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Monitoringbericht des Umweltamtes
Diese gesundheitlichen Folgen hat der Klimawandel

Ambrosia - Albtraum für Allergiker
Ambrosia - Albtraum für Allergiker FOTO: Dr. Beate Alberternst/Dr. Stefan Nawrath
Düsseldorf. Erst vor Kurzem haben die Tagestemperaturen in Deutschland rund 40 Grad erreicht. Tage wie diese werden in Zukunft noch häufiger auftreten, sagen Experten. Und warnen zugleich vor Hitzetoten, mehr Problemen für Allergiker und Erkrankungen durch Mücken. Von Susanne Hamann

Es wird wärmer in Deutschland, das ist spätestens seit den Ergebnissen des  "Monitoringberichts 2015 zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel" nicht mehr zu bestreiten. Auf der Basis von Studien des Umweltamtes und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie Umfragen informiert er über den Klimawandel und seine Folgen für die deutsche Bevölkerung.

Demnach machen sich vor allem zwei Neuerungen deutlich bemerkbar: Es gibt mehr Hitzetage und das Klima insgesamt ist wärmer geworden. Unter einem Hitzetag verstehen die Experten Zeiten, an denen die Temperaturen über 30 Grad betragen. Wie sich das anfühlt, konnten die meisten Regionen Deutschlands erst vor wenigen Tagen erleben. Mitte Juli stiegen die Temperaturen auf rund 40 Grad an. Wie die Experten schreiben, ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl solcher heißer Tage in den kommenden Jahren noch erhöhen wird.

Denn wie Studien zeigen, ist die Zahl der heißen Tage in Deutschland seit 1951 deutlich gestiegen. Waren es in den 50er Jahren im Flächenmittel nur drei Tage über 30 Grad pro Jahr, wurden 2013 bereits acht davon gemessen. Und es werden mehr.

Die Auswirkungen für die einzelnen Regionen in Deutschland sind dabei sehr unterschiedlich. Denn das Flächenmittel gibt den Mittelwert – errechnet aus Regionen die 1950 nur ein oder zwei heiße Tage hatten und solchen mit bis zu 14 heißen Tagen, wie etwa in der Rheinregion, – an. Parallel zu den heißen Tagen analysierten die Forscher auch die Anzahl besonders kalter Tage und stellten fest, dass diese insgesamt weniger werden.

52.000 Tote durch Hitze

Welche gesundheitlichen Auswirkungen längere Hitzeperioden haben können, zeigte der Sommer im Jahr 2003. Damals starben laut einer Schätzung rund 52.000 Menschen in ganz Europa, nachdem die Temperaturen über viele Tage auf rund 40 Grad und mehr gestiegen waren. Wie viele Opfer genau es in Deutschland waren, lässt sich nicht nachvollziehen. Allerdings geben die Todesstatistiken zu einem bestimmten Zeitpunkt Aufschluss. Demnach starben allein in Hessen im Sommer 2003 insgesamt 781 Menschen mehr als in einem Sommer mit Durchschnittstemperaturen.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen. Bei ihnen kommt es schneller zu hohem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Schwitzen und eine übermäßige Belastung des Herz-Kreislaufsystems.

Weil Hitzewellen in den kommenden Jahren auch schon im Frühsommer auftauchen können, könnten zukünftig noch mehr Personen gesundheitlich betroffen sein. Denn dann ist auch der Körper von eigentlich gesunden Menschen noch nicht auf das heiße Wetter vorbereitet.

Das bedeuten die steigenden Temperaturen für Allergiker

Neben den häufigeren und längeren Hitzewellen sind aber auch die steigenden Temperaturen eine Herausforderung für die Einwohner Deutschlands. Rund 1,2 Grad wärmer ist es hierzulande in den letzten Jahren geworden. Tendenz steigend.

Das sorgt zum Leidwesen aller Allergiker dafür, dass die Pflanzen in den kommenden Jahren immer länger blühen und die Pollenkonzentration steigt. Zudem verursacht das wärmere Klima, dass sich mehr wärmeliebende Pflanzenarten in Deutschland niederlassen, die ein hohes Allergenpotenzial haben.

Ein Beispiel für diesen Prozess ist die nordamerikanische Beifuß-Ambrosie. War sie am Anfang nur vereinzelt in Deutschland zu finden, hat sich die Pflanze inzwischen in allen Bundesländern breit gemacht. Ein Grund dafür sind wohl auch die wärmeren Herbstmonate, die der Beifuß-Ambrosie entgegen kommen. Sie gilt als hochallergen und kann starke Hautausschläge auslösen.

