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Durchbruch der Wissenschaft
Bluttest warnt vor Fehlgeburten
Durchbruch der Wissenschaft: Bluttest warnt vor Fehlgeburten
Die meisten Schwangeren hoffen, ihr Kind möge gesund sein. Das Geschlecht spielt keine Rolle. In Indien ist das anders: Jungs werden bevorzugt, Mädchen häufig abgetrieben. FOTO: Jens Schierenbeck, gms
Chicago (RPO). Britische Wissenschaftler haben einen Ansatz zur frühzeitigen Warnung vor Fehlgeburten gefunden. Bei Frauen, die in den ersten zwanzig Wochen der Schwangerschaft eine Fehlgeburt haben, ist die Konzentration des körpereigenen Stoffes Anandamid besonders hoch.

Welche Rolle dieses sogenannte Endo-Cannabinoid, das mit dem Cannabis-Wirkstoff THC verwandt ist, für die Schwangerschaft genau spielt, ist zwar noch unbekannt. Doch hoffen die Forscher um Justin Konje von der Universität in Leicester, einen Anandamid-Grenzwert festlegen zu können, anhand dessen sich mögliche Fehlgeburten mit hoher Sicherheit vorhersagen lassen. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher im Fachmagazin "JAMA" vor.

Die Konzentration dieser Endo-Cannabinoide sinkt üblicherweise in den ersten Monaten einer Schwangerschaft ab, um gegen Ende wieder anzusteigen. Dies hatten die Wissenschaftler bereits in früheren Studien herausgefunden. Bleibt diese Absenkung aus und treten bei der Schwangeren gleichzeitig Blutungen auf, so ist das Risiko einer Fehlgeburt sehr groß, konnten Konje und seine Kollegen nun nachweisen.

Die Forscher maßen dazu die Anandamid-Konzentration im Blut von 45 Frauen in der sechsten bis zwölften Schwangerschaftswoche, die mit Blutungen einen Arzt aufgesucht hatten. Von den Probandinnen hatten 9 später eine Fehlgeburt, während 36 lebende Kinder zur Welt brachten. Bei den neun Frauen, die ihr Kind später verloren, maßen die Forscher auffallend hohe Anandamid-Konzentrationen.

Aus diesen Daten leiteten die Forscher bereits einen vorläufigen Anandamid-Grenzwert ab: Demnach könne bei Frauen mit Blutungen, bei denen dieser Wert überschritten wird, in mehr als 90 Prozent der Fälle von einer späteren Fehlgeburt ausgegangen werden, sagt Konje. Auch wenn dieses Wissen für die betroffenen Frauen oft sehr belastend sei, so könnte es doch für die Behandlung eine wichtige Information sein, ergänzt der Wissenschaftler.

Noch sei die Datenmenge mit nur 45 teilnehmenden Frauen zu klein, um einen wirklich verlässlichen Anandamid-Grenzwert festlegen zu können, betonen die Forscher. Künftige Studien mit mehr Teilnehmerinnen könnten jedoch mehr Sicherheit für die Diagnose bringen. Ziel ist ein Schnelltest, der in wenigen Minuten ein Ergebnis liefert. Bisher dauert die Bestimmung der Anandamid-Konzentration noch bis zu zwölf Stunden.

Quelle: afp
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