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Forschung
Per "Hirnschrittmacher" gegen Parkinson

Parkinson: Mehr Beweglichkeit durch Hirnschrittmacher?
FOTO: Shutterstock.com/ Naeblys
Hamburg. Die Parkinson-Krankheit gilt bislang als unheilbar. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Köln Betroffenen einen Hirnschrittmacher eingesetzt. Mit Erfolg: Das Gerät verbesserte nicht nur die Bewegungsfähigkeit der Kranken, sondern auch ihre Lebensqualität.

Das berichtet Dr. Lars Timmermann im Fachmagazin "The Lancet Neurology". Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, das bedeutet, dass im Gehirn zunehmend bestimmte Nervenzellen absterben. In der Folge werden Patienten im Verlauf der Krankheit immer stärker in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt bis hin zur Bewegungsstarre.

Bislang wird die Krankheit vor allem medikamentös behandelt, allerdings nur symptombezogen. Geheilt werden kann die Parkinson-Krankheit nicht. Mit dem neuen Ansatz der Kölner Uni-Klinik könnte sich die Lebensqualität der rund 200.000 Betroffenen in Deutschland allerdings deutlich verbessern.

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Der Hirnschrittmacher hat acht verschiedene Kontakte mit denen er verschiedene Gehirnareale anregt. Zum ersten Mal wurde das Gerät 2010 implantiert. In der neuen Studie haben die Wissenschaftler in mehreren medizinisch-wissenschaftlichen Zentren insgesamt 40 Patienten den Hirnschrittmacher eingesetzt. Beteiligt waren Zentren in Spanien, Österreich, England, Frankreich, Italien und Deutschland.

Ihr Ergebnis: Bereits drei Monate nach der Operation stellt sich bei den Patienten eine erhebliche Verbesserung der Beweglichkeit ein. Sechs Monate später seien die Patienten bis zu 62,4 Prozentpunkte besser beweglich gewesen als vor der OP. Auch die Überprüfung zwölf Monate nach der Operation ergab, dass die Verbesserung dauerhaft anhielt.

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Testbögen und Gespräche mit den Patienten zeigten, dass ihre Lebensqualität nach der OP um über 33 Prozent gestiegen ist. Als Grund dafür nannten sie die Verbesserung der Beweglichkeit, die es ihnen erlaubte Alltagshandlungen leichter durchzuführen. Der Hirnschrittmacher hat jedoch auch Nachteile, so kann er das Sprachvermögen mitunter deutlich beeinträchtigen.

In den Ergebnissen der Studie sehen die Wissenschaftler eine echte therapeutische Chance, denn sie belegt die positiven Ergebnisse des Gerätes. In Zukunft könnte mit dem Hirnschrittmacher etwa die Menge an Medikamenten, die Parkinson-Patienten einnehmen müssen, verringert werden. 

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