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Weiße Flecken, gelbe Farbe, Streifen
Was Fingernägel über Ihre Gesundheit verraten

Was Nägel über die Gesundheit verraten
Nicht alle Nagelphänomene wie diese Wölkchen, die durch Lufteinschlüsse entstehen, sind unbedenklich. FOTO: Shutterstock/deepspacedave
Köln. Sind Ihre Fingernägel gepflegt oder zeigen sich dunkle Ränder? Sind sie abgebissen oder perfekt gefeilt? Nägel geben nicht nur Aufschluss darüber wie wir ticken, sie sind auch Spiegel der Gesundheit. Lesen Sie hier, was Rillen oder Punkte zu bedeuten haben und welche Krankheiten sich ablesen lassen. Von Tanja Walter

Seit einiger Zeit ist ein weißer Fleck auf dem Mittelfinger zu sehen. Wie eine winzige weiße Wolke zeigt sich der Fleck relativ mittig auf dem Nagel. Kein Grund zur Sorge, entwarnt der Kölner Dermatologe und Nagelspezialist Dr. Hans-Georg Dauer. "Das ist nur ein kosmetisches Problem", kleine Lufteinschlüsse, die durch ein mechanisches Trauma oder ein Malheur beim Schneiden oder Zurückschieben der Nagelhaut entstehen.

Doch nicht alle Nagelveränderungen sind so harmlos. Manchmal lassen sich Veränderungen auf reine Nagel- oder Hauterkrankungen zurückführen. In manchen Fällen aber zeigen sich auch Allgemeinleiden wie Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes auf den an sich matten, glatten Keratinplatten, die die Enden von Fingern und Zehen und die dort zusammenlaufenden Nervenbahnen schützen. Sogar Hautkrebs kann sich unter dem Nagel zuerst bemerkbar machen.

So sieht ein gesunder Nagel aus

Glatt und fest wölbt sich die Keratinplatte bei einem gesunden Nagel über den vorderen Finger oder Zeh. Wie das Haar besteht auch der Nagel aus verhornenden Zellen, die nach Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes von hinten nach vorne geschoben werden, im Endprodukt – der Nagelplatte – aber deutlich härter sind als ein Haar. Im Monat wächst der Nagel zwischen zwei und fünf Millimeter. Im Sommer übrigens etwas schneller als im Winter. Durch die Blutgefäße, die unter dem Nagel verlaufen, schimmert er leicht rosa. Stimmt innerlich jedoch etwas nicht, kann sich das auch auf das Wachstum oder Aussehen des Nagels auswirken.

Der wird mit einem Mal gelb oder sogar grün, bekommt Quer- oder Längsrillen oder verformt sich.

Gelbe Nägel

Gelbliche, verdickte Nägel, die oft etwas wulstig auf dem Nagelbett liegen, können ein Zeichen für das Yellow-Nail-Syndrom sein. Oft wachsen sie dann deutlich langsamer und treten zusammen Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Lungenentzündung auf, die Betroffenen leiden unter Lymphödemen oder immer wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen. Gelbe Fingernägel können aber auch Zeichen einer Schuppenflechte oder eines Pilzes sein. Typisch für einen Nagelpilz, der sehr langwierig in seiner Behandlung ist, sind manchmal auch bräunliche Verfärbungen und ebenfalls eine Verdickung des Nagels. Die Hornplatte scheint aufgedunsen und wird leicht bröckelig. Zudem können äußere Faktoren wie das Nikotin der Zigaretten bei Rauchern Nägeln diese unschöne Färbung geben.

Gerade im Sommer, wenn auch Fußnägel vermehrt bunt in Szene gesetzt werden, kann es vorkommen, dass nach der Behandlung mit Nagellackentferner der unter dem Lack verborgen gebliebene Nagel plötzlich gelb erscheint. Das aber ist kein Grund zur Sorge, denn meist sind solch plötzliche Erscheinungen den Farbpigmente des Lacks geschuldet, die sich im Nagel absetzen. Vor allem roter Nagellack macht diese kleinen Schönheitsfehler. Vorbeugen kann man, indem zuerst ein durchsichtiger Unterlack aufgetragen wird.

Grüne Nägel

Zwei Bakterienarten sorgen neben einigen Nagellacken für die ungewöhnlich anmutende Farbgebung. "Die Proteine des Pilzes beginnen den Nagel zu zersetzen", sagt Dermatologe Dauer. Daraus resultiert ein meist süßlicher Geruch.

Rot-braune Nägel

Sind meist Zeichen aller Arten von Einblutungen. "Zu kleine Schuhe oder Verletzungen und Quetschungen können dazu führen, dass unter der Nagelplatte Blut austritt", sagt Dauer. Das schimmert rötlich-braun hindurch und ist meist harmlos. In einigen Fällen kann sich der Nagel nach einiger Zeit vollkommen ablösen und es bildet sich ein neuer. Bleibt dieses Erscheinungsbild allerdings für mehrere Wochen erhalten, sollte man dringend den Arzt aufsuchen.

