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Mails als Beweis aufgetaucht
Coca Colas Einfluss auf Kampagne gegen Fettleibigkeit

Diese Folgen hat Übergewicht
Diese Folgen hat Übergewicht FOTO: TK
New York . Zuckerhaltige Getränke sind Dickmacher - darin besteht wohl kaum ein Zweifel. Aber soll man deswegen auf sie verzichten? Für Getränkehersteller wie Coca Cola wäre das verheerend. Da passt eine andere Botschaft im Kampf gegen Fettleibigkeit besser.

Coca Cola zählt zu den größten Produzenten zuckerhaltiger Getränke auf der Welt. Umso größeres Aufsehen erregte deshalb ein Bericht der "New York Times" über die enge Zusammenarbeit des Unternehmens mit einer gemeinnützigen Organisation, die gegründet wurde, um die Fettleibigkeit in den USA zu bekämpfen.

Sie heißt Global Energy Balance Network (GEBN) und verfolgt der Zeitung zufolge einen Ansatz, der Coca Cola sehr gelegen kommt: Wer sich zu kalorienreich ernährt, sollte das durch physische Aktivitäten ausgleichen, um ein gesundes Gewicht zu halten. Das heißt, der Schwerpunkt liegt nicht darauf, gesünder zu essen oder zu trinken, sondern auf Bewegung. Coca Cola soll die Einrichtung finanziell und logistisch unterstützt haben, um ihr zu helfen, diese Botschaft zu verbreiten.

1,5 Millionen Dollar von Coca Cola

Kritiker halten das Balance-Konzept für irreführend und einseitig. Sie werfen Coca Cola vor, es zu benutzen, um von den Auswirkungen zuckerhaltiger Getränke auf das Gewicht abzulenken. Die im vergangenen Jahr gegründete Organisation ihrerseits betonte nach dem Bericht der "New York Times" im Sommer, dass die 1,5 Millionen Dollar, die es von Coca Cola erhalten habe, ihre Arbeit nicht beeinflusst hätten.

Das sind Dickmacher FOTO: AP

Aber E-Mails, die der Nachrichtenagentur Associated Press vorliegen, zeigen, dass der Getränke-Hersteller eine instrumentale Rolle bei der Organisation spielte, die von einem Professor an der medizinischen Fakultät der University of Colorado geleitet wird. Coca Cola entschied über die Führung des Global Energy Balance Networks mit, redigierte Erklärungen und schlug Artikel für die Webseite vor.

In einer E-Mail im vergangenen November schrieb Network-Präsident James Hill an einen Coca-Cola-Topmanager: "Ich möchte Ihrem Unternehmen helfen, das Image zu vermeiden, ein Problem im Leben von Leuten zu sein (...)." Statt dessen solle wieder das Bild einer Firma zurückgebracht werden, die den Menschen "wichtige und vergnügliche Dinge" biete.

Und Coca Colas Manager versprachen sich tatsächlich viel. In einer E-Mail, die in der Firma kursierte, wurde die Vision von einer Gruppe entworfen, die sich "schnell als der Ort etabliert, dem sich die Medien zuwenden, wenn sie einen Kommentar zu irgendeiner Fettleibigkeitsfrage wollen". Die Organisation werde eine Kampagne im Politikstil als Gegengewicht zur "schrillen Rhetorik von Gesundheitsextremisten" führen, die von ihnen als ungesund eingestufte Nahrung gern besteuern oder begrenzen würden.

Kooperation mit GEBN eingestellt

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Von AP auf die E-Mails angesprochen, erklärte Coca-Cola-Chef Muhtar Kent, seine Firma hätte die Verbindung zum Global Energy Balance Network transparenter gestalten sollen. Kent fügte hinzu: "Wir haben klar stärker daran zu arbeiten, die Werte dieses großartigen Unternehmens bei allem, was wir tun, widerzuspiegeln."

Die Firma mit Hauptsitz in Atlanta teilte der AP mit, dass ihre bisherige Direktorin für Gesundheit und Wissenschaft, Rhona Applebaum, in den Ruhestand getreten sei. Applebaum hatte anfangs die Beziehungen zum Network gestaltet. Coca Cola zufolge soll ihr Posten vorläufig nicht neu besetzt werden, das Unternehmen wolle erstmal gründlich prüfen, wie es künftig in Sachen Gesundheit vorgehe. Die Firma habe außerdem die Kooperation mit GEBN eingestellt.

Es war nicht das erste Mal, dass Coca Cola mit Experten von außen zusammengearbeitet hat, um Botschaften zu fördern, die dem Unternehmen nützen. Dabei wurde stets betont, dass die betreffenden Fachleute ihre eigenen Ansichten vertreten. Aber bei solchen Kooperationen können die Grenzen zwischen Werbung und aufrichtigen Ratschlägen verwischt werden. Im Februar gaben mehrere von Coca Cola bezahlte Gesundheits-und Fitnessexperten online Tipps für gesunde Lebensgewohnheiten. Sie alle empfahlen als Snack-Möglichkeit eine kleine Limonade.

Auf seiner Webseite erklärt GEBN, dass es eine "Geschenk ohne Auflagen" von Coca Cola erhalten, aber die Firma keinen Einfluss auf seine Aktivitäten habe. Doch aus E-Mails geht hervor, dass Manager des Unternehmens und führende Network-Mitarbeiter hinter den Kulissen Treffen und Telefonkonferenzen abhielten, bei denen es um die Aufgabe und das Vorgehen der Gruppe ging.

Diese Arzneimittel führen zu Übergewicht FOTO: dpa, Kai Remmers

Auch relativ unbedeutende Dinge wie etwa das Logo der Organisation wurden erörtert. "Die Farbe wird kein Problem sein - mit Ausnahme von blau. Ich hoffe, Sie können verstehen warum", hieß es etwa in einer Mail von Applebaum. Coca Colas Büchsen sind rot, die von Pepsi blau.

Interview abgelehnt

Hill wiederum schlug in einer Mail an einen anderen Manager Forschung in Sachen "Energie-Balance" vor, die "sehr spezifisch hinsichtlich der Interessen von Coke" sein werde. Der GEBN-Chef bezog sich dabei auf das Konzept, den Verzehr kalorienreicher Nahrung durch sportliche Aktivitäten auszugleichen.

In einem Video, mit dem sich die Organisation nach der Gründung vorstellte, erklärte einer der führenden Network-Mitarbeiter, die Medien konzentrierten sich zu stark darauf, dass "zu viel gegessen wird, zu viel gegessen wird, zu viel gegessen wird - Fast Food und zuckerhaltigen Getränken usw. wird Schuld zugeschoben." Das Video ist mittlerweile von der Webseite genommen worden, und die Gruppe betont, es treffe nicht zu, dass sie sich nur auf physische Aktivitäten konzentriere.

Hill lehnte ein Telefoninterview mit AP ab, aber erklärte in einer E-Mail, die Strategie der Gruppe diene "allen, denen Fettleibigkeit Sorgen bereitet". Coca Cola habe Input beim Aufbau der Organisationsstruktur gegeben, aber es habe sich von selbst verstanden, dass sich das Unternehmen ansonsten heraushalte. Die Gruppe wolle ihre Arbeit fortsetzen.

(ap)
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