Ausbreitung von gefährlichen Insekten

Nicht nur Pflanzen breiten sich mit dem milderen Wetter früher und weiter aus, sondern es gibt auch mehr wärmeliebende Tiere. Vor allem im Frühjahr 2015 dürfte das vielen aufgefallen sein, weil ungewöhnlich früh Zeckenwarnungen auftraten. In dem Monitoringbericht warnen Experten jedoch explizit vor zwei bestimmten Tierarten: dem Eichenprozessionsspinner und exotischen Mücken.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein in Deutschland lebender heimischer Nachtfalter, dessen Raupen sich hauptsächlich von Eichenblättern ernähren. Zur Eiablage bevorzugt er Eichen in sonnenexponierten Lagen wie beispielsweise an Waldrändern, in Parkanlagen, Gärten, auf Sport- und Campingplätzen sowie in Schwimmbädern.

Die Raupen bilden feine Härchen aus, die innen hohl sind und ein Eiweißgift enthalten. Die Haare sind zudem mit Widerhaken versehen und können sich an der Haut festheften. Bei Kontakt drohen allergische Hautreaktionen, Entzündungen im Rachenbereich und sogar Atemversagen. Vor allem in städtischen Gebieten hat sich das Tier vermehrt, der Grund dafür wird im Klimawandel gesehen.

Der Bericht empfiehlt in Zukunft vermehrt Warnschilder einzusetzen und Raupennester abzusaugen. Er räumt aber auch ein, dass die wirkungsvollste  Bekämpfung, nämlich eine chemische, wegen der räumlichen Nähe zum Menschen kaum möglich ist.

Dengue-Fieber und Malaria in Deutschland?

Eine ähnlich große Gefahr stellt die Ausbreitung der exotischen Tigermücke dar. Die aus Südostasien stammende Mücke kann 20 verschiedene Viren, darunter gefährliche Krankheitserreger wie Dengue-Fieber oder Malaria auf den Menschen übertragen.

Besonders gefährdet für den Eintritt von wärmeliebenden Pflanzen und Tieren ist die Rheinebene. Hier wurden schon seit Anfang der Messungen längere Hitzephasen als in anderen Regionen gemessen und auch höhere Temperaturen im Allgemeinen. Vor allem am Oberrhein kam es in der Folge immer wieder zu Funden von Tigermücken und ihren Eiern. Der größte bestand aus 149 Eiern und 14 Mücken und wurde im Jahr 2013 gemacht. Er zeigt, dass es sich beim Vorkommen der Tigermücke in Deutschland inzwischen nicht mehr um Einzelfälle handelt.

Unklar ist allerdings noch, ob die Tigermücke immer Krankheitserreger überträgt oder ob sich Mücke und Viren unabhängig voneinander entwickeln. So könnte es sein, dass die Tigermücke hier heimisch wird, die Dengue-Viren das deutsche Klima aber nicht überleben.

Mehr Blaualgen in Badegewässern

Der Sprung in einen Badesee oder Fluss gehört an heißen Tagen zu den beliebtesten Abkühlungen. Gerade die steigenden Temperaturen aber, könnten schon bald dafür sorgen, dass das Baden nur noch in wenigen Gewässern möglich ist.

Mit dem zunehmend wärmeren Klima im Frühjahr kann es sein, dass sich in Zukunft auch Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, stärker verbreiten. Sie gedeihen besonders gut, wenn starke Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen zusammenkommen. Durch Baden in stark blaualgenhaltigem Wasser sind Symptome wie Haut- und Schleimhautreizungen und allergische Reaktionen, aber auch Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen möglich. Werden viele der Giftstoffe geschluckt, kann es auch zu schweren Nervenschädigungen kommen. Das gilt vor allem bei Kleinkindern, Schwimmern und Surfern, die sich in flacherem Wasser aufhalten. Das Umweltamt rät deshalb ausdrücklich vom Baden in mit Blaualgen belasteten Gewässern ab, insbesondere dann, wenn sich bereits Schlieren gebildet haben.  

Ob es wirklich zu einer massiven Ausbreitung von Blaualgen kommt oder nicht, ist bislang laut dem Bericht noch nicht abzusehen. 

Wie man den Folgen der Hitze vorbeugen kann

Angesichts der Gesamtentwicklung raten die Experten dazu, sich so gut wie möglich über Wetter und Pollenflug zu informieren. So gebe der DWD etwa Hitzewarnungen heraus und gemeinsam mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst auch einen Pollenflug-Gefahrenindex.

Damit könnten anfällige Menschen und Allergiker rechtzeitig reagieren. Die wichtigsten Maßnahmen bestehen vor allem darin, rechtzeitig mit der Medikation gegen Allergien zu beginnen und bei einer Hitzewelle viel zu trinken. Besonders in Pflegeheimen müsste auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, weil gerade Senioren dazu neigen, nicht ausreichend zu trinken. 

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