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Gesundheit in NRW
Warum Frauen häufiger krank sind als Männer

NRW: Frauen sind laut DAK-Studie häufiger krank als Männer
Arzt mit Stethoskop (Symbolbild): Unterschiede auch bei psychischen Erkrankungen FOTO: dpa
Düsseldorf. Eine neue Studie zeigt: Der Krankenstand in NRW ist so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr. Dabei gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen leiden häufiger unter Depressionen, Männer greifen dafür öfter zur Flasche. Von Laura Ihme

Männer scheinen häufiger zu leiden - und das, obwohl Frauen viel häufiger als sie krankgeschrieben sind. Was ein wenig nach Klischee klingt, hat die DAK-Krankenkasse in ihrem neuen Gesundheitsreport für NRW wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis dieser Daten-Erhebung von 460.000 Versicherten: Im vergangenen Jahr lag der Krankenstand bei den Frauen in NRW 16 Prozent höher als bei den Männern.

FOTO: RP Infografik

Rechnet man die beiden Geschlechter zusammen, ergibt sich laut DAK für das vergangene Jahr sogar der höchste Krankenstand in NRW seit 16 Jahren. Und die Zahl der Erkrankten könnte sogar noch höher liegen: Denn die Krankenkasse hat für ihre Studie ausschließlich Daten von Berufstätigen erhoben, die einen Krankenschein bekommen haben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bei den häufigsten Erkrankungen sind sich Männer und Frauen dann doch wieder relativ ähnlich. So leiden Frauen und Männer gleichermaßen meist an Problemen mit dem Muskel-Skelett-System wie etwa an Rückenschmerzen, aber auch psychischen Erkrankungen und Krankheiten des Atmungssystems. Die so genannten Volkskrankheiten sind es auch tatsächlich - und machen einen Großteil der Erkrankungen in NRW aus.

Bei anderen Krankheiten ergibt sich dagegen beim Blick auf die Geschlechter ein differenzierteres Bild: Bei den Männern wurden im vergangenen Jahr zum Beispiel 73 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verzeichnet als bei Frauen. Frauen dagegen erkrankten häufiger an Krebs. Wie diese Werte zu verstehen sind, erklärt Rainer Lange, Sprecher der DAK für NRW: "Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben die hohen Zahlen bei den Männern etwas mit den Risikofaktoren für Erkrankungen dieser Art zu tun. Da gehören etwa Rauchen oder Übergewicht zu. Sie treffen häufiger auf Männer zu, und deshalb erkranken sie häufiger." Nordrhein-Westfalens Männer scheinen also eher zu Lastern wie Übergewicht zu neigen als die Frauen.

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Die hohe Zahl der Krebserkrankungen bei den Frauen sei dagegen mit der großen Anzahl von Brustkrebs-Diagnosen in schon jungen Jahren zu erklären: "Viele Frauen erkranken sehr früh an Brustkrebs - und das schlägt sich dann auch in unserer Statistik, die ja Berufstätige erfasst, nieder." Vergleichbar mit Brustkrebs sei bei den Männern der Prostatakrebs. Da dieser aber häufiger im höheren Alter nach Eintritt in die Rente diagnostiziert wird, ist er in der Statistik nicht aufgeführt. Die Männer erkranken also ebenso an Krebs - jedoch oft viel später im Leben als die Frauen.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es auch bei den psychischen Erkrankungen. So lag die Zahl der Fehltage erkrankter Frauen 2015 insgesamt und bei den Depressionen höher als bei den Männern, diese leiden jedoch häufiger an psychischen Störungen infolge von Alkoholmissbrauch.

Dass Frauen häufiger krank sind als ihre männlichen Kollegen, bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sie auch mehr unter ihren Erkrankungen leiden: So fallen Frauen im Krankheitsfall im Schnitt 12,3 Tage aus, Männer feiern 12,5 Tage krank. Und bei einer im Rahmen der Studie zusätzlich von der DAK durchgeführten Umfrage gaben 65 Prozent der Frauen an, mindestens einmal im Jahr krank zur Arbeit gekommen zu sein. Bei den Männern waren es 60 Prozent. Leiden Männer also tatsächlich intensiver? Zu ihrer Ehrenrettung sei aber noch folgender Wert genannt: Laut DAK besuchen sie ihren Arzt bloß viermal im Jahr (Frauen: sieben Mal) - diese NRW-Männer sind also doch ganz harte Kerle. Darum, wer wo wie abschneidet, ging es der DAK in ihrer Studie derweil nicht: Sie will für mehr geschlechterspezifische Gesundheitsförderung werben.

Quelle: RP
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