| 12.56 Uhr

Engpass in NRW
Medikament gegen Krätze wird knapp

Wie sieht Krätze aus?
Wie sieht Krätze aus? FOTO: Shutterstock.com/ Mykola Samoilenko
Düsseldorf . Krätze zu behandeln, ist nicht immer leicht. Gerade bei Kindern reicht eine Behandlung mit Salben oft nicht aus. Bewährt hat sich eine bestimmte Tablette zum Einnehmen. Doch das Medikament wird in Deutschland nur von einem Hersteller produziert - und der kann seit Wochen nicht liefern.  Von Susanne Hamann

Mündlich will sich bei Infectopharm niemand äußern. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller, der in Deutschland das Medikament Scabioral produziert. Dabei handelt es sich um eine Tablette, die meist bei einmaliger Einnahme alle Krätzmilben im Körper zerstört. "Das Medikament wirkt sehr zuverlässig und ist vor allem bei Kindern hilfreich, bei denen der Einsatz von Cremes oft nicht ausreicht", sagt Heinrich Rasokat, Oberarzt an der Hautklinik der Uniklinik Köln. 

Doch derzeit ist das Medikament in NRW knapp. Eine Umfrage unserer Redaktion bei zehn Apotheken in Düsseldorf zeigt: Keine einzige hat das Präparat vorrätig, und bestellen kann man es auch nicht. Der Grund: Der Hersteller hat seit September Lieferschwierigkeiten. Auf der Gelben Liste, einem Pharmaverzeichnis für Arzneimittel, werden Herstellungsschwierigkeiten angegeben. Manch Apotheker spricht aber auch davon, dass die Nachfrage so immens gestiegen sei, dass der Hersteller mit der Produktion nicht hinterher kommt.

Katastrophal ist das vor allem für niedergelassene Ärzte. Sie sind in der Regel die ersten, die Krätzepatienten behandeln. "Es gibt natürlich noch alternative Behandlungsmethoden. Gerade in nicht so schweren Fällen gibt man zunächst Cremes und nicht Tabletten. Aber gerade bei schweren Krätzefällen und eben Kindern ist Scabioral sehr hilfreich", sagt Dermatologe Rasokat. Niedergelassene Ärzte können das Medikament nun jedoch vorerst nicht mehr verschreiben. 

Patienten wurden von Wuppertaler Klinik abgewiesen

Auch in Kliniken ist ein Engpass aufgetreten. "Wir zum Beispiel haben das Medikament  grundsätzlich nicht vorrätig", sagt der Rasokat. "Krätzepatienten werden in der Regel ambulant behandelt, also vom niedergelassenen Arzt. Nur sehr schwere Fälle behandeln wir stationär - und dann bestellen wir das Medikament."  

Ein anderer Arzt, der seinen Namen nicht in den Nachrichten lesen will, berichtet, dass in der Hautambulanz der Helios Klinik in Wuppertal eine Familie abgewiesen wurde. Die Eltern, zwei elf Monate alte Zwillinge und die