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AOK Pflegereport 2016
Pflegende Angehörige nutzen kaum Unterstützungsangebote

Elternpflege: So werden Sie unterstützt
Elternpflege: So werden Sie unterstützt FOTO: AP, AP
Berlin. Pflegebedürftige werden meist von Angehörigen versorgt und nur wenige von ihnen nutzen Hilfe von außen wie eine Kurzzeitpflege oder ambulante Pflege. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, die am Montag in Berlin gemeinsam mit dem Pflegereport 2016 vorgestellt wurde.

In Deutschland sind demnach etwa 2,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, wovon circa 65 Prozent zu Hause gepflegt werden. Meistens übernehmen Töchter oder Ehepartner die Pflege. Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen ist 80 Jahre und älter.

Fremde Personen für viele ein Problem

Auch wenn die Mehrheit über die Angebote informiert sei, nehme nur ein Bruchteil sie in Anspruch, erklärte Gesundheitsökonomin Antje Schwinger. Hauptgrund sei, dass die Pflegebedürftigen nicht von einer fremden Person gepflegt werden wollten. Aber auch zu hohe Kosten oder schlechte Erreichbarkeit der Angebote spielten eine Rolle. Zugleich sage ein Viertel der Pflegehaushalte, dass zusätzliche Hilfe bei der Pflege benötigt werde.

Pflegekosten: So gehen Sie richtig vor

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, forderte angesichts der Ergebnisse eine gezieltere Beratung und eine übersichtliche Angebotspalette. Es müsse der Normalfall werden, dass familiäre Pflege durch professionelle unterstützt werde. "Wenn man die Stundenzahl, die pflegende Angehörige aufwenden, mit dem heutigen Mindestlohn multipliziert, dann liegt die Wertschöpfung bei rund 37 Milliarden Euro pro Jahr", sagte Litsch. Er warnte zugleich davor, die stationären Altenpflegeeinrichtungen bei der Debatte um die Zukunft der Pflege zu vernachlässigen.

Gute Voraussetzung für wachsenden Pflegebedarf

Die Gerontologin Adelheid Kuhlmey erklärte, dass der "Versorgungsmix" aus familiärer und professioneller Pflege eine gute Voraussetzung für den wachsenden Pflegebedarf darstelle. Wichtig sei es jedoch, den Pflegeberuf gesellschaftlich und finanziell aufzuwerten. Früher sei Altenpflege als soziale ausgerichtete Hilfe angesehen worden; Fakt sei aber, dass die Mehrzahl der Pflegebedürftigen hochbetagt und schwer krank sei. Dafür brauche es medizinisches Fachwissen.

Kuhlmey und Litsch sprachen sich zudem für die geplante gemeinsame Ausbildung von Gesundheits-, Kranken- und Altenpflegekräften aus.
Litsch kritisierte aber den vorliegenden Gesetzentwurf. Er sei zu bürokratisch und die Finanzierung sei zu Lasten der Sozialversicherung. Kuhlmey plädierte für eine stärkere Akademisierung der Pflegeberufe.

Mehr Hilfe für Frauen

Mehr Unterstützung brauchen aus Sicht von Kuhlmey auch Frauen. Pflege bleibe Frauensache, daher müsse die Gleichstellungsdebatte auf die Pflege ausgeweitet werden. Männer seien gute, meist rationalere Pfleger - und oft früher bereit, sich externe Hilfe zu holen, so die Gerontologin.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte, dass die aktuellen Hilfsangebote an den Betroffenen vorbeigingen. Die Entlastung pflegender Angehöriger und Pflegebedürftiger dürfe kein Nischenangebot bleiben.

(csi/kna)
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