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Plötzlich betrunken
Amerikaner braut Bier im eigenen Bauch

Sechs Fragen zur Hefepilzinfektion
Sechs Fragen zur Hefepilzinfektion FOTO: Shutterstock/ Sebastian Kaulitzki
Düsseldorf. Mit 3,7 Promille ist ein 61-jähriger Texaner in die Notaufnahme eingeliefert worden. Er stellte die Ärzte vor ein Rätsel, da er vehement abstritt, Alkohol getrunken zu haben. Zwei Monate später wurde bei ihm ein seltenes und kurioses Leiden diagnostiziert. Von Laura Wotschak

Schon seit mehreren Jahren litt der Mann unter plötzlich auftretenden Trunkenheitsanfällen. Seine Angehörigen machten sich Sorgen und warfen ihm ein Alkoholproblem vor. Im November 2009 kam es dann so schlimm, dass er torkelnd ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Nachdem die Ärzte den beeindruckenden Wert von 3,7 Promille feststellten, gingen auch sie davon aus, es mit einem besonders schlimmen Trunkenbold zu tun zu haben. Bis sich schließlich herausstellte, dass der Mann unter dem extrem seltenen Eigenbrauer-Syndrom leidet.

Gärung wie in der Brauerei

Dass die richtige Diagnose schließlich gestellt werden konnte ist einem Spezialisten für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu verdanken. Der entdeckte im Verdauungstrakt des Mannes Spuren eines Hefepilzes und beschloss ein Experiment durchzuführen.

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Denn wie er wusste, ernähren sich Hefepilze von Kohlenhydraten - also Zucker - wodurch ein Gärungsprozess entsteht. Nach diesem Prinzip wird auch in der Brauerei Alkohol hergestellt.

Also wurde der Texaner für 24 Stunden in einem Krankenhauszimmer isoliert. Um sicherzugehen, dass der Mann nicht heimlich Alkohol mit hinein geschmuggelt hatte, wurden alle seine Sachen durchsucht. In den folgenden Stunden bekam er immer wieder kohlenhydrathaltige Nahrung zu essen. Und die Vermutung bestätigte sich: Immer, wenn der Mann Kohlenhydrate zu sich nahm, stieg sein Alkoholpegel.

Ursache war eine Operation

Normalerweise sind Hefepilze im Magen ungefährlich, da die Darmbakterien die Eindringlinge meist gut in Schach halten. Bei dem Amerikaner sah der Fall jedoch anders aus: Wie im "International Journal of Clinical Medicine" berichtet wird, musste der Mann im Jahr 2004 am Fuß operiert werden und danach lange Zeit Antibiotika zu sich nehmen. Dieser Umstand machte ihn zur lebenden Brauerei.

Denn Antibiotika können die Darmflora angreifen und so für die Hefepilze einen besseren Lebensraum schaffen. Nach der Fußoperation fing es an: Der Texaner wurde oftmals von einer auf die andere Sekunde betrunken.

Inzwischen braucht er die plötzliche Trunkenheit nicht mehr zu fürchten. Denn mithilfe von Medikamenten gegen den Pilz und einer konsequenten Ernährungsumstellung konnte er geheilt werden.

(ham)
 
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