| 14.32 Uhr

Jahresrückblick 2013
Das Jahr der Vegetarier

Extrem-Esser: Frutarier, Rohköstler und Co.
Extrem-Esser: Frutarier, Rohköstler und Co. FOTO: dpa, Mascha Brichta
Düsseldorf. Die Forderung nach einem wöchentlichen "Veggie Day" empörte die Schnitzel-Fans vor der Bundestagswahl. Doch ein Blick auf die Trends 2013 zeigt: Der Verzicht auf Fleisch ist im Kommen. Die endlose Serie an Lebensmittelskandalen hat viele Deutsche umdenken lassen. Von Anja Streichan

Selten polarisierte ein Thema die Deutschen so wie der "Veggie Day".  Geht es um das tägliche Stück Fleisch auf dem Teller, hört für einen Großteil der Bevölkerung der Spaß auf. Kein Wunder also, dass der von den Grünen vorgeschlagene vegetarische Tag für Kantinen auf eine Wand aus Kritik stieß. Bürger, Politiker und selbst viele Vegetarier sprachen sich gegen das Prinzip aus. Und auch wenn die Grünen schnell zurückruderten und Cem Özdemir noch im ZDF erklärte, dass die Grünen das Fleischessen nicht verbieten wollten, war der Schaden nicht mehr rückgängig zu machen.

Die zahlreichen Negativschlagzeilen führten zu einem mageren Abschneiden der Partei bei der Bundestagswahl. Die Konsequenz war der Rücktritt von Fraktionschefin Renate Künast und eine Neuwahl des Parteivorstandes.

Fleischverzicht boomt

Die wichtigsten Sätze des Jahres 2013 FOTO: ap

Die Grünen haben sich mit ihrem Vorstoß sicherlich verschätzt. Doch auch, wenn sich eine Mehrheit der Deutschen gegen ein Schnitzel-Verbot sträubt, verzichten andere ab und an gerne freiwillig auf Fleisch. Im Jahr 2013 boomte der Verzicht auf tierische Produkte. Allein in Düsseldorf gibt es mittlerweile mehrere vegetarische oder vegane Restaurant, die Vegetariermesse im August verzeichnete einen deutlichen Zuwachs bei Besuchern und Ausstellern.

Der Boom zeigte sich auch in den Bücherregalen der Kochabteilungen – bis ins Jahr 2013 konnte sich das 2012 erschiene Buch "Vegan for Fit" in der Bestsellerliste der Kochbücher halten – wohl auch, weil es der Berliner Autor Attila Hildmann versteht, das vermeintliche Körneressen als hippe Lifestyle-Entscheidung zu verkaufen.

Lebensmittelskandale 2013

Aber es gab im Jahr 2013 auch noch andere Gründe auf das Essen Tierischer Produkte zu verzichten - zwei der größten Lebensmittelskandale Deutschlands sorgten für Schlagzeilen. Im Februar wurde bekannt, dass Pferdefleisch in Fertiggerichten verarbeitet worden war. Das falsche Fleisch wurde unter anderem in Lasagnen verarbeitet. Auf den Packungen wurde nicht darauf hingewiesen.

Nur kurze Zeit später dann der nächste Skandal: Ebenfalls Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Millionen Eier als Bio- oder Freilandware verkauft wurden, obwohl die Hennen auf engstem Raum gehalten wurden. Angesichts der Skandale schlugen im November selbst Lebensmittelkontrolleure Alarm. Die Experten bemängelten, dass sie nicht einmal die Hälfte der deutschen Lebensmitteilhersteller überprüfen könnten - viele Lebensmittelskandale werden so gar nicht erst entdeckt. Aus Sicht von Mattias Wolfschmidt, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch würden aber auch mehr Kontrollen nichts an den "verheerenden Hygienezuständen in der deutschen Lebensmittelwirtschaft" ändern. Das Problem: "Solange Verbraucher nicht erfahren, wer die Gammelfleischhändler, Pferdefleischpanscher oder Schmuddelwirte sind, fehlt der Anreiz für die Betriebe, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten", sagte der Experte im November.

Zuletzt prangerte Foodwatch im Dezember die Lebensmittelüberwachung an. Die derzeitigen Lebensmittelkontrollen reichten nicht aus und Informationen über Beanstandungen seien für Bürger kaum zu bekommen, heißt es erneut in einem Bericht, den die Organisation am 12. Dezember vorstellte. "Die Politik schützt die Schmuddelbetriebe besser als die Verbraucher", sagte Wolfschmidt. Seit Jahren werde in Deutschland bei Kontrollen jeder vierte Lebensmittelbetrieb und fast jede fünfte Fleischprobe beanstandet, ohne dass Verbraucher näher informiert würden.

Wer also ganz sicher vor falschen Bio-Eiern, Gammelfleisch und Pferdefleisch-Lasagnen sein will, muss demnächst auf Fleisch verzichten. Negative Auswirkungen muss das aber nicht haben. Laut Vegan-Koch Attila Hildmann bleiben Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, sogar länger jung. Vielleicht ist das, abseits von allen Skandalen, eben doch ein Anreiz für einen ganz persönlichen "Veggie Day".

Alle unsere Texte zum Jahresrückblick finden Sie nach und nach hier.

(anch)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Jahresrückblick 2013: Das Jahr der Vegetarier


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.