| 15.25 Uhr

Reaktion auf Ebola-Ausbruch
Deutschland plant Weißhelm-Truppe für Seuchenbekämpfung

Das ist Gerd Müller
Das ist Gerd Müller FOTO: afp, CHRISTOF STACHE
Berlin. Als Reaktion auf die Ebola-Krise legt die Bundesregierung ein Sonderhilfsprogramm für Westafrika auf und plant den Aufbau einer Weißhelm-Truppe aus Ärzten, Technikern und Spezialisten.

Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der "Bild"-Zeitung. "Wir werden den Aufbau der Gesundheitssysteme und einer besseren Krisenreaktion in Afrika mit 200 Millionen Euro fördern", sagte Müller mit Blick auf den Weltgesundheitstag am Dienstag. Die drei von der Epidemie am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leona und Guinea seien wirtschaftlich um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen worden. "Auch wenn sich die Scheinwerfer der Welt von Westafrika abwenden, dürfen wir die Region nicht allein lassen", sagte der Minister.

Die geplante Weißhelm-Truppe will Deutschland notfalls im Alleingang aufbauen. "Wir werden bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Kernmannschaft von Weißhelmen aufstellen, die in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann", sagte Müller. Ob sich andere Nationen an der Initiative beteiligen, sei davon unabhängig. Am Dienstag bricht Müller zusammen mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe zu einem viertägigen Besuch ins Ebola-Gebiet nach Westafrika auf.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erklärte, Regierung, Wissenschaft und Hilfsorganisationen hätten die Dramatik der Ebola-Seuche unterschätzt. "Diesen Vorwurf mache ich aber nicht der Regierung allein, sondern uns allen", sagte Montgomery unserer Redaktion. Als die Krise in ihrer ganzen Dimension erkannt geworden sei, habe die Regierung gut reagiert. Montgomery forderte eine "weltweite Initiative", um die Bevölkerung in den betroffenen Regionen zu impfen. "Solche Landstriche entvölkernde Krankheiten lassen sich nur mit Impfungen beseitigen", sagte er.

World Vision fordert mehr Engagement

Unterdessen forderte die Hilfsorganisation World Vision die Bundesregierung auf, sich stärker für den Ausbau der Gesundheitssysteme in Afrika zu engagieren. Zwar gebe es Erfolge im Kampf gegen Ebola, doch zahlreiche Länder seien nach wie vor nicht in der Lage, die gesundheitliche Grundversorgung ihrer Bevölkerung zu gewährleisten, erklärte die Kinderhilfsorganisation am Montag in Friedrichsdorf. Die Bundesregierung müsse ihren G7-Vorsitz dafür nutzen, das Thema Mutter-Kind-Gesundheit auf die weltpolitische Agenda zu heben.

In Staaten wie Sierra Leone wird World Vision zufolge schon seit Jahren massiv an der gesundheitlichen Grundversorgung gespart. Auch deshalb habe sich die Ebola-Epidemie so verheerend ausgewirkt. "Jedes Jahr sterben weltweit immer noch mehr als sechs Millionen Kinder und täglich etwa 800 Schwangere und junge Mütter zum Teil an leicht behandelbaren Krankheiten oder deshalb, weil die Versorgung rund um die Geburt miserabel ist", erklärt Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision Deutschland.

In manchen armen Ländern leisten World Vision zufolge nicht-staatliche Akteure wie Kirchen oder Hilfsorganisationen bis zu 40 Prozent der gesamten Gesundheitsversorgung. Gesundheitssysteme könnten so nicht nachhaltig betrieben werden. Die Kernverantwortung eines Staates für das Wohl seiner Bürger liege bei der Regierung, sagte Meier.

(KNA)
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