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Kampf gegen das tödliche Virus
Ebola-Helfer sollen isoliert werden

New Yorks erster Ebola-Patient
New Yorks erster Ebola-Patient FOTO: dpa, jsl uw jak
Berlin/Düsseldorf. Die SPD fordert einen größeren Schutz für die Umgebung heimkehrender Ebola-Helfer. Und die deutschen Virologen diskutieren über mehr Spezial-Labore, falls die Zahl der Verdachtsfälle steigt. Von Jan Drebes und Wolfram Goertz

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika steigt der Druck auf die Bundesregierung, auch in Deutschland für mehr Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Hilde Mattheis, mahnte erhöhte Vorsichtsmaßnahmen vor allem für heimkehrende Helfer aus Ebola-Gebieten an – bis hin zu obligatorischer Isolierung. Führende Virologen warnen zudem vor einer unzureichenden Anzahl von speziellen Testlaboren in Deutschland.

Die aktuellen Forderungen sind vor dem Hintergrund zweier neuer Ebola-Fälle zu sehen: Im westafrikanischen Mali ist ein zweijähriges Mädchen mit dem Virus infiziert. Es hatte sich offenbar im Nachbarland Guinea angesteckt. Dort hat sich auch ein New Yorker Arzt infiziert, der für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" tätig war. Erst nach seiner Rückkehr in die USA traten Symptome wie Fieber auf – da war er in New York bereits U-Bahn gefahren und zum Bowling gegangen. Eine in den Dallas mit dem Virus infizierte Krankenschwester hat die Krankheit dagegen überstanden.

"Ärzte ohne Grenzen": ausreichende Vorsichtsmaßnahmen

Infos: So sieht die Sonderisolierstation in Düsseldorf aus FOTO: dpa, fg

Für Gesundheitsexpertin Mattheis steht fest: "Je mehr Helfer nach Westafrika reisen, desto höher ist auch das Risiko von Infektionen durch Heimkehrer." Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor erklärt, dass Deutschland "eine Vielzahl" von Ärzten und Krankenschwestern trainiere, "die dann in Westafrika eingesetzt werden können".

Angesichts dieses Aufrufs plädiert Mattheis für selbstauferlegte Isolierung: "Helfer, die von einem Ebola-Einsatz in ihr Heimatland zurückkehren, müssen die Möglichkeit haben, sich und andere zu schützen", sagte Mattheis unserer Zeitung. "Etwa dadurch, dass sie nicht unmittelbar nach ihrem Einsatz wieder voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sollte es notwendig sein, müsste diese Zeit bis zu 21 Tage dauern." So lange kann es dauern, bis sich Symptome zeigen.

Bei "Ärzte ohne Grenzen" hält man die eigenen Vorsichtsmaßnahmen hingegen für ausreichend. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, es sei verantwortbar, dass sich Helfer nach ihrer Rückkehr frei bewegen, sofern sie bestimmte Regeln befolgen: Zweimal täglich Fieber messen und 21 Tage lang nach der Heimkehr nicht arbeiten. Schließlich seien Ebola-Infizierte nur ansteckend, wenn sie Symptome zeigten. In diesem Fall müsse sich jeder ehemalige Helfer ohnehin in die noch strengere Quarantäne begeben.

Chronologie: Ebola - von ersten Fällen zum Internationalen Gesundheitsnotfall

Weitere Labore kurz vor der Eröffnung

Die Uniklinik Marburg, die neben Hamburg das zweite Ebola-Referenzlabor beherbergt, teilte mit, dass zwei weitere Labore kurz vor der Eröffnung stehen – in Berlin und auf der Ostsee-Insel Riems. Wie aus Expertenkreisen zu hören ist, plant auch die Bundeswehr eines für die Lüneburger Heide. Diese geografische Konzentration führt dazu, dass weiterhin alle Verdachtsproben in den Nordosten gebracht werden müssen.

Jörg Timm, Virologe der Uniklinik Düsseldorf, sagte: "Sollte sich die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle häufen, könnte eine Dezentralisierung der Diagnostik sinnvoll sein. Darüber wird in der kommenden Woche auch unsere Fachgesellschaft diskutieren." Hierzu müsse das Gesetz geändert werden.

Zugleich sind sogar die Virologen uneins, ob das Erreger-Virus schon vor dem Ausbruch der Erkrankung nachweisbar sei. Das Bernhard-Nocht-Institut Hamburg erklärte: "Das weiß man leider nicht." Stephan Becker, Virologe in Marburg, dementierte: "Das Virus lässt sich vor Auftreten der Symptome im Blut nicht nachweisen."

Quelle: RP
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