| 08.10 Uhr

Epidemie
Experten warnen vor Ebola-Panik in Deutschland

Chronologie: Ebola - von ersten Fällen zum Internationalen Gesundheitsnotfall
Chronologie: Ebola - von ersten Fällen zum Internationalen Gesundheitsnotfall
Berlin/Düsseldorf. Nach einem Ebola-Verdachtsfall in Berlin steht fest: Das tödliche Virus bereitet vielen Menschen große Sorgen. Ein Ausbruch der Krankheit in Deutschland ist nach Ansicht von Medizinern jedoch unwahrscheinlich. Von Jasmin Buck

Die Anspannung im Pankower Jobcenter ist groß: Feuerwehrleute und Polizisten tragen Mundschutz. Ein Mann schlägt von innen gegen die Scheibe der Drehtür. "Lasst mich raus", schreit er. Doch das Gebäude ist abgeriegelt - wegen eines Ebola-Verdachts. Eine 30-jährige Frau, die acht Tage zuvor in Nigeria gewesen sei, habe Symptome der tödlichen Infektionskrankheit wie hohes Fieber gezeigt, erklärt ein Sprecher der Feuerwehr. Wenige Stunden später geben Mediziner der Berliner Charité und die Senatsverwaltung für Gesundheit Entwarnung: Die Frau hat kein tödliches Virus, sondern "nur" eine infektiöse Magen-Darm-Erkrankung. Ein endgültiger Bluttest steht noch aus.

Auch wenn es noch keinen bestätigten Ebola-Fall in Deutschland gibt: Bedenken bleiben trotzdem. Experten geben jedoch Entwarnung: "Es braucht sich niemand zu fürchten. Eine Ansteckung mit dem Ebola-Virus in Deutschland ist extrem unwahrscheinlich", erklärt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Selbst wenn es demnächst tatsächlich einen Ebola-Fall geben sollte, brauche niemand in Panik zu verfallen. "Der Erkrankte würde sofort isoliert und identifiziert. Es würde zu keinen größeren Übertragungsketten kommen." Europa sei gut vorbereitet. Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, stuft das Ebola-Risiko in Deutschland und Europa nach wie vor als "sehr gering" ein.

Ebola ist eine Virus-Erkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen beginnt und später schwere Blutungen hervorruft. Sie führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod. Einen Impfstoff gibt es nicht. Der Erreger kann nur bei direktem engen Kontakt mit Infizierten übertragen werden. Die Viren finden sich in Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Urin. Eine Ansteckung durch die Luft schließen Virologen bislang aus.

Dass Ebola nach Deutschland eingeschleppt wird, ist bislang ein hypothetischer Fall. Ein begründeter Verdacht liegt erst dann vor, wenn sich ein Betroffener mit Fieber (mindestens 38,5 Grad) bis zu 21 Tage vor Krankheitsbeginn in einem der derzeitigen Epidemiegebieten - dazu zählen Guinea, Sierra Leone, Liberia und die nigerianische Stadt Lagos - aufgehalten hat. Zudem muss er direkten Kontakt zu Blut oder Körperflüssigkeiten von erkrankten oder toten Menschen oder Tieren gehabt haben.

Nach NRW könnte Ebola theoretisch durch afrikanische Flüchtlinge gelangen. Zurzeit leben rund 80 Menschen aus Guinea, Sierra Leone und Nigeria in Dortmund und Unna. Vom Erstaufnahmelager für Flüchtlinge gehe allerdings keine Ansteckungsgefahr aus, teilte die Bezirksregierung Arnsberg mit.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Ebola-Ausbruchs gering ist, bleiben Ängste, wie ein aktueller Fall zeigt: Nach dem Urlaub in einem Ebola-Gebiet hat eine Schule in NRW einem Afrika-Rückkehrer untersagt, am Unterricht teilzunehmen. Grund sollen Absprachen mit dem Gesundheitsamt gewesen sein. Die zuständige Behörde verneinte dies - wollte sich auf Anfrage aber nicht weiter zu dem Fall äußern.

Bei einem begründeten Verdacht muss nach Angaben des RKI umgehend das zuständige Gesundheitsamt informiert werden, ebenso eines der sogenannten Kompetenzzentren. Diese sind Teil eines Netzwerks aus Versorgungs- und Managementeinrichtungen. Anschließend muss ein Labortest den Ebola-Verdacht klären. Dafür sollte laut RKI eine Virus-Isolation stattfinden. Diese wird nur von spezialisierten Laboren in Marburg und Hamburg durchgeführt. Das Verfahren dauert in der Regel mehrere Stunden. Je nach Einschätzung des Arztes sollte der Patient anschließend vom provisorischen Isolierbereich in eine der derzeit rund zehn deutschen Sonderisolierstationen - etwa in Düsseldorf - verlegt werden.

Virologe Schmidt-Chanasit führt die Sorge vieler Bürger auf Unwissenheit zurück: "Viele Menschen kennen Infektionskrankheiten wie Ebola nur aus Hollywood-Filmen. Die verzerrte Darstellung in diesen Filmen schürt natürlich Ängste." Ebola sei in Deutschland keine Gefahr - und zudem weniger ansteckend als etwa die Windpocken.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Experten warnen vor Ebola-Panikin Deutschland


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.