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Wirkstoff in der Apotheke
Welche Krankheiten Cannabis lindert

Hintergrund: Das sollten Sie über Cannabis wissen
Hintergrund: Das sollten Sie über Cannabis wissen FOTO: dpa, ABIR SULTAN
Düsseldorf . Schwerkranke können Cannabis auf Rezept in der Apotheke bekommen – die Kosten zahlt die Kasse. Das hat der Bundestag am Donnerstag entschieden. Aber bei welchen Krankheiten ist der Wirkstoff überhaupt hilfreich? Ein Überblick.  Von Susanne Hamann

Der Anbau und Konsum von Cannabis wird in vielen Ländern kontrovers diskutiert. In vielen Staaten ist es als Droge illegal. Zugleich aber gibt es zahlreiche Studien und Berichte von Patienten, die zeigen, dass der Wirkstoff von Marihuana viele gesundheitliche Beschwerden lindern kann - vor allem solche, bei denen herkömmliche Medikamente versagen.

In Israel beispielsweise, unterstützt das Gesundheitsamt seit Jahren den Anbau von Cannabispflanzen, die nicht berauschen - finanziert Studien zur Wirkung bei Krebs-Patienten und Menschen, die unter Kriegstraumata leiden. 

In Deutschland dürfen seit Mai 2011 zugelassene Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis hergestellt und von Ärzten auf Betäubungsmittelrezept verschrieben werden. Bisher ist mit Sativex lediglich ein Extrakt aus Cannabis sativa - so der lateinische Name für die Hanfpflanze - zugelassen, und zwar für Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und an schweren spastischen Lähmungen und Krämpfen leiden. Zudem können Patienten im Ausland zugelassene Fertigarzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon verschrieben bekommen. Für die Kosten müssen sie in der Regel aber selbst aufkommen.

Nun hat der Bundestag eine Gesetzesnovelle verabschiedet nach der schwerkranken Patienten der Zugang zu Cannabis zu medizinischen Zwecken erleichtert wird. Die Neuregelung sieht vor, dass schwer chronisch Kranke sich unter bestimmten Voraussetzungen künftig auf Kassenrezept mit Medizinalhanf versorgen dürfen. Der Eigenanbau durch Patienten bleibt allerdings verboten. Eine staatliche Agentur soll den Cannabisanbau in Deutschland kontrollieren.

Diese Wirkstoff enthält die Pflanze

Als wirkungsvoll gelten vor allem die beiden Inhaltsstoffe Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Während das THC auch berauscht, wird dem Cannabidiol vor allem eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Verwendet werden Cannabisextrakte, Cannabisblüten oder einzelne Cannabinoide - das sind Mittel auf Cannabisbasis. Gegen folgende Krankheiten kann Marihuana helfen:

Asthma: Cannabis erweitert die Bronchien und kann somit die Atmung von Asthma-Patienten verbessern. Als Joint sollte es dann natürlich nicht geraucht werden.

Grüner Star (Glaukom): Bei einem Glaukom wird nach und nach der Sehnerv zerstört. Der Patient erblindet. Einer der größten Risikofaktoren ist ein steigender Augeninnendruck, wie Studien zeigen, kann der Wirkstoff Cannabidiol diesen reduzieren.

Krebs: Der appetitanregende Effekt von Marihuana ist bekannt. Insbesondere Menschen, die Chemo- und Strahlentherapie gegen Krebserkrankungen bekommen, kann das helfen. Sie magern während der anstrengenden Prozedur oft gefährlich ab. Denn neben generellem Appetitverlust, verspüren viele Patienten starke Übelkeit und Brechreiz durch Therapie. Auch dagegen hat sich Cannabis in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen. Erste Studien zur Wirksamkeit von THC gegen Übelkeit bei Krebspatienten zeigten sich bereits 1975 als erfolgreich. Eine ähnliche Wirkung stellt sich auch bei Aids ein, in dessen Verlauf Betroffene ebenfalls dazu tendieren abzumagern und unter Schmerzen und Übelkeit leiden. 

Multiple Sklerose: Da CBD Spastiken lindern kann, wird es gegen verschiedene Krankheiten mit eben diesem Symptom eingesetzt. Als besonders effektiv hat es sich etwa bei Multibler Sklerose gezeigt. Zum einen verbessert der Konsum die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen, zum anderen lindert es die Schmerzen. Ähnliches gilt bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis.

Tourette: Auch die spontanen, impulshaften Tics von Tourette-Patienten können, durch die beruhigende Wirkung von Cannabis weniger werden.

Vorsicht sollten Jugendliche walten lassen

Als Allheilmittel kann Cannabis dennoch nicht gewertet werden. Studien zeigen auch, dass es sich bei Jugendlichen negativ auf die Entwicklung des Gehirnes auswirken kann. Von einer tödlichen Wirkung gibt es kaum Berichte. Allerdings kommt es immer wieder dazu, dass Konsumenten den Notruf verständigen, weil sie Herz-Kreislaufprobleme, Übelkeit und Kopfschmerzen bekommen. Das Kraut sollte deshalb immer nur unter ärztlicher Betreuung verabreicht werden. 

(ham)
 
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