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Geräuschlos, geruchlos - tödlich
Giftgas Sarin – die verheerenden Folgen

Der chemische Kampfstoff Sarin
Der chemische Kampfstoff Sarin FOTO: dpa, ma ts mda
Berlin. Seit Tagen wird die politische Lage von einem Thema bestimmt: der Giftgas-Angriff in Syrien. Mehr als 1000 Menschen starben dabei. Doch was genau ist das Nervengas Sarin eigentlich, und wie wirkt es? Von Susanne Hamann

Sarin gehört zu den am meisten gefürchteten Kampfstoffen: Bereits eine stecknadelgroße Dosis kann zum Tod führen. Zugleich bemerkt das Opfer nicht, dass es den Stoff aufnimmt, denn er ist farb-, geruch- und geschmacklos.

Einmal versprüht kann die Substanz durch Einatmen oder den Kontakt mit Haut oder Augen in den Körper gelangen. Alternativ ist auch eine Vergiftung über Trinkwasser und Nahrung möglich, denn Sarin lässt sich sehr gut in Wasser auflösen. Schutz gegen den unsichtbaren Angreifer bietet nur ein Ganzkörperanzug mit Gasmaske. Aus diesem Grund wird das Gift von der UN auch als Massenvernichtsungswaffe eingestuft.

Im Körper blockiert der Stoff ein Enzym, das eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung durch Nervenzellen spielt, die so genannte Acetylcholinesterase. Ist sie blockiert, kann der Ruhenerv des Körpers nicht mehr richtig arbeiten. Die Symptome sind heftig aber weitläufig. Je nach Menge des Giftes können  Nasenlaufen, Sehstörungen und Muskelzuckungen auftreten, aber auch Atemnot und Krämpfe bis hin zu Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Schlussendlich folgt die Atemlähmung.

Was bei einer Vergiftung passieren muss

Gegenmittel gibt es zwar, sie wirken jedoch nur bei sofortiger Verabreichung. Dann wird Atropin gespritzt. Ein Mittel, dass das Überangebot an Acetylcholinesterase reguliert und somit die Muskelkrämpfe aufhebt. Überlebende einer Sarin-Vergiftung tragen jedoch häufig Langzeitschäden an Lunge, Augen und dem zentralen Nervensystem davon.

In großem Maße produziert wurde das Gift vor allem während und nach dem zweiten Weltkrieg. Die NS-Regierung ließ Sarin tonnenweise herstellen, allerdings kam es letztlich nicht zum Einsatz. Auch Russland und die USA stellten das Nervengas während des Kalten Krieges her. Ebenso ist die Produktion und sogar der Einsatz des Mittels von England bekannt.

Wegen seiner verheerenden Auswirkungen wurde Sarin im Rahmen der Giftgas-Konvention verboten. Seit 1993 darf es weder produziert noch gelagert werden. Dennoch kam es seitdem mehrfach zum Einsatz. So setzte der chilenische General und Diktator Augusto Pinochet (1973-1988) das Nervengift gegen Oppositionelle ein. Unter Saddam Hussein bewarf die irakische Luftwaffe ein von kurdischen Kämpfern kontrolliertes Dorf mit Sarin-Bomben und tötete rund 5000 Menschen. Den letzten großen Anschlag mit dem Kampfstoff verübte die Aum-Sekte bei dem Anschlag auf die U-Bahn von Tokio 1995. Dabei kamen 13 Menschen ums Leben und mehr als 6000 wurden verletzt.

Ursprünglich war Sarin zu einem ganz anderen Zweck angedacht. 1938 entdeckten es fünf deutsche Forscher, als sie versuchten ein Insektenschutzmittel gegen Blattläuse zu entwickeln. Seine Name setzt sich aus den Namensteilen seiner Entdecker zusammen: Schrader, Ambros, Rüdiger und Van der Linde.

(ham)
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