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Düsseldorf
EU warnt vor Schmerzmittel Diclofenac
Düsseldorf: EU warnt vor Schmerzmittel Diclofenac
Eine der Packungen des Schmerzmittels Diclofenac. Die Warnung bezieht sich ausschließlich auf die Gabe in Form von Tabletten oder als Infusion. FOTO: rp
Düsseldorf. Die Arzneimittelbehörde der EU weist auf Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen hin. Zugleich betont sie, dass die positiven Wirkungen des Mittels gegenüber den Risiken überwiegen. Bestimmte Patientengruppen sollten das Mittel meiden.

Diclofenac zählt zu den beliebtesten schmerzlindernden Mitteln in Deutschland – auch deshalb, weil es in bestimmten, niedrigen Dosierungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Jetzt hat die Medikamentenbehörde der Europäischen Union (EU) eine Warnung vor dem Mittel veröffentlicht, nachdem sie sich seit Oktober vorigen Jahres gezielt und intensiv mit dem Medikament befasst hatte.

Das Ergebnis der Beobachtungen an mehreren Patienten lautet, dass Diclofenac hinsichtlich der Risiken für Herz und Kreislauf mit dem Mittel Vioxx vergleichbar sei, das dessen Hersteller 2004 vom Markt nehmen musste. Denn eine Studie hatte zutage gefördert, dass das Mittel das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko erhöht.

Die Warnung der Arzneimittelbehörde bezieht sich allerdings ausschließlich auf die Gabe von Diclofenac in Form von Tabletten oder als Infusion. Betroffen, so heißt es, sind vor allem Patienten, die mehr als 150 Milligramm Diclofenac täglich einnehmen. Für diejenigen Patienten, die das Mittel in Gel- oder Salbenform äußerlich anwenden, gilt die Warnung nicht.

Besondere Vorsicht bei Vorbelastung

Das zuständige Gremium der EU-Arzneimittelbehörde relativiert zugleich seine Warnung: Die positive Wirkung von Diclofenac überwiege nach wie vor gegenüber den Risiken. Sie rät deshalb lediglich bestimmten Patientengruppen, auf Diclofenac in Tablettenform und als Infusion zu verzichten. Dazu gehören Menschen, die schon einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben, und solche, die an Herzschwäche oder Koronarer Herzkrankheit leiden. Auch Patienten, die unter Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten oder Diabetes leiden, sollten das Mittel meiden, ebenso Raucher.

Die EU-Behörde hat auch ermittelt, wie Diclofenac das statistische Risiko erhöht: Wenn 1000 Personen mit einem durchschnittlichen Herz-Kreislauf-Risiko das Mittel einnehmen, erleiden elf von ihnen innerhalb eines Jahres eine Herzattacke. Ohne das Mittel sind es dagegen acht. Die "Deutsche Apotheker Zeitung" fordert über ihr Internet-Portal Ärzte dazu auf, "in regelmäßigen Abständen die Sinnhaftigkeit der Medikation kritisch zu überprüfen".

Veränderung der Haut

Erika Fink, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, weist auf einen weiteren Aspekt hin: Diclofenac könne ebenso wie das in seiner Wirkweise ähnliche Ibuprofen, das im vorigen Jahr zum meistverkauften Mittel seiner Gruppe aufstieg und damit Diclofenac überholte, die Reaktion der Haut auf Sonnenlicht verändern. Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Arzneimittel äußerlich oder innerlich angewandt werde. Durch die Wirkstoffe komme es nicht nur schneller zum Sonnenbrand; auch andere Schäden wie Sonnenallergien, vorzeitige Alterung der Haut und Hauttumore durch ultraviolette Strahlung können Erika Fink zufolge verstärkt auftreten.

Für die Anwendung von Diclofenac bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine ausreichenden Studien. Deshalb wird die Anwendung für Patienten unter einem Alter von 15 Jahren nicht empfohlen. Auch im letzten Trimester einer Schwangerschaft darf das Mittel nicht eingesetzt werden.

Quelle: RP/csi/ham
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