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Die häufigsten Fußleiden
Das steckt in den Schuhen der Deutschen

So sehen die häufigsten Fußleiden aus
So sehen die häufigsten Fußleiden aus FOTO: Shutterstock/Photographee.eu
Düsseldorf/Bonn. Nach monatelangem Schattendasein in Socken und Schuhen offenbart sich mit wärmeren Temperaturen bald, wie schlecht es um die Füße vieler bestellt ist: 60 Prozent der Erwachsenen leiden an Fußproblemen. Hier erfahren sie, welches die häufigsten sind und was man dagegen tun kann. Von Tanja Walter

Im Laufe eines Menschenlebens tragen uns unsere Füße beinahe dreimal um die Welt. Welch tragende Rolle sie spielen, zeigt sich für die meisten allerdings erst, wenn etwas nicht stimmt und es bei Schritt und Tritt schmerzt. Ursache dafür kann eine durch eine Fehlstellung oder Überbeanspruchung verursachte Überlastung sein, wie zum Beispiel ein Fersensporn, ebenso aber auch Deformationen wie ein Hallux Valgus oder Hammerzehen.

Was aber setzt den Füßen derart zu?

Lange auf den Füßen zu sein, strengt an. Das weiß jeder, der schon einmal eine lange Wander-Tour hinter sich gebracht hat oder gar jeden Tag im Job viel Stehen oder Laufen muss. Solche extreme Belastungen fordern manchmal ihr Tribut. Vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen. Fußspezialisten wie Johannes Beike vom Fußzentrum des Waldkrankenhauses in Bad Godesberg wissen, dass es meist nicht nur einen Grund für schmerzende Fußprobleme gibt: "Falsches Schuhwerk, anlagebedingte Schwächen, Übergewicht oder auch hormonelle Komponenten wie nach Eintreten der Wechseljahre spielen eine Rolle." 

So beugen Sie eingewachsenen Zehennägeln vor FOTO: www.kinderfuesse.com

Was sind die häufigsten Fußfehlhaltungen?

Es gibt zahlreiche Fußfehlhaltungen, die meist in Kombination auftreten. Am bekanntesten sind der Knick-, Senk- und Spreizfuß. "Der Senk-Spreizfuß ist dabei die am häufigsten orthopädisch diagnostizierte Fuß-Fehlstellung", sagt Johannes Beike.

Knickfuß:

  • Spreizfuß: Der erste Mittelfußknochen, der durchschnittlich bis zu 70 Prozent der Belastung beim Abstoßen trägt, ist instabil. Dadurch ist die Druckaufnahme des Vorfußes nicht mehr gleichmäßig verteilt. Dadurch spreizen sich die Zehen meist auseinander. Die Betroffenen klagen dann über Schmerzen unter der Fußsohle. Am Vorfuß bilden sich schneller Schwielen und Hühneraugen. Das kann man dagegen tun: Eine gezielte Druckentlastung an den fehlbelasteten Stellen und die Stabilisierung des Fußes. Eine orthopädische Einlage hebt das Gewölbe an und stützt es ab. Die Schmerzen verschwinden. Beide Fußexperten empfehlen ein Abwägen.

Senkfuß:

  • Der Fuß ist an seinem inneren Rand abgesenkt und am äußeren Rand angehoben. Optisch sieht es so aus, als sei er am Knöchel nach innen geknickt. "Bei kleinen Kindern sind Knickfüße normal", sagt Hakan Pilge, Orthopäde am Uniklinikum Düsseldorf. Durch häufiges barfuß Laufen und die normale Entwicklung im Schulalter gibt sich dieses Fußbild. Nur wenn sie zuvor sehr extrem sind oder über das mittlere Grundschulalter hinaus auffällig bleiben, sollte man mit dem Arzt über therapeutische Maßnahmen sprechen. "Vor allem dann, wenn sie über Belastungsschmerzen zum Beispiel nach dem Sport berichten", sagt Pilge.
    Das kann man dagegen tun: Orthopädische Einlagen geben dem Fuß den richtigen Halt. Physiotherapie schult die Muskulatur und sorgt dafür, dass sich der Fuß gesund weiterentwickelt. Auch mit kleinen Maßnahmen zu Hause, lässt sich vor allem bei jüngeren Patienten viel in Sachen Fußstärkung und Muskelaufbau erreichen. "Im Eimer Kiesel mit den Füßen zu rühren oder Perlengreifen mit den Zehen", nennt Orthopäde Pilge als probate Mittel. Nur wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg zeigen, kann man den Fuß durch eine Operation richten.
     
