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Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen
Was Sie wissen müssen, wenn Sie sich selbst therapieren

Paracetamol, Ibuprofen & Co: Gefahren bei Schmerzmitteln ohne Rezept
Viele Schmerzmittel sind frei in der Apotheke erhältlich, es gibt jedoch einiges bei der Einnahme zu beachten - insbesondere, wenn man sie häufiger nimmt. FOTO: Shutterstock.com/ Kjetil Kolbjornsrud
Düsseldorf. Viele Schmerzmittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Egal, ob Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen, viele schlucken lieber eine Pille, statt zum Arzt zu gehen. Worauf Sie bei der Selbstmedikation achten müssen und welche Gefahren sie birgt, beantwortet ein Schmerzmediziner der Uni-Klinik Düsseldorf im Gespräch mit unserer Redaktion. Von Susanne Hamann

Was Sie über Paracetamol wissen müssen

"Das Problem bei Paracetamol ist, dass die therapeutische und die toxische Dosis sehr nahe beieinander liegen", sagt PD Dr. Goran Pavlaković, Ärztlicher Leiter der Ambulanz für Schmerztherapie an der Uni-Klinik Düsseldorf. "Um das Gesundheitsrisiko zu verringern, gibt es die Packungen seit circa einem Jahr mit maximal 20 Tabletten." Doch egal, ob Kopf-, Rücken- oder Bauchweh, wer unter Schmerzen leidet, der nimmt, was er kriegen kann, wenn nötig auch mehrere Pillen hintereinander.

Ab dieser Dosis wird es gefährlich: Ab vier Gramm pro Tag beginnt die Dosierung allerdings kritisch zu werden. "Das sind acht Tabletten zu je 500 Milligramm Paracetamol", sagt, Pavlaković, "aber jemand mit richtigen Schmerzen hat diese Menge schnell eingenommen." Erste Symptome können Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sein. "Wird eine Menge von bis zu acht Gramm konsumiert, kann es auch auch bei ansonsten gesunden Menschen zu Leberversagen kommen", so der Schmerzmediziner.

Dieser Schaden wird angerichtet: Leberversagen. Das ist das größte Gesundheitsrisiko bei Erwachsenen und nicht schwangeren Personen. Wer eine Vorbelastung des Organs, etwa durch Alkoholkonsum hat, der kann auch schon bei vier bis sechs Gramm an einem Tag Leberschäden entwickeln. Bei keinem anderen Mittel ist die Spanne zwischen therapeutischer und toxischer Wirkung so klein. Im Jahr 2010 mussten 850 Patienten als Folge im Krankenhaus behandelt werden. Aus diesem Grund fordern einige Ärzte auch eine Rezeptpflicht für das Mittel.

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Risikofaktor Kombipräparate: Pavlaković ist vor allem gegen Kombipräparate.  "Wenn Paracetamol, Koffein und Aspirin zusammen verabreicht werden, verliert der Patient den Überblick darüber, wieviel von einem Schmerzmittel er genommen hat". Gerade bei der Selbstmedikation landen Patienten dann schnell im gefährlichen Bereich. Das gelte auch für andere Kombipräparate, die etwa den Wirkstoff Naproxen oder Ibuprofen beinhalten.

Was Sie über Ibuprofen wissen müssen

Ernährungstipps bei gereiztem Magen FOTO: Jens Schierenbeck, gms

Neben Paracetamol zählt Ibuprofen zu den gängigsten Schmerzmitteln, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Das Mittel wirkt nicht nur gegen Schmerzen, es lindert auch Entzündungen und senkt Fieber. Aus diesem Grund ist es zu einer Art Doping-Mittel für den Alltag geworden: ob Kater, Gliederschmerzen vom Joggen oder Fieber, Ibuprofen ist schnell eingenommen. Hin und wieder ist das auch kein Problem. Wird das Mittel jedoch auf Dauer oder in zu hoher Tagesdosis genommen, entstehen eben doch deutliche Gesundheitsrisiken. 

Ab dieser Dosis wird es gefährlich: "Die maximale Höchstdosis von Ibuprofen liegt bei 1800 Milligramm", so der Experte. Das sind etwa vier Tabletten bei einer Dosierung von 400 Milligramm pro Pille. Eine gängige Dosierungsempfehlung gibt es nicht. Das hängt immer vom Fall des Patienten ab. Nach Operationen und vom Arzt verschrieben, kann sie diese Grenze auch mal überschreiten.