Denn auch der bösartige und sehr aggressive schwarze Hautkrebs zeigt sich zunächst recht unscheinbar in einem mehr oder minder kleinen braun-roten Fleck unter dem Nagel, der keine Beschwerden verursacht. Es kann sich unter den Fuß- wie auch Fingernägeln entwickeln. Am häufigsten tritt es an der großen Zehe oder am Daumen auf. Oft wird der Tumor erst zu spät entdeckt. Darum beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate nur zwischen 40 und 59 Prozent.

Weiße Punkte - Tüpfelnägel

Schon erwähnt und vollkommen harmlos sind kleine Lufteinschlüsse, die sich zum Beispiel durch übereifrige Maniküre unter dem Nagel bilden können.

Anders verhält es sich mit einzelnen weißen Punkten auf den Nägeln, die sich bei genauem Hinsehen als kleine Einkerbungen in der Größe eines Stecknadelkopfes entpuppen. Am häufigsten treten sie bei einer Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt auf. Sie können jedoch auch ein Hinweis auf ein Ekzem oder in Zusammenhang mit kreisrundem Haarausfall zu Tage treten. Oft sind die Nägel dann auch brüchig. Häufig verläuft bei solchen Veränderungen der Heilungsverlauf eher ungünstig.

Querstreifen

"Weiß verlaufende Querstreifen sind häufig ein Zeichen für überpflegte Nägel", sagt Nagelexperte Dauer. Dieses Phänomen tritt verstärkt bei Menschen auf, die sich zu häufig die Nägel maniküren lassen.Dabei wird dann die Nagelwurzel versehentlich beschädigt. Mit der Zeit wächst sich das raus. Allerdings benötigt man etwas Geduld. Bis sich der Nagel vollkommen erneuert hat, vergehen im Schnitt 14 Monate. Am schnellsten passiert das allerdings am Mittelfinger, denn dort verläuft das Nagelwachstum schneller. Allerdings können diese Querrillen in einigen Fällen auch auf Infektionen hindeuten, die im Körper wüten, ebenso wie auf Magen-Darm-Störungen oder einen durcheinander geratenen Stoffwechsel. Bleibt die Querrillung der Nägel bestehen, das heißt: wächst der Nagel immer wieder so nach, sollten Sie den Internisten aufsuchen. In manchen Fällen kann das ein Begleitbild einer Lebererkrankung sein.

Längsstreifen

"Sie deuten meist einfach auf eine Austrocknung oder einen Vitamin- und Spurenelementmangel hin", so der Nagelspezialist. Er rät dazu, es zunächst mit intensiver Nagelpflege zu versuchen und die Nägel über mehrere Wochen hinweg täglich zu fetten. Hilft das nicht, sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Er kann übers Blut eine Mangelerkrankung diagnostizieren und die fehlenden Vitamine oder Spurenelemente genau ermitteln.

Feine Längsrillen sind zudem eine ganz normale Alterserscheinung. Gegen sie kann man weder etwas tun, noch ihrer Bildung vorbeugen.

Brüchige, splitternde Nägel

Meist ist auch das kein Grund zur Sorge. Häufig kommt es durch sehr beanspruchende Tätigkeiten wie die Arbeit mit Spülmitteln oder Wasser zur Aufsplitterung vom freien Nagelrand aus. "Sieben von zehn Menschen haben das", sagt Dr. Hans-Georg Dauer. Frauen, die auf acetonhaltige Nagellackentferner zurückgreifen haben dieses Problem derweil ebenfalls. Auch hier hilft regelmäßiges Fetten des Nagels, um ihn Widerstandskräftiger zu machen.

Nur in seltenen Fällen kann sich hinter brüchigen Nägeln ein hormonelles Problem verstecken. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann ebenso dahinter stecken wie auch ein schlecht eingestellter Diabetes. In beiden Fällen sollten die Fachärzte auf eine bessere Einstellung hinarbeiten.

Uhrglasnägel

Die Fingernägel liegen krumm gebogen wie das Glas einer Taschenuhr auf dem Nagelbett und wölben sich – ragen sie über – nach unten. Dieses Phänomen kann angeboren sein und ist in diesem Fall einfach ein besonderes Kennzeichen des Betroffenen. Tritt die Veränderung allerdings Plötzlich auf, kann das ein Hinweis auf eine Herzerkrankung, manchmal auch für Leberprobleme oder ein Sauerstoffmangel sowie Asthma sein.

Löffelnägel

Bei Ihnen wölbt sich der Fingernagel an seiner freien Spitze nach oben und das Nagelbett senkt sich nach unten. Häufig ist das ein Anzeichen für Eisen- oder Vitaminmangel oder eine Blutarmut. Doch auch eine Schilddrüsenerkrankung kann solche äußeren Zeichen machen. Der Hausarzt kann über das Blutbild zweifelsfrei feststellen, welche Ursache bei Ihnen in Frage kommt.

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