Infostrecke

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Wer zum Arzt geht bekommt oft eine zusätzliche Leistung aufgedrückt, die er am Ende selbst bezahlen muss. Patienten machen das, weil sie nicht an ihrer Gesundheit sparen wollen. Nichtwissend, das viele dieser IGel-Leistung nur wenig sinnvoll sind. Welche die fünf häufigsten Selbstzahler-Leistungen sind und wie sie und weitere Angebote vom IGel-Monitor 2015 eingeschätzt werden, erfahren Sie hier:

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Ultraschall der Eierstöcke

Die Ultraschalluntersuchung wird von Ärzten am häufigsten empfohlen.

Die Kosten für den Patienten liegen bei rund 50 Euro.

Nutzen: Zur Krebsfrüherkennungen bieten Gynäkologen eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke an. Gibt es einen Verdacht, ist die Leistung sinnvoll - wird dann aber auch von den Kassen übernommen. Besteht kein Verdacht, rät der MDS unbedingt davon ab und zum Abtasten. Das wird von den Kassen ab dem 20. Lebensjahr übernommen und ist ausreichend.

Fazit des IGel-Monitors: "Mit Ultraschalluntersuchung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne Untersuchung." Ein Fehlalarm beunruihgt nur unnötig oder führt möglicherweise sogar zu einer unnötigen Entfernung des Eierstocks.

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Ultraschall der Brust

Das Ultraschall der Brust wird von Gynäkologen zusätzlich zum Abtasten und Mammographie der Brust angeboten.

Nutzen: Die Bilanz der Kosten-Nutzen-Rechnung fällt hier gleichmäßig aus. Weder ist ein eindeutiger Nutzen noch ein eindeutiger Schaden aus der Vielzahl der Studien zu entnehmen.

Fazit: Das Ultraschall der Brust sollten sich Frauen gut überlegen. Auf der einen Seite gibt es keine Studien, die zeigen, dass die Methode Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt. Andererseits kann sich die Untersuchung bei Frauen mit dichtem Brustgewebe als nützlich erweisen, wenn es um das Finden von Knötchen geht. Da dies aber auch zu langwierigen und unnötigen weiteren Untersuchungen führen kann, sollte jedes Ultraschall wohl überlegt sein, so der IGel-Monitor. Das gilt nicht für Frauen, deren hohe Brustdichte eine Mammographie erschwert. 

Kosten: Die Kosten für ein Ultraschall liegen zwischen 25 und 60 Euro.

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

PSA-Test

Nutzen: Was bei Frauen ein Ultraschall der Eierstöcke ist, ist beim Mann der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Fazit: Der Nutzen des Test sei jedoch nicht belegt, so der IGel-Monitor. Besorgniserregende Gespräche und möglicherweise unnötige Behandlungen können jedoch die Folge sein.

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung

Mit der Messung des Innendrucks soll ein Hinweis auf Grünen Star (Glaukom) gefunden werden können. Ist ein konkreter Verdacht gegeben, bezahlt die Kasse das Verfahren.

Nutzen: Laut IGel-Monitor gibt es keine Studien, die besagen, dass diese Messung zuverlässige Ergebnisse liefert. Allerdings habe die Untersuchung leichte Nebenwirkungen und könne unnötige Behandlungen nach sich ziehen.

Fazit: "Tendenziell negativ"

Kosten: 20 bis 40 Euro mit Beratung

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Professionelle Zahnreinigung

Die professionelle Zahnreinigung ist die fünfte der am häufigsten in Anspruch genommenen IGel-Leistungen. Und wird fast schon standardmäßig von Zahnärzten einmal pro Jahr empfohlen.

Nutzen: Ob sie auch einen Nutzen für Menschen ohne Paradontitis hat, ist unklar - auch wenn sie von vielen Experten empfohlen wird. Allerdings scheint sie den positiven Nebeneffekt zu haben, dass Menschen, die sich die professionelle Reinigung leisten, generell ihr Gebiss auch besser pflegen.

Fazit: Patienten müssen für sich den Wert der Reinigung entscheiden. Negative Folgen hat sie jedenfalls nicht, so der IGel-Monitor.

Kosten: 40 bis 120 Euro

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Akupunktur zur Migräneprophylaxe

Die Akupunktur ist eine Therapieform der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Feine Nadeln, die an bestimmten Punkten des Körpers gesetzt werden, sollen zum Beispiel Migränepatienten vor weiteren Anfällen bewahren oder dann zumindest ihre Schmerzen lindern. Im Gegensatz zu den klassischen Migräne-Medikamenten ist Akupunktur immer eine IGeL.

Nutzen: Etliche Studien haben die Effekte der Akupunktur untersucht. Sie zeigen, dass die Akupunktur Migräneschmerzen ebenso gut lindert wie Medikamente, deren Nutzen nachgewiesen ist. Außerdem hat die Behandlung mit Akupunktur weniger Nebenwirkungen als mit Medikamenten - und gleich viele wie mit einer Scheinakupunktur, so der IGel-Monitor.

Fazit: Die Behandlung wird als "tendenziell positiv" eingestuft.

Ein Interview zum Thema "Naturheilverfahren und Schmerzen", finden Sie hier.

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

Operative Behandlung des Schnarchens

Das Schnarchen des Partners gehört für viele zu den schwierigsten Eigenschaften, die jemand haben kann. Oftmals wird in der Not ein operativer Eingriff an der Nase in Erwägung gezogen. Schnarcht ein Patient so stark, dass nachts auch die Atmung länger aussetzt, wird die Operation von der Kasse bezahlt. Wird die Gesundheit nicht beeinträchtigt, muss sie selbst bezahlt werden.

Nutzen: Zwei schwache Studien zeigen, dass die Operation die Geräusche verringert, allerdings gibt es mehr Studien, die von häufigen, wenn auch nicht so schweren Nebenwirkungen berichten.

Fazit: Für den IGel-Monitor ist die OP "tendenziell negativ".

Weitere Informationen über die gefährlichen Nebenwirkungen des Schnarchens, finden Sie hier.

Sinnvoll oder nicht? - Was die gängigsten IGel-Angebote bringen

MRT zur Früherkennung von Alzheimer

Alzheimer gehört zu den gefürchtetsten Erkrankungen der Deutschen. Ein wichtiges Diagnoseinstrument ist die Magnetresonanztomographie (MRT). Allerdings bestätigt das nicht, dass sich das MRT auch zur Früherkennung eignet.

Nutzen: Besteht ein Verdacht, bezahlt die Kasse spezielle Untersuchungen unter Umständen auch mit einem MRT. Ob sich das Verfahren zur Früherkennung eignet wurde bislang nicht in Studien untersucht. Zu verhindern ist die Krankheit damit sicherlich nicht. Allerdings kann die Untersuchung erhebliche Schäden anrichten, wenn schwierige Gespräche oder Folgeuntersuchungen gemacht werden.

Fazit: "Tendenziell negativ", so der IGel-Monitor.

Wie Alzheimer vorgebeugt werden kann, erfahren Sie hier.