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Sprechstunde
Narbe mit Beule

Nach Operationen kommt es gelegentlich zu unschönen Veränderungen der Narbe. Meistens muss das chirurgisch korrigiert werden.

Unser Leser Armin W. (68) fragt: "Ich bin vor einem Jahr wegen einer Darmerkrankung über einen großen Bauchschnitt operiert worden. Jetzt ist eine große Beule im Bereich der Narbe entstanden. Ist da etwas schiefgelaufen?"

Ulrich Kania Bei Ihnen ist es offensichtlich zu einem Narbenbruch gekommen. Dabei weicht die kräftige bindegewebige Schicht (Faszie) der Bauchdecke auseinander. Diese Schicht ist für die Stabilität der Bauchdecke von großer Bedeutung. Auch heute kommt es bei gut zehn Prozent der Bauchoperationen hinterher zu solchen Brüchen, besonders häufig nach Wundheilungsstörungen und bei Bindegewebsschwäche. Die Symptome sind sehr unterschiedlich; sie reichen von rein kosmetischen Problemen über gelegentliche Schmerzen, Unregelmäßigkeiten des Stuhlgangs bis hin zu Darmeinklemmungen mit der Notwendigkeit einer Notfalloperation.

Ein Patient mit Narbenbruch sollte in jedem Fall einem Chirurgen vorgestellt werden. Er wird dann mit dem Patienten unter Berücksichtigung des individuellen Risikoprofiles und des Beschwerdebildes das weitere Vorgehen besprechen.

Häufig ist eine Operation sinnvoll, auch wenn ein Notfall nicht vorliegt. Bei sehr kleinen Brüchen (bis drei Zentimeter ) genügt es manchmal, die Ränder der Faszie mit einem nicht auflösbaren Faden zu vernähen. Die früher angewendete "Doppelung" des Gewebes in der Hoffnung auf besonders festen Verschluss des Defektes ist wegen schlechter Langzeitergebnisse heute nicht mehr üblich.

Meist aber ist die Unterfütterung des Defektes mit einem Kunststoffnetz notwendig. Das Netz muss den Defekt in allen Richtungen weit (mindestens fünf Zentimeter) überdecken. Es kann in konventioneller Weise oder auch in der Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) eingebracht werden.

Dem Vorteil der kleineren Schnitte bei der Laparoskopie steht der Nachteil des direkten Kontaktes des Netzes mit den Bauchorganen gegenüber. Denn hierbei liegt das Netz immer in der Bauchhöhle, während es bei der konventionellen Operation (mit wenigen Ausnahmen) außerhalb der Bauchhöhle (zwischen Bauchfell und Bauchmuskeln) zu liegen kommt. Die Abwägung zwischen den verschiedenen Operationstechniken sollte individuell erfolgen. Manchmal ist die Wahl des geeigneten Vorgehens auch erst während der Operation möglich.

Bei Ihnen, lieber Leser, ist sicherlich nichts "schiefgelaufen", was den Narbenbruch hat entstehen lassen. Es handelt sich um eine nicht immer vermeidbare und leider nicht seltene Folgeerscheinung einer Bauchoperation, die meist operativ korrigiert werden sollte.

Quelle: RP
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