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Sinusitis
Immer Ärger mit den Nasennebenhöhlen

 Nasennebenhöhlenentzündung - was tun?
FOTO: Radowski
Düsseldorf . Die chronische Sinusitis als Entzündung der Nasennebenhöhlen ist mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Wichtig ist eine möglichst frühzeitige Therapie. Von Jörg Zittlau

Der menschliche Körper besitzt einige Bereiche, deren Sinn und Funktion sich selbst bei angestrengter Forschung nicht restlos erschließen. Dazu zählt das System der diversen Nasennebenhöhlen. Für die Resonanz der Stimme sind sie, anders als lange geglaubt, beinahe bedeutungslos, weil in diesen von Schleimhaut ausgekleideten Dunkelkammern nur wenig schwingen kann. Dienen sie evolutionär zur Erhöhung des Schädelvolumens? Jedenfalls machen sie sich immer wieder als Ort von Entzündungen bemerkbar, die auch die Abflussgänge verstopfen.

Die unterschätzte Entzündung

Immer mehr Menschen leiden an einer Sinusitis, der chronischen Entzündung der Nebenhöhlen. Der Grund: Sie wird oft unterschätzt und ignoriert. Dabei sollte sie möglichst früh therapiert werden, denn ansonsten drohen Hirnhautentzündungen und andere schwere Komplikationen.

Wie jetzt ein internationales Forscherteam unter Deniz Hastan von der Universität Amsterdam ermittelt hat, leiden knapp elf Prozent der europäischen Bevölkerung an chronischer Sinusitis. "In Duisburg fand man sogar eine Quote von 14,1 Prozent", erklärt Achim Beule von der Universität Greifswald, während die befragten Ärzte lediglich von 8,4 Prozent ausgegangen waren. Die hohe Fallzahl im Ruhrgebiet habe vermutlich mit den dortigen Schadstoffbelastungen zu tun, vermutet der HNO-Mediziner.

Ein Keim als Haupterreger

Hauptursache für die hohe Erkrankungsquote ist jedoch ein Bakterium: Staphylococcus aureus. Es ist nämlich ein Meister im Täuschen des menschlichen Immunsystems. Und es wendet einen speziellen Trick an: Es produziert ein spezielles Enterotoxin, ein im Darmtrakt aktives Gift, das vom Körper mit großen Mengen an Immunglobulin E (IgE) beantwortet wird. Und dieser Antikörper ist eigentlich für Würmer und Pilze zuständig, nicht aber für Bakterien. Der Keim selbst bleibt also unbehelligt, und stattdessen wird der Organismus mit IgE geflutet - und das führt zu Reaktionen, die normalerweise bei Allergien der Atemwege auftreten.

Druckgefühl in Stirn und Wange

So schwellen die Schleimhäute in den Nebenhöhlen an, die Nasenlöcher verstopfen, und es entsteht ein Druckgefühl im Stirn- und Wangenbereich. Was zwar unangenehm und lästig ist, den Patienten aber nicht unbedingt zum Arztbesuch drängt. "Chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen schleichen sich oft durch die Hintertür in den Alltag", warnt Beule. Dadurch gehen die Betroffenen weiter ihren privaten und beruflichen Pflichten nach, anstatt zurückzuschalten und die Erkrankung behandeln zu lassen. In der Folge sinken die Chancen auf ein spontanes Verschwinden der Erkrankung auf Null.

Stattdessen steigt das Risiko, dass sich andere Erkrankungen andocken. Die Betroffenen leiden öfter an Asthma, außerdem können sich die Entzündungen aus den Nasennebenhöhlen leicht auf andere Gewebeteile übertragen, wie etwa auf die Augenhöhlen oder sogar das Gehirn. Insgesamt fehlen chronische Sinusitis-Patienten jährlich fast fünf Tage häufiger an ihrem Arbeitsplatz als andere Arbeitnehmer.

Therapie früh beginnen

Gründe genug also, frühzeitig mit der Therapie einzusetzen. Denn oft lässt sich eine Sinusitis schon durch cortisonhaltige Nasensprays behandeln. "Sechs Prozent der Patienten entwickeln hier zwar ein Nasenbluten", erklärt Beule, "doch ansonsten werden die Sprays in der Regel gut vertragen, da sie ja nur örtlich begrenzt im HNO-Bereich zum Einsatz kommen". Nasenspülungen mit einer iso- oder hypertonen Kochsalz-Lösung verflüssigen den Nasenschleim und lindern dadurch die Symptome. Der Sinn von Antibiotika ist hingegen fragwürdiger denn je, insofern gerade Staphylococcus aureus in vielen Fällen resistent geworden ist.

Mehr Hoffnung macht dagegen der Wirkstoff Omalizumab, ein sogenannter monoklonaler Antikörper, der bisher vor allem bei schwerem allergischen Asthma zum Einsatz kommt. Weil er das problematische IgE aus dem Verkehr ziehen kann, klingt es logisch, dass er auch bei Sinusitis helfen könnte. Doch das muss er erst noch in klinischen Studien beweisen, ganz zu schweigen davon, dass er sehr teuer ist.

Endoskopischer Eingriff

Ansonsten bleibt - vor allem, wenn sich die Entzündung bereits in Wucherungen, den so genannten Polypen, niedergeschlagen hat - nur noch der Griff zum Skalpell. Der Eingriff erfolgt meist endoskopisch, indem ein Schlauch mit den OP-Instrumenten durch die Nasenöffnung geführt wird. Dabei begradigen die Chirurgen die Nasenscheidewand, und sie entfernen die Polypen und entzündete Schleimhautpartien. Manchmal muss der verstopfte Zugang zur Stirnhöhle chirurgisch eröffnet werden.

Als neue Methode steht die "Ballon-Sinuplastie" zur Verfügung. Dabei werden Ballonkatheter ins Höhlensystem geschoben und aufgepumpt, um die verengten Regionen zu weiten und Platz für die Luft und die ablaufenden Nasensekrete zu schaffen. Bei großen Polypen oder komplizierteren Verhältnissen stößt das Verfahren an Grenzen.

Quelle: RP
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