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Die Kunst des Meditierens
So geben Sie den Gedanken einen Anker

Sieben Fakten über das Meditieren
Sieben Fakten über das Meditieren FOTO: dpa-tmn/istock
Düsseldorf . Auf dem Boden hocken, die Beine kunstvoll ineinander verschlungen, Augen geschlossen, Ooooom murmeln und alle Gedanken verbannen. So stellen sich viele Menschen Meditation vor. Das stimmt aber nicht ganz.

""Wir atmen uns ruhig" ist es nicht", sagt Maren Schneider, Meditations-Lehrerin und Buchautorin in Düsseldorf. Auch geht es nicht darum, mit dem Denken aufzuhören. Meditare, so Schneider, bedeute übersetzt "nachsinnen", im Tibetischen auch "sich mit etwas vertraut machen". Tatsächlich macht man sich vertraut damit, wie der Geist auf Geschehnisse und Erlebnisse reagiert.

Ein Beispiel: Man hört jemanden vom Urlaub reden oder sieht ein Bild von Meer und Strand. Wer viel arbeiten muss und sich keine Auszeit nehmen kann, denkt: Da kann ich nicht hin. Immer muss ich arbeiten, stark sein. "Man steckt mitten drin in der Diskrepanz zwischen dem, was ist und dem, was man haben möchte", erklärt Schneider. Diese Diskrepanz, die Gedanken und Bilder lösen Stress aus.

Stressbilder abbauen

Mit Hilfe von Meditation kann man lernen, solche Stressbilder und Gedankenspiralen zu erkennen und die Aufmerksamkeit auf etwas Neutrales zu lenken. "So verschwindet das Stressbild, denn man beschäftigt sich mit etwas anderem", erklärt Schneider. Das kann der Atem sein, ein Mantra, ein "Ooommm" oder eine Bewegung. "Es gibt verschiedene Formen der Meditation", sagt Wolfgang Pfeifer, Besitzer und Meditationstrainer der Pension "Aufatmen" im österreichischen Tirol. "Für Einsteiger ist eine Bewegungsmeditation eine gute Sache." Dabei geht es darum, eine bestimmte Abfolge von Bewegungen zu lernen, so dass sich die Gedanken auf den Rhythmus fokussieren. "Man gibt den Gedanken damit einen Anker", sagt Pfeifer.

Der Geist wehrt sich gegen die Nichtbeachtung und schiebt immer wieder Bilder und Gedanken in den Kopf: Der Chef, mit dem man nächste Woche eine Gehaltsverhandlung hat. Der Partner, der nicht zugehört hat. "Einige können sich sehr gut versenken, andere werden anfangs noch nervöser, als sie es ohnehin schon sind", sagt Ulrich Ott, Neurowissenschaftler und Meditationsforscher an der Uni Gießen, der seit 25 Jahren meditiert. Dann brauchen sie etwas Geduld. Gerade Anfängern empfiehlt er, sich von einem Lehrer unterstützen zu lassen.

Schneider rät, die Aufmerksamkeit bewusst von dem Stressgedanken wegzulenken, etwa den Atem zu spüren. Funktioniert das nicht, lässt man es auf sich beruhen. "Es reichen kurze Einheiten." Gerade am Anfang sind wenige Minuten sinnvoll - Hauptsache regelmäßig.

"Meditieren ist für jeden geeignet", sagt Pfeifer. In heftigen Stressmomenten allerdings sollte man nicht glauben, durch Meditation runterzukommen. Besser ist es bei einem niedrigen oder moderaten Stresslevel - um vorzubeugen für die wilden Momente.

Wer regelmäßig meditiert, lernt mit der Zeit, aufmerksamer mit sich selbst umzugehen und nicht mehr auf jeden Stressauslöser anzuspringen. "Meditation ist aus meiner Sicht ein Training in Selbstregulation", sagt Ott. "Man lernt, sich zu entspannen, zu konzentrieren und sich emotional zu klären".

Nun gibt es aber auch Menschen, die sich trotz Geduld und Anleitung nicht wohlfühlen beim Meditieren. Dann sollte sich niemand quälen, sagt Ott. Vielleicht löst bei ihnen etwas anderes meditative Zustände aus - das Starren auf das Meer, das Buddeln im Garten. Oder, wie bei Ott, der Spaziergang im Wald.

 

(dpa)
 
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