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Alkoholkonsum in Deutschland
Die Frauen holen auf – auch bei schlechten Gewohnheiten

Alkoholstudie: Frauen holen auf – auch bei schlechten Gewohnheiten
FOTO: dpa, cul
Meinung | Berlin. Frauen sind nicht schlechter als Männer. Das merken endlich alle Bereiche der Berufswelt und Gesellschaft. Neueste Drogenstudien belegen nun: Frauen sind auch nicht besser. Je mehr sie zu den Männern aufschließen, desto mehr übernehmen sie offensichtlich auch deren schlechte Gewohnheiten. Von Gregor Mayntz

Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene, die sich mit Bier und Schnaps regelmäßig "abschießen" – dieser besorgniserregende Trend machte vor Jahren von sich reden. Neueste Zahlen der Bundesregierung weisen zwar immer noch auf einen hohen Wert hin. Doch bei den zwölf- bis 17-jährigen Jungen ist er bei der Frage nach einem Rausch innerhalb des letzten Monats binnen sieben Jahren von 30,7 auf 14,6 Prozent drastisch gefallen. Auch auf die Frage nach dem "häufigen Rauschtrinken" ging der Anteil bei den Jungen von 10,8 auf 4,3 Prozent zurück. Eine satte Halbierung also.

Bei den Frauen sind die Werte insgesamt immer noch geringer (15 und 4 Prozent), doch der deutliche Trend nach unten fehlt. Und so fällt immer mehr auf, dass junge Männer um das gesundheitlich riskante "Feiern bis der Arzt kommt" häufiger einen Bogen machen, es bei Mädelsabenden aber immer wieder richtig abgeht.

Unterm Strich wird es langsam besser. 2013 mussten noch 23.200 junge Leute zwischen zehn und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, im Jahr davor waren es noch 26.700. Das sind natürlich immer noch viel zu viele, vor allem wenn man Schätzungen folgt, dass in Deutschland jährlich zwischen 80.000 und 120.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch sterben.

Das hängt auch damit zusammen, dass im Land des Reinheitsgebotes überdurchschnittlich viel Alkohol getrunken wird. Dass das immer mehr jungen Menschen bewusst wird, freut die Kampagnenmacher von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Doch dass die Botschaft bei den Mädchen kaum wirkt, macht sie besorgt und lässt sie jetzt darüber nachdenken, geschlechtsspezifische Zielgruppenwerbung zu entwickeln.

Männer beim Nikotinentzug erfolgreicher

"Frauen emanzipieren sich auch in dieser Hinsicht", erklärt BzgA-Chefin Heidrun Thaiss. Es ist eine Emanzipation, die sich oft schon am Morgen auf jedem Weg zur Arbeit feststellen lässt. Wer aus der S-Bahn tritt, sollte in vielen Städten als Nichtraucher lieber in männlichen Gruppen als weiblichen unterwegs sein. Die Gefahr, die paar Schritte an der frischen Luft von vorangehenden Paffern verleidet zu bekommen, scheint bei Frauen inzwischen höher zu sein als bei Männern. Studien belegen, dass Männer bei der Nikotinentwöhnung inzwischen erfolgreicher sind als Frauen.

Auch hier hat sich ein ähnlicher Trend entwickelt wie beim Alkoholkonsum, allerdings haben junge Frauen die jungen Männer in einzelnen Bereichen bereits überholt – und sie laufen dabei in eine doppelte Falle hinein: In höherem Maße als Männer scheinen sie Zigaretten als Mittel des Schlankwerdens misszuverstehen. Und das hat immer häufiger tödliche Folgen. Denn wegen der speziellen weiblichen Hormon-Situation sind Frauen dreimal anfälliger für Lungenkrebs als Männer. In den Industriestaaten ist der Lungenkrebs bei Frauen schon die häufigere Todesursache als der Brustkrebs.

Also ist es Zeit für einen Appell: Mädels, Frauen! Versucht nicht, die Jungs und Männer der 70er Jahre zu imitieren! Macht die Emanzipation einfach besser und auf der Höhe der Zeit! Sonst lauft Ihr Gefahr, schon wieder den Männern hinterherzuhinken, wenn die endlich gesundheitsbewusster leben!

Quelle: RP
 
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