  • Im Volksmund ist er auch als Plattfuß bekannt. Der Mittelfuß ist abgeflacht, das innere Längsgewölbe also abgesunken. Mit der Zeit wird die Muskulatur durch die falsche Haltung schwächer und der Fuß knickt nach innen weg. Ursache dafür ist meist ein zu schwaches Bindegewebe. Zwar ist diese in der Regel erblich bedingt, trägt der Betroffene zudem aber auch noch schlechtes Schuhwerk, verstärken sich die Symptome. Die Fehlstellung des Fußes kann zu Schmerzen im ganzen Fuß führen und sogar bis in die Leiste oder die Körperstatik bis hin zum Kiefer beeinträchtigen. "Es gibt Kieferorthopäden, die ihre Patienten mit Einlagen behandeln", sagt Beike. Dauerhaft können sich daraus Achsveränderungen der Beine ergeben – also X- oder O-Beine, Knieprobleme, eine stärkere Abnutzung der Hüfte oder Symptome wie "schwere Beine".
    Das kann man dagegen tun: Mit Einlagen wird der Fuß entlastet. Fußgymnastik kann zur Stärkung der Fußmuskulatur beitragen. Nur in seltenen Fällen stellt sich die Frage nach einer operativen Korrektur. Wer das Absinken des Fußgewölbes vermeiden will, sollte auf passendes Schuhwerk achten, das auch vorne die Zehen nicht einengt.
     

    Krallenzehen/Hammerzehen

    Als Folge eienr Fußinstabilität durch Übergewicht, Alter oder andere Faktoren kann es zur Bildung von Krallen- oder manchmal auch Hammerzehen kommen. Bei Krallenzehen sind die Zehen mit Ausnahme des Großzehs stark überbeugt. Dadurch entstehen Schwielen und Schmerzen auf den Mittelgelenken der Zehen. Beim Hammerzeh ist der Schmerz häufig ganz vorne am Zeh spürbar.
    Das kann man dagegen tun: Wichtigste Maßnahme um dieser Deformierung vorzubeugen, sind das Tragen von Einlagen, die den Fuß stützen und in eine gesunde Grundhaltung bringen. Ist die Zehendeformation erst einmal da, kann man entweder mit kleinen Polstern an den Druckstellen für Dämpfung sorgen oder aber chirurgisch eingreifen. Sowohl beim Krallen- als auch beim Hammerzeh wird das durch ein Versteifen des betroffenen Gelenks erreicht. Der Zeh wird leicht verkürzt und wieder in seine ursprüngliche Streckung gebracht. Ein solcher Eingriff kann ambulant vorgenommen werden.
     

    Hallux Valgus

    Der auch als Überbein oder Ballenzeh bekannte Hallux Valgus ist die häufigste Zehenfehlstellung. "Rund 30 Prozent der Erwachsenen leiden darunter", sagt Pilge. Er kann durch einen Spreiz- oder Senkfuß entstehen. "In manchen Fällen kann die Ballenbildung jedoch auch durch die Ausbildung eines Plattfuße bedingt sein", so Beike. Darum sei es immer wichtig, der genauen Ursache für das Phänomen auf den Grund zu gehen.
    Trotz rechtzeitiger Behandlung des Spreizfußes und auch durch intensives Trainings oder das Tragen von Schienen kann man den Hallux Valgus häufig auf Dauer nicht vermeiden", so der Leiter des Godesberger Fußzentrums. Verstärkt wird die Situation durch falsches Schuhwerk, das beispielsweise vorne zu eng zuläuft oder auch das Tragen sehr hohe Absätze. Zu erkennen ist diese Fehlstellung äußerlich an einer vom Zehenballen an nach innen knickenden Großzehe. Dort, wo einst der Zehenballen sanft gewölbt Richtung Mittelfuß überging, entwickelt sich mit der Zeit eine dicke Beule. Sie entsteht durch das aus der Reihe tanzende Mittelfußköpfchen. Es lugt nun geschwollen hervor und drückt gegen den Schuh, ist jedoch manchmal nicht mehr als ein kosmetisches Problem.
    Das kann man dagegen tun: Spezielle Schuhzurichtungen sorgen für mehr Platz an der Ballenseite. Zudem gibt es spezielle Schienen, die den Zeh gerade stellen und ein weiteres Abweichen verhindern. Auch Physiotherapie und Barfußlaufen können den Verlauf verbessern. In anderen Fällen entzündet sich der Bereich um das Mittelfußköpfchen hingegen häufig und verursacht beim Gehen mitunter starke Schmerzen. Diese können den Alltag stark beeinträchtigen.
    Das kann man dagegen tun: Beheben oder lindern lässt sich ein schmerzender Hallux Valgus oft nur durch eine Operation. Chirurgen haben dabei die Wahl zwischen verschiedenen Verfahren. "Der Knochen wird dafür durchgesägt und dann richtig verschraubt und auf diese Weise korrigiert", sagt Johannes Beike. "Jeder chirurgische Eingriff sollte vorher mit dem Patienten abgewogen werden. Denn bis auf besondere Situationen wie sie zum Beispiel bei Diabetiker-Füßen gegeben sind, sollte man konservativ Maßnahmen zunächst ausprobieren", so Beike weiter.
     

