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Gesundheitsatlas 2015
Doppelt so viele Krankschreibungen wegen seelischer Leiden

Fragebogen: Leiden Sie an Depressionen?
Fragebogen: Leiden Sie an Depressionen? FOTO: Shutterstock/Themalni
Berlin. Depressionen, Burnout – seelische Störungen sind für immer mehr Krankheitstage verantwortlich. Das bedeute aber nicht unbedingt, dass sie auch tatsächlich häufiger vorkommen, heißt es jetzt vonseiten einer Krankenkasse. Von Dana Schülbe

Für ihren Gesundheitsatlas 2015 hat der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) die Daten seiner 4,3 Millionen Versicherten ausgewertet und den Schwerpunkt dabei auf seelische Erkrankungen gelenkt. Denn in jüngster Zeit zeigen Studien immer wieder eine Zunahme der Krankschreibungen diesbezüglich auf.

So auch die BKK. Demnach gehen rund 15 Prozent aller Krankentage mit ärztlichem Attest auf eine psychische Erkrankung zurück. Die Dauer der Krankschreibungen liege im Schnitt bei 40 Tagen, bei affektiven Störungen (dazu zählen Depressionen) im Schnitt sogar 58 Tage. Damit haben sich laut BKK die Krankschreibungen wegen seelischer Leiden gegenüber 2003 mehr als verdoppelt.

Gesundheit: Burnout: Auf diese Anzeichen müssen Sie achten FOTO: Techniker Krankenkasse

Ähnliches haben auch schon andere Krankenkassen festgestellt. So hatte auch die Techniker Krankenkasse in ihrem "Gesundheitstreport 2015" festgestellt, dass die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen erneut gestiegen seien. 2013, so hieß es vonseiten der Kasse im Januar, seien an den Arbeitsplätzen 4,3 Millionen Fehltage durch die Diagnose Depressionen entstanden. Und die AOK teilte im März dieses Jahres mit, dass nach einer Stagnation im Jahr 2013 die psychischen Erkrankungen entsprechend dem langjährigen Trend vor 2013 mit 9,7 Prozent wieder deutlich zugenommen hätten.

Die BKK verwies bei der Vorstellung ihrer Daten am heutigen Donnerstag aber auch darauf, dass die Zunahme der Krankentage nicht unbedingt auch eine Zunahme der tatsächlichen psychischen Erkrankungen in Deutschland bedeute. Im Gegenteil: Empirische Daten zeigten, dass es seit Ende der 1990er Jahre keine generelle Zunahme psychischer Störungen gegeben habe, so die BKK, die sich unter anderem auf Daten des Robert-Koch-Instituts beruft.

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"Eine der Erklärungen hierfür ist, dass die Menschen ihr psychisches Leiden akzeptieren und Hilfen im Gesundheitswesen in Anspruch nehmen", erklärt Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbandes. Entsprechend häufiger würden sie also auch wegen seelischer Leiden krankgeschrieben. Auch verfügten Allgemeinmediziner inzwischen über mehr Kenntnisse solcher Krankheitsbilder, was ebenfalls zu einem Anstieg der Krankschreibungen führen würde.

In ihrem "Gesundheitsatlas 2015" stellt die BKK auch regionale Unterschiede bezüglich der Krankschreibungen bei seelischen Leiden fest. So wurden Depressionen insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg häufiger diagnostiziert als im Norden oder Osten Deutschlands. Auch seien in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München mehr seelische Leiden attestiert als in ländlichen Gebieten.

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So sei bei etwa 0,3 Prozent der BKK-Versicherten im Saale-Orla-Kreis in Thüringen Burnout diagnostiziert worden, im bayerischen Kreis Ansbach seien es dagegen 3,4 Prozent gewesen. Gleiches gelte bei der Verschreibungen von Antidepressiva. Im Kreis Meißen in Sachsen lag der Anteil bei 4,4 Prozent, im bayerischen Kreis Straubing lag der Wert bei 11,5 Prozent.

Auch für diese Zahlen lässt die BKK nicht allein die Zahl der Erkrankungen gelten, sondern verweist darauf, dass es dabei durchaus einen Zusammenhang mit regionalen Indikatoren wie der Ärztedichte (also etwa der Anzahl vorhandener Pschychiater) gebe.

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