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Dortmunder vergisst seine Identität
Was ist dissoziative Amnesie?

Bekannte Fälle von Amnesie
Bekannte Fälle von Amnesie
Düsseldorf . In Dortmund haben die Behörden diese Woche versucht, die Identität eines Amnesie-Patienten zu klären. Er selbst kann sich nicht erinnern, wer er ist und woher er kommt. Sonst geht es ihm gut. Wie kann es zu so einem Geisteszustand kommen? Die wichtigsten Antworten.  Von Susanne Hamann

Der Mann, der im April in einem Güterwaggon im Dortmunder Hauptbahnhof gefunden wurde, hatte keine Papiere bei sich. Die Polizei hat die Öffentlichkeit um Hinweise zur Identität des Mannes gebeten. Inzwischen wurde seine Herkunft geklärt. Weitere Daten gibt die Polizei zum Schutz des Mannes nicht bekannt. 

Worunter leidet der Dortmunder Patient?

Laut Polizei leider der Patient unter dissoziativer Amnesie. Das ist der Begriff für das Vergessen der eigenen Identität und Biografie - ohne die Beeinträchtigung von Alltagshandlungen. Im Gegensatz zu einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung sind Amnestiker also trotz ihrer Erkrankung in der Lage, sich beispielsweise anzuziehen, sich Essen zu kochen, ein Auto zu fahren oder andere alltägliche Dinge zu tun.

In extremen Fällen laufen Betroffene für eine Zeit lang von zu Hause weg. In dieser Zeit erinnern sie sich weder an ihre Identität noch an ihre Herkunft. Man nennt das dissoziative Fugue, eine Unterform der dissoziativen Amnesie. 

Wie kommt es zu einer dissoziativen Amnesie?

Dissoziative Amnesie liegt dann vor, wenn gesichert ist, dass die Erinnerungslücken nicht durch hirnorganische Störungen oder Erschöpfung auftreten. In der Regel wird sie durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst. Es ist eine Art Schutzfunktion der Psyche, durch die eine erneute Auseinandersetzung mit dem dramatischen Erlebnis vermieden werden soll. Dennoch kann das Trauma Auswirkungen haben, ohne dass die Patienten davon wissen. Hat es beispielsweise in einem Aufzug stattgefunden, kann es sein, dass die Betroffenen im Anschluss Fahrstühle meiden, aber nicht verstehen warum. 

Bei der dissoziativen Fugue kommen Menschen oft irgendwann an völlig fremden Orten zu sich und wissen nicht mehr, wie sie dort hingekommen sind. 

Wie lange hält der Zustand an?

Die Amnesie kann wenige Minuten bis zu mehreren Jahren anhalten. Die Erinnerungen können auch zwischendurch teilweise zurückkehren und dann wieder verschwinden. Viele Betroffene berichten von sogenannten Flashbacks, also Erinnerungen, die blitzartig auftreten und wieder verschwinden. Der genaue Verlauf der Amnesie hängt vom Patienten ab. 

Wie sieht die Therapie aus?

Psychotherapie ist der wichtigste Baustein im Umgang mit dissoziativer Amnesie. Neben Gesprächstherapie werden dabei auch Medikamente und oftmals Hypnose eingesetzt. 

(ham)
 
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