Leichte Fälle selber kurieren
Sodbrennen - wenn der Magen sauer ist
Das hilft gegen Sodbrennen
Das hilft gegen Sodbrennen FOTO: shutterstock/ absolutimages
Essen. Zu fettig, zu viel und zu schnell: So lautet das fatale Grundmuster, nach dem sich immer mehr Menschen ernähren. Nach üppigen Mahlzeiten leidet jeder Dritte unter Sodbrennen. Vielen ist nicht klar, dass das eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellen kann. Von Tanja Walter

Braten mit Klößen, ein Glas Wein dazu und zum Nachtisch Tiramisu – solch üppiges Essen bekommt nicht jedem gut. Sodbrennen kann die Folge sein. Es gehört zu den häufigsten Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Nicht nur üppige Speisen provozieren den Ärger in der Speiseröhre. Auch zu viel Alkohol triggert das Problem. In leichten Fällen, in denen es gelegentlich nach üppigen Mahlzeiten auftritt, kann man sich selber helfen.

Reflux kann gefährlich sein

Doch kann Sodbrennen auch ein Symptom für die so genannte Refluxerkrankung sein, erklärt Gastroenterologe Dr. Arne Boekstegers aus Essen. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Speiseröhre, die durch einen besonders starken Rückfluss von Magensäure hervorgerufen wird. Sie kann gravierende gesundheitliche Auswirkungen haben.

Zu Sodbrennen, auch Reflux genannt, kommt es durch zu hohen Druck auf den Magen oder weil der obere Speiseröhrenschließmuskel ungenügend funktioniert. Dieser Muskel lässt beim Essen wie ein Ventil alle Speisen durchrutschen, soll aber umgekehrt den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verhindern.

Sodbrennen nach fettem Essen

An Tagen, an denen üppig und fettig getafelt wird, kann es quasi durch eine Überfüllung des Magens dazu kommen, dass der im Magen befindliche Magensaft keinen Platz mehr hat und nach oben gedrängt wird. Diese Art von Sodbrennen ist nach Auskunft des Gastroenterologen ungefährlich und lässt wieder nach, wenn man mit einigen Tricks und ein wenig Verdauungszeit den Magen vom Druck befreit.

Statistische gesehen leidet jeder dritte Bundesbürger unter Beschwerden, die durch den Reflux verursacht werden. Das können sein: Ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der manchmal für ein Herzproblem gehalten wird, saures Aufstoßen oder Völle- und Druckgefühle im Oberbauch. Auch chronischer Husten, Heiserkeit oder dauernde Halsschmerzen können Auswirkungen eines an sich unbemerkten Refluxes sein. 60 Prozent aller Asthmakranken haben laut Boekstegers einen nächtlichen Rückfluss, den sie nicht bemerken. Zwischen Speiseröhre und Bronchien gibt es eine Art Reflex-Netz. Durch die Reizung der Speiseröhre verengen sich dann sie Bronchien in der Lunge.

Magensäure löst Metall auf

"Man mag es kaum glauben, aber Sodbrennen muss nicht immer zu massiven Beschwerden führen", erklärt der Essener Gastroenteologe. Manch Betroffener weiß überhaupt nicht, dass er chronisch unter Reflux leidet. Das hat gravierende Auswirkungen. Durch den ständigen Rückfluss der ätzenden Magen- oder auch Gallensäure in die Speiseröhre kommt es zur Schädigung der Speiseröhre. "Die Säure ist so aggressiv, dass sie sogar Metall auflösen kann", erklärt Dr. Arne Boekstegers. Der Magen selbst schützt sich durch eine widerstandsfähige Schleimhaut vor dem Verdauungssaft. Die Speisröhre hingegen ist dem Säureangriff ausgeliefert und entzündet sich.

Schädigung der Speiseröhre

Das Gewebe verätzt, vernarbt, das Gewebe der Speiseröhre baut sich um zu magenähnlichen Zellen, die leicht entarten können. Die Mediziner sprechen bei dieser Veränderung von Metaplasie – der Vorstufe zum Speiseröhrenkrebs. "Die Zahl der Menschen, die daran erkranken ist in den vergangenen Jahren um tausend Prozent gestiegen", warnt Dr. Arne Boekstegers. Nur ein Arzt kann durch genaue Diagnoseverfahren – zum Beispiel einer Spiegelung des Magens oder der Speiseröhre – feststellen, was hinter dem Sodbrennen steckt.

Bewegung hilft bei gelegentlichen Beschwerden

Derjenige, der jedoch lediglich nach reichlicher Mahlzeit gelegentlich vom Sodbrennen geplagt wird, kann sich selbst zunächst helfen, indem er darauf achtet, sich nach dem Essen ausreichend zu bewegen. Das bringt auch den Magen-Darm-Trakt in Bewegung und hilft bei der Verdauung. Schlückchenweise kann zudem stilles Mineralwasser den Magensaft verdünnen. Wer auf das Mittagsschläfchen nicht verzichten will, der sollte zumindest den Oberkörper hoch lagern und damit physikalisch der aufsteigenden Magensäure eine Hürde entgegensetzen. Hier finden Sie zudem zwölf Tipps gegen lästiges Sodbrennen im Überblick.

Quelle: wat/rm
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