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Cannabis-Forschung in Israel
Marihuana - Droge oder Wunder-Medikament?

Marihuana - Droge oder Wunder-Medikament?
In Israel wird medizinisches Marihuana gezüchtet, das nicht "high" macht. FOTO: shutterstock/ aastock
Tel Aviv/Düsseldorf. Marihuana ist im Gespräch. Erstmals beginnen Länder es zu legalisieren, darunter sogar die USA. Vor allem seine Wirkung als Medikament wird immer wieder gelobt. Was die Haschisch-Pflanze wirklich kann, zeigt ein Kibutz in Israel. Hier wird Cannabis gegen Arthritis, Traumata und Krebssymptome verabreicht - und eine Pflanze entwickelt, die garantiert nicht "stoned" macht. Von Susanne Hamann

Während die Freigabe von Cannabis als Medikament vor allem in der EU kontrovers diskutiert wird, ist die Pflanze in Israel längst gegen diverse Krankheiten im Einsatz. Rund 10.000 Israelis haben die offizielle Erlaubnis Marihuana zu konsumieren. Seit 20 Jahren ist die Pflanze hier als Medikament legal. Haschisch konsumieren dürfen etwa Krebskranke, Parkinsonpatienten, Menschen mit Multibler Sklerose und psychischen Problemen, vor allem Traumata.

Leicht zu bekommen ist das grüne Medikament aber auch in Israel nicht. Ein Arzt muss es  verschreiben. Zudem brauchen die Patienten eine offizielle Lizenz vom Gesundheitsministerium. Dennoch ist Israel in Sachen Cannabis-Forschung anderen Ländern weit voraus. Die größte Cannabis-Plantage befindet sich im Nodern Israels und heißt Tikun Olam ("Rettung der Welt").

Hintergrund: Das sollten Sie über Cannabis wissen FOTO: dpa, ABIR SULTAN

Hasch ohne "High"

Hier reiht sich ein Marihuana-Gewächshaus an das nächste. Allerdings beschränkt sich die Produktion ausschließlich auf medizinsiche und Forschungszwecke. Der Anbau wird vom Gesundheitsamt kontrolliert. Den Forschern auf Tikun Olam geht es darum, die Pflanze für möglichst viele Patienten zugänglich zu machen, und das nicht nur in Israel.

Deshalb wurde gerade erst eine völlig neue Form von Marihuana gezüchtet. Eine, die den Konsumenten nicht mehr "high" macht. Denn der bewusstseinsverändernde Wirkstoff Tetrahydrocanabinol (THC) ist in ihr nicht mehr enthalten. Psychosen oder unangenehme Lethargie sind somit ausgeschlossen. Stattdessen verfügt sie über hohe Mengen an Cannabidiol, dem Wirkstoff der Marihuana-Pflanze, der entzünungshemmend, schmerzlindernd und angstlösend wirkt.

"Cannabis hat fast keine Nebenwirkungen"

"Cannabidiol bindet sich nicht an die Gehirnzellen", sagte Ruth Gallily, Professorin für Immunologie der Hebrew Universität im Interview mit der ARD. Deshalb gebe es keine ungewollten Nebenwirkungen. Außerdem sei "der große Vorteil: medizinisches Cannabis hat fast keine Nebenwirkungen. Es ermöglicht dem Körper zu gesunden, anstatt gegen die Medikamente erst mal ankämpfen zu müssen."

In Israel wird sowohl die berauschende, als auch die neutrale Variante der Pflanze eingesetzt - und zwar bei jung und alt. Seit einiger Zeit arbeitet Tikun Olam etwa mit einem israelischen Altersheim zusammen. Wie ein Beitrag des ARD Weltspiegels zeigt, hat die Gabe von Cannabis dort die Lebensqualität der Senioren wesentlich verbessert. Vor allem die durch Entzündungen bedingten Leiden wie etwa Arthritis und Multible Sklerose konnten massiv gelindert werden. Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus Kriegszeiten, sprechen dagegen besonders gut auf das berauschende Cannabis an, so die Reportage. Ihre Angstzustände und Schlafstörungen verschwinden. Das gleiche gilt für Krebspatienten. Sie verspüren plötzlich wieder Hunger und die oft sehr starken Schmerzen lassen nach.

Großes Misstrauen in Europa

Trotz diser Erfolge gibt es bislang noch keine ausgiebigen medizinischen Studien zur Wirkung von Cannabis. Aus diesem Grund - und wegen der Gefahr des Missbrauchs - ist die Zurückhaltung vor allem in der EU gegenüber Marihuana als Medikament hoch. In Deutschland und inzwischen auch in Frankreich ist bislang nur ein einziges Cannabis-Mediment erlaubt: Sativex. Ein Spray, welches über die Mundschleimhäute aufgenommen wird und gegen Spasmen von Patienten mit Multibler Sklerose helfen soll. Es enthält sowohl THC, als auch Cannabidiol.

Langfristig, so ist auf der Internetseite von Tikun Olam zu lesen, soll die rauschfreie Pflanze in möglichst vielen Ländern zur medizinischen Behandlung verfügbar werden. Es könnte dann auch in Form von Schokolade, Kaugummi oder Saft verkauft werden, um die Einnahme zu erleichtern. Da vor allem die Nebenwirkungen der Cannabis-Extrakte bislang noch nicht vollständig geklärt sind, wird die vielseitige Verschreibung von Marihuana jedoch vorerst wohl nur in Israel möglich bleiben.

(ham)
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