    Fersensporn/Plantarfasziitis

    Der Fersensporn ist die am meisten verbreitete Überlastungsreaktion der Füße. Harte Böden und unflexibles Schuhwerk sorgen dafür, dass ein Großteil der Last beim Gehen und Stehen von der Ferse getragen wird. Fehlbelastung oder Übergewicht tragen zur Ausbildung des schmerzhaften Problems bei. Das zeigt sich durch stechende Schmerzen in der Fußsohle, der beim Auftreten an einen in der Ferse steckenden Nagel erinnert. "Meist nehmen die Betroffenen an, sie hätten einen knöchernen Fortsatz am Fersenbein", erklärt der Godesberger Fußspezialist. Der ist zwar manchmal im Röntgenbild vorhanden, meist jedoch nicht die eigentliche Ursache für die Schmerzen. Ausgelöst wird dieser Schmerz in den meisten Fällen von der an der Fußsohle entlang verlaufenden Bandplatte. Sie übt ständig einen Zug gegen das Fersenbein aus. "Durch die Überlastung des Fußsohlenbandes, das an der Ferse angewachsen ist, kommt es zu einer so genannten Ansatzreizung", erklärt Beike.
    Das kann man dagegen tun: Helfen können Einlagen, "sofern es nicht nur Senkfuß versorgende Einlagen sind", sagt Beike. Übergewichtige Patienten sollten versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren. Auch eine medikamentöse Behandlung auf Basis schmerzlindernder und entzündungshemmender Medikamente kann unterstützend wirken. "Mit dem Ziel, die Plantarfaszie an der Ferse weicher zu machen, kann eine Stoßwellentherapie oder eine spezielle Röntgenbehandlung helfen", sagt der Fußspezialist. Die Stoßwellenbehandlung wird jedoch in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen. In seltenen Fälle, in denen die vorher genannten Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben, stellt erst eine Operation eine mögliche Option dar.
     

    Eingewachsene Nägel:

    Sie entstehen durch zu enge Schuhe oder falsche Nagelpflege. "Der Nagel wächst breit nach vorne. Dabei drückt er sich in das Nagelbett und umliegendes Gewebe und verursacht eine Entzündung", erläutert der Bad Godesberger Arzt. In selteneren Fällen sind Nagelerkrankungen oder Fehlformen der schützenden Hornplatten, wie zum Beispiel Rollnägel die Ursache.
    Das kann man dagegen tun: Auch hier ist eine Operation nicht erstes Mittel der Wahl. Tapen, entlasten oder mit einer Spange versorgen es gibt verschiedene Verfahren, die das Problem lindern und lösen können. Podologen – nicht zu verwechseln mit den allgemeinen Fußpflegern – sind hier die richtigen Ansprechpartner. Das Problem allerdings: Auch hier zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nicht, sofern es nicht um Diabetiker-Füße geht. Johannes Beike rät dennoch dazu, diese Maßnahmen nach Möglichkeit zunächst auszuschöpfen und nur dann eine Operation zu wählen, wenn sich keine Besserung erreichen lässt.

 

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