Dieser Schaden wird angerichtet: Leichtfertig sollte man Ibuprofen aber nicht einnehmen. Ebenso wie bei Paracetamol gilt das bei Ibuprofen auch bei häufiger, wenn auch unregelmäßiger Einnahme. Das Mittel schlägt auf den Magen. Wird es immer wieder genommen, und besteht eine Vorgeschichte etwa mit Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündung, kann das bis hin zur Magenblutung führen. "Aus diesem Grund geben Mediziner inzwischen meistens Mittel zum Magenschutz zu Ibuprofen dazu", weiß der Schmerzmediziner Pavlaković.

Was Sie über Diclofenac wissen müssen

Dieser Schaden wird angerichtet: Schlimmer ist laut dem Experten nur das Mittel Diclofenac. Es wird als Salbe oder Tablette bei Gelenkproblemen verschrieben. Wird es innerlich genommen, zählt es zu den magenschädigsten Mitteln, die man zu sich nehmen kann. "Das ergab eine Meta-Analyse von mehreren Studien zu der Schmerzmittelgruppe in die Ibuprofen, Diclofenac und auch Naproxen fallen", so Pavlaković "Sie ergab, dass kein anderes dieser Mittel so schädlich wirkt wie Diclofenac. An zweiter Stelle steht Ibuprofen, an dritter Stelle das Mittel Naproxen." Diclofenac kann neben Magenblutungen auch Herz-Kreislauf-Probleme auslösen. "Jährlich sterben 8000 Menschen in Deutschland aufgrund der Folgeschäden, die durch diese Schmerzmittelgruppe entstehen können", warnt der Arzt.

Ab dieser Dosis wird es gefährlich: Gefährlich wird die Einnahme ab einer Tagesdosis von 150 Milligramm. Rezeptfrei sind Tabletten mit 75 Milligramm Wirkstoff erhältlich. Mediziner empfehlen jedoch, Diclofenac so kurz wie möglich einzunehmen.

Was Sie über Naproxen wissen müssen

Naproxen wird bei rheumatischen Erkrankungen, Fieber, aber auch bei Menstruationsschmerzen angewendet. Das Mittel wird in Deutschland besonders häufig in Kombipräparaten angeboten.

Ab dieser Dosis wird es gefährlich: Gefährlich wird Naproxen ab einer Tagesdosis von 750 Milligramm.

Dieser Schaden wird angerichtet: Dann kann es Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit auslösen. Insgesamt wird es jedoch besser vertragen als Ibuprofen. "Das größte Problem ist, dass viele Menschen die Mittel deutlich zu lange und regelmäßig einnehmen", warnt der Schmerzmediziner. "Das führt dazu, dass sich mit der Zeit Folgeerscheinungen durch die Medikamente einstellen. Eine sehr häufige davon sind übrigens Kopfschmerzen." Menschen, die nur wegen regelmäßigen Konsums von Schmerztabletten unter Kopfweh leiden, machen immerhin 30 Prozent der Patienten des Mediziners aus. "Außerdem nehmen viele Menschen die Tabletten vorbeugend, weil sie Angst davor haben, dass die schlimmen Schmerzen wieder auftreten." Diese Handlung nennt der Mediziner eine Art Sucht nach dem Schmerzblocker. Ein High erzeugt sie zwar nicht, aber die gefühlte Erlösung vom Schmerz könne eine ähnliche Sucht erzeugen.

Schnelle Tipps für die richtige Selbstmedikation mit Schmerzmitteln:

  • Aus Gründen wie diesen warnt Pavlakovic davor, zu häufig Medikamente einzunehmen. "Wer mehr als sechs Mal im Monat Ibuprofen nimmt, sollte einen Arzt aufsuchen. Das gleiche gilt für einen Kopfschmerz, der zwölf Tage eines Monats oder sogar länger auftritt", empfiehlt er.
  • Wer schon ein Kombipräparat eingenommen hat, sollte an diesem Tag auf weitere Medikamente verzichten, oder mindestens sechs Stunden bis zur nächsten Einnahme warten
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