und gut. Aber es gibt auch Tumoren, die nicht bluten. Und wenn Beschwerden wie Verstopfung, Durchfall und Krämpfe auftreten, ist die Erkrankung oft schon in einem fortgeschrittenen Stadium."

Die Angst vor einer Darmspiegelung will der Arzt den Menschen nehmen. "Das Verfahren ist standardisiert und wird überall in gleicher Qualität ausgeführt. Es gibt nur selten Komplikationen. Und auch das vorherige Trinken zur Darmspülung ist mittlerweile nicht mehr so schlimm." Wenn tatsächlich ein Darmtumor diagnostiziert wird, muss in der Regel operiert werden.

Der chirurgische Eingriff wird mit einer Chemo- und Strahlentherapie kombiniert. "Alle Patienten haben Angst vor einem künstlichen Ausgang", weiß Patas. "Allerdings muss der nur bei einem Mastdarmkarzinom im Bereich des Darmausgangs dauerhaft sein." Aber auch bei solch einer Erkrankung könne vielen Patienten inzwischen ein künstlicher Ausgang erspart werden, dank gezielter Strahlen- und Chemotherapie vor der Operation.

Von großen Fortschritten bei Diagnose und Behandlung von Darmkrebs spricht auch Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft: "Innerhalb von zehn Jahren ist die durchschnittliche Überlebenszeit von zwölf auf über 30 Monate gestiegen." Neue Diagnostikverfahren werden laut Bruns dazu beitragen, dass diese dennoch ernüchternde statistische Zahl sich in Zukunft weiter verbessert. Vor allem genetische Diagnoseverfahren ermöglichten es schon jetzt, Tumoren besser zu klassifizieren und die Therapie effektiver und zielgenauer zu definieren.

So beugen Sie Darmkrebs vor FOTO: dpa, Christian Charisius

Die Vision des Chirurgen Janusz Patas ist nicht nur die, dass alle Frauen und Männer ab einem Alter von 50 Jahren die Vorsorgeuntersuchungen nutzen. "Wir haben auch die Hoffnung, dass irgendwann alle drei Monate ein Stuhltest ausreicht, um eine Krebserkrankung sicher zu verhindern." Voraussetzung für die Früherkennung wird aber auch dann die Bereitschaft der Menschen sein, das Vorsorgeangebot wahrzunehmen. Dünndarmkrebs ist mit 2000 Neuerkrankungen jährlich im Gegensatz zum Darmkrebs eher selten. Auch hierbei steigt das Risiko mit zunehmendem Alter.

Gesunde Ernährung (Ballaststoffe, Gemüse, Obst, wenig Fett, wenig rotes Fleisch) und Bewegung (mehrfach pro Woche) senken das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Zudem ist es wichtig, viel zu trinken (zwei Liter kalorienfreie Getränke am Tag; grüner Tee), nicht zu rauchen und auch auf Alkohol zu verzichten.

Quelle: RP
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