Die zehn größten Krebsmythen
Was Krebs auslöst und was nicht

Heidelberg. Viele Menschen haben Angst vor der Diagnose "Krebs". Befeuert wird die Sorge von Halbwahrheiten, die sich hartnäckig halten. Enge BHs sollen das Krebsrisiko erhöhen, eine Sterilisation die Erkrankungswahrscheinlichkeit potenzieren. Was ist dran und was stimmt nicht? Von Tanja Walter

Die Panik vor der folgenschweren Krankheit Krebs ist groß. Das zeigt auch die Umfrage einer Krankenversicherung, laut der sich 67 Prozent der Befragten vor einem Tumor fürchten. Jedes Jahr erkranken rund eine halbe Million Bundesbürger neu. Trotz besserer Diagnosemöglichkeiten und Medikamente hat die Krankheit ihren Schrecken nicht verloren. Die Tatsache, dass ausgerechnet Brust- und Prostatakrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen zählen, heizt die Verbreitung von Pseudoinformationen dazu an.

Fakten: Die zehn größten Krebs-Mythen und ihre Wahrheit FOTO: Shutterstock/ Juan Gaertner

Erhöhen BHs die Brustkrebsgefahr?

So sollen zu enge BHs oder solche mit Bügeln zum Beispiel die Gefahr für Brustkrebs erhöhen. Dadurch werden angeblich die Lymphbahnen abgedrückt, so dass Stoffwechselschlacken nicht aus dem Körper geschwemmt werden können. Für diese Annahme gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Basis. Seinen Ursprung könnte das Gerücht in der Tatsache haben, dass Frauen mit großen Brüsten Knoten darin schwerer ertasten können. Ist Übergewicht die Ursache für den üppigen Busen, erhöht sich das Krebsrisiko tatsächlich.

Eine Variante des Gerüchts dreht sich um die Aussage, Mädchen mit sehr großem Busen hätten das höchste Risiko, wenn sie früh zu besonders einengenden Büstenhaltern tragen würden. Auch in diesem Fall ließ sich kein Beweis für diese Behauptungen ließen sich nicht finden -obwohl Fachgesellschaften und Krebsinformationsdienste in USA, Kanada und Europa intensiv recherchierten, nachdem sie mit Anfragen besorgter Frauen überschwemmt wurden, sagt das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Kann ein Deo die Krankheit verursachen?

Schweißhemmer und Konservierungsmittel in Deos sollen die Gefahr für einen Krebserkrankung in die Höhe schnellen lassen, weil sie die Ausscheidung krebsfördernder Schadstoffe über den Schweiß verhindern. Diese Behauptung sorgt für Kopfschütteln bei den Wissenschaftlern, denn der Mensch scheidet nicht über den Schweiß, sondern über Nieren, Blase und Darm Schadstoffe aus. Einige Kritiker halten zudem einzelne Inhaltsstoffe in den Deos für gefährlich. Vor allem hormonell wirksame Ingredienzien wie Parabene oder Aluminium, das die Schweißbildung hemmt, sollen dafür verantwortlich sein. Die nachteilige Wirkung von Parabenen ist bislang lediglich im Tierversuch und in hohen Dosen belegt. Welche Auswirkungen sich daraus für den Menschen ableiten lassen, ist noch vollkommen unklar. Ähnlich verhält es sich auch mit den Folgen durch Aluminiumablagerungen. "Selbst bei Menschen, die lange aluminiumhaltige Medikamente eingenommen haben, sind keine entsprechenden gesundheitlichen Auswirkungen bekannt geworden", sagt das Krebsforschungszentrum.

Auslöser für die Angst vor dem Deo könnte grundsätzlich die Tatsache sein, dass Aluminiumsalze vom Körper aufgenommen werden und sich dort ablagern. Ihnen ist mit Inhaltsstoffen der Geruchsverhinderer, die auf der Haut kleben bleiben, gemein, bei Mammographien weiße Flecken auf dem Röntgenbild zu erzeugen. Da sie mit dem Brustkrebs-Warnsignal "Mikrokalkablagerungen" verwechselt werden können, werden Frauen vor dieser Form der Vorsorgeuntersuchung immer gebeten, Deos, Cremes und Lotionen auf Achseln und Brüsten wegzulassen.

Lösen Sterilisation und Pille Krebs aus?

Ungebrochen ist auch die Verunsicherung bezüglich späterer Auswirkungen von Sterilisationen bei Männern und Frauen. Dahinter steht die Vorstellung, das Durchtrennen von Samenleitern könne Tumore in Prostata oder Hoden fördern und die Unterbindung der Eileiter dadurch Eierstockkrebs verursacht, dass der Körper gebildete Ei- beziehungsweise Samenzellen nicht mehr freisetzen kann. Ein Krebsrisiko ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Die Keimzellen, die der Körper bei sterilisierten Menschen bildet, werden einfach abgebaut.

In Zusammenhang mit der Empfängnisverhütung, kann die krebsauslösende Nebenwirkung der Pille zu solchen Verunsicherungen beitragen. Denn laut Studienlage erhöht die Einnahme des Verhütungsmittels das Brustkrebsrisiko statistisch ein wenig. Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs hingegen sinkt leicht.

>>Wenn Sie auch wissen wollen, ob es Krebsarten gibt, die ansteckend sind oder ob Tumore im Alter weniger schnell wachsen, dann lesen Sie hier mehr über die zehn größten Krebsmythen.<<

(wat)
 
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