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Süße Medizin
Gesundheit: Heilmittel Honig

Medizinischer Honig: Ein süßes Heilmittel für die Gesundheit
Sie liefert den wertvollen Honig, der so manche Krankheit heilt oder lindert. FOTO: ddp, ddp
Düsseldorf (RP). In der Medizin erlebt der Honig eine Renaissance. In mehr als 20 Kliniken wird er als "Medihoney" bereits eingesetzt. Er fördert Wundheilung und zerstört hartnäckige Viren, indem er sie austrocknet.  Honig enthält zahlreiche Substanzen, die Wunden schneller heilen lassen. Tannen-, Lavendel-, Klee-, Kastanienhonig - Sorten gibt es fast so viele wie es Blütenpflanzen gibt. Von Juliette Irmer

Entsprechend unterscheiden sich die Aromen und die Wirkungsweisen. Denn Honig verfeinert nicht nur das Butterbrot, seit Menschengedenken ist er auch ein natürliches Heilmittel. Wird er auf Wunden verteilt, lässt er diese schneller heilen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verdrängte die Entdeckung der Antibiotika die klebrige Substanz aus der Medizin. Nun erfährt Honig eine Renaissance.

Als "Medihoney" ist er ein zertifiziertes Medizinprodukt, das in ganz Europa zur Wundpflege eingesetzt wird. Medihoney besteht aus zwei Honigsorten. Sie schreiben die Erfolgsgeschichte nun fort. "Heute sind wir in der Klinik mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind", erklärt Arne Simon, Arzt an der Universitäts-Kinderklinik in Bonn.

"Damit wird medizinischer Honig für die Wundpflege wieder interessant." An etwa zwei Dutzend Kliniken in Deutschland wird Medizinhonig bereits eingesetzt. Simon und seine Kollegen sind von der Wirkung begeistert: Er tötet Bakterien ab, wirkt geruchsmindernd, löst totes Gewebe und fördert die Wundheilung. Selbst mit multiresistenten Bakterien (Staphylokokken), den MRSA, wird der Honig fertig. Derartige Keime sind in Krankenhäusern gefürchtet, da sie gegen die meisten Antibiotika unempfindlich sind. Infiziert sich ein Patient mit MRSA, muss er strikt isoliert werden.

Auch Menschen mit chronischen Wunden dürfen hoffen. Häufig haben sie eine jahrelange, erfolglose medizinische Behandlung hinter sich. "Bekommt man eine solche Wunde in drei Monaten zu, so ist das ein bemerkenswerter Erfolg", sagt Simon, "und auch eine erhebliche Kostenersparnis."

Die Heilwirkung von medizinischem Honig wurde in den letzten Jahren intensiv erforscht. Er weist gleich drei Mechanismen auf, die den Bakterien das Leben schwer machen: Medihoney enthält soviel Zucker, dass er den Bakterien Wasser entzieht und diese dadurch austrocknet. Außerdem fügen Bienen bei seiner Produktion ein bestimmtes Enzym hinzu. Dieses Enzym sorgt dafür, dass kontinuierlich in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid freigesetzt wird.

Diese Substanz, die beim Frisör aus einer Brünetten eine Blondine zaubert, zerstört auch Bakterien. Der dritte Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. Er hat mit der Sorten-Spezifik zu tun. Denn Frühstückshonig etwa eignet sich nicht zur Wunderversorgung, da er Keimsporen enthalten kann.

Besonders stark wirksam ist Honig, der aus den Blüten des australischen Jellybushs, einem Teebaumgewächs, gewonnen wird. "Warum das so ist, muss noch erklärt werden", sagt Simon. Medizinischer Honig wirkt allerdings nicht immer in der gewünschten Weise. Manche Patienten klagen über Schmerzen nach dem Auftragen. Selten kommt es zu allergischen Reaktionen, und in manchen Fällen zeigt er keine Wirkung.

"Die Behandlung ist aber so erfolgreich, dass wir ihre Wirkung nun auf feste Füße stellen wollen", so Simon. Denn trotz der positiven Erfahrungen, die weltweit mit Honig gemacht werden, gibt es bislang nicht viele Studien zu seiner Heilkraft. Zusammen mit zehn deutschen und europäischen Zentren planen die Bonner Ärzte nun eine Beobachtungsstudie, die belegen soll, dass Honig seine Renaissance zu Recht feiert.

 
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