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Mundhygiene
Muss Zahnseide wirklich sein?

Mundhygiene: Muss Zahnseide wirklich sein?
Nur einer von hundert Nutzern wendet Zahnseide richtig an. FOTO: ProDente e.V.
Düsseldorf. Zweimal täglich Zähne zu putzen reicht für gesundes Zahnfleisch und schöne Zähne nicht aus. Denn 40 Prozent der Oberfläche werden so nicht sauber. Wie Sie die Zähne rundherum richtig frisch machen und warum das wichtig ist. Von Tanja Walter

Es dauerte nur etwa zwei Minuten, bis der Zahnarzt bei meinem letzten Besuch die Frage stellte: "Und benutzen Sie auch regelmäßig Zahnseide?" Zahnseide? Regelmäßig ist ja relativ. "Also regelmäßig schon", antworte ich und provoziere damit die nächste Frage. Worauf er hinaus möchte: Mundhygiene ist nur dann okay, wenn sich jeden Tag Zahnseide an den Zähnen vorbeischlängelt. Denn mit der Zahnbürste putzen wir nicht einmal zwei Drittel der Zahnoberfläche.

Warum die Zahnzwischenräume nicht nebensächlich sind

Daran ändern auch die Versprechen der Bürstenhersteller nichts. Ganz gleich, welche Form oder Borste die herkömmliche Zahnbürste hat – in die engen Ritzen zwischen den Zähnen gelangt sie ebenso wenig wie auch die Zahnpasta. Die Folge: Speisereste setzen sich dort ab und dienen den Mikroorganismen im Mundraum als Futterparadies.

Die wichtigsten Putzhilfen für Zahnzwischenräume FOTO: ProDente e.V.

Der Abbau der Reste zwischen den Zähnen sorgt dann nicht nur für üblen Mundgeruch. Innerhalb kürzester Zeit besiedeln zudem Bakterien den ungeputzten Zahnzwischenraum und bilden einen dichten Belag, auch Plaque genannt. Wird auch dieser nicht entfernt, verkalkt er innerhalb nur weniger Tage und wird so zum Zahnstein. Den kann auch die Bürste nicht mehr beseitigen.

"Es entstehen Zahnkrankheiten wie Karies, Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) oder Entzündungen am Zahnhalteapparat (Parodontitis)", sagt Nadine Schlüter aus dem Uniklinikum Freiburg. Dort erforscht sie seit Jahren was genau man tun muss, um Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten.

Nicht mal jeder Siebte wienert zwischen den Zähnen

Die wichtigste Erkenntnis aus der Kariesforschung und Parodontologie: Die ungeputzten Bereiche zwischen den Zähnen verursachen die meisten Probleme. Sie sollten darum einmal täglich mit Zahnseide, Interdentalbürstchen oder Silikonstäbchen gereinigt werden. Doch nicht einmal jeder Siebte reinigt seine Zahnzwischenräume, sagt Schlüter. Was Studien zudem zu Tage beförderten: Nur einer von 100 Probanden verwendet Zahnseide richtig.

So benutzt man Zahnseide richtig FOTO: ProDente e.V.

Der häufigste Fehler: Die meisten ziehen die Zahnseide nur durch den Zwischenraum, statt sie auf und ab zu bewegen. Oft wird der Faden zudem nicht genug um den Zahn herumgelegt. Dadurch werden nur die Kontaktpunkte erreicht, jedoch nicht der Zahnsaum am Zahnfleischrand. Was die Wahl des richtigen Utensils erschwert: nicht jedes ist für jeden geeignet.

Diese Hilfsmittel gibt es neben Zahnseide

Darum erklärt die Expertin, welche Hilfsmittel es für die Zahnraumreinigung gibt, und welche Vor- und Nachteile die einzelnen haben:

  1. Zahnseide: Sie zählt als Einmalprodukt zu den bekanntesten Utensilien der Zahnzwischenraumreinigung. Es gibt sie ungewachst, gewachst, geflosst, mit Minzaroma oder Fluorid. Da gewachste Zahnseide leichter gleitet, wird sie für Anfänger oder bei sehr engen Zahnzwischenräumen empfohlen. Allerdings ist die Reinigung damit weniger effektiv als die mit ungewachster Zahnseide. Geflosste Zahnseide hat einen wollähnlich aufgebauschten Faden und hilft gut beim Säubern von festsitzendem Zahnersatz wie Kronen oder Brücken. Vorteil: Wer sie richtig verwendet, reinigt den Interdentalraum sehr effektiv. Zahnseide ist sehr kostengünstig und auf kleinen Abrollern für jede Hosentasche geeignet. Nachteil: Für viele ist die Verwendung unbequem, sie erfordert Übung und wird darum oft als lästig empfunden. Viele wissen nicht, dass man von Zahn zu Zahn jeweils einen frischen Abschnitt auf dem Faden zur Reinigung verwendet. Macht man das nicht, verteilt man die bei der Reinigung gelösten und an der Zahnseide haftenden Bakterien und Beläge munter zwischen allen Zähnen. Wer mit dem Faden nur hin und her zieht, kann auf Dauer den Zahnschmelz beschädigen und tiefe Furchen hineinsägen. Wie man Zahnseide richtig verwendet, sehen und lesen Sie hier.
  2. Zahnseideschiffchen: Auch Zahnseidehalter sind für den Einmalgebrauch vorgesehen.
    Vorteil: das komplizierte Spannen zwischen den Fingern fällt weg, denn der Faden ist im Halter fest eingeklemmt. Man kann mit einer einzigen Hand bequem alle Zähne säubern.
    Nachteil: Da der Faden im Schiffchen gerade gespannt ist, lässt er sich nicht um den Zahn legen. Der Zahnzwischenraum wird nur eingeschränkt gereinigt.
  3. Interdentalbürstchen: Sie sind in verschiedenen Stärken für verschieden große Zahnabstände zu bekommen und zwei bis drei Wochen lang verwendbar, sofern man sie wie eine Zahnbürste unter klarem Wasser ausspült. Vorteil: Durch die dichten Borsten werden die Zwischenräume besonders gründlich von Plaque befreit. Nachteil: Bei Verwendung einer zu großen Interdentalbürste kann es zu Verletzungen des Zahnschmelzes kommen. Verbogene Bürstchen können zudem das Zahnfleisch verletzen.
  4. Elektrische Interdentalbürsten: Sie sind hilfreich für motorisch eingeschränkte Menschen, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall. Grundsätzlich haben sie jedoch keinen Vorteil.
  5. Silikonstäbchen: Sie zählen zu den neueren Produkten zur Zahnzwischenraumreinigung. Die Stäbchen bestehen aus Kunststoff und Silikon mit kleinen Lamellen. Die bunten Sticks sind vor allem für Zahnseide- und Interdentalbürstenmuffel eine Alternative. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen, die auf die Zahnlücke passend ausgesucht werden sollte. Vorteil: Da man sie unter fließendem Wasser abspülen kann, kann man sie einmalig im ganzen Mundraum verwenden. Die Reinigung damit ist einfach und unkompliziert. Es gibt keinen Draht, der zu Verletzungen des Zahnfleisches oder des Zahnschmelzes führen könnte. Nachteil: Konzipiert wurden sie eigentlich für die schnelle Reinigung zwischendurch und nicht zur Dauerreinigung.

Jede Interdentalpflege ist besser als gar keine

Die häufigsten Fehler bei der Zahnhygiene FOTO: proDente e.V.

Trotz des wissenschaftlichen Wissens um die Vor- und Nachteile einzelner Reinigungsutensilien ist jedoch die wichtigste Botschaft der Zahnexperten: Reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume überhaupt. Nutzen Sie das, womit Sie am besten zurechtkommen. Seien Sie experimentierfreudig und probieren Sie Verschiedenes aus. Der Zahnarzt berät Sie individuell hinsichtlich des geeigneten Hilfsmittels und dessen Größe.

Für die Nutzung von Zahnzwischenraumreinigern gilt laut Expertin Schlüter immer: "Verwenden Sie diese vor der Reinigung der Zähne mit der Zahnbürste. So sind die Zwischenräume sauber und es gelangen beim Putzen immer auch etwas Zahnpasta und Fluorid dorthin."

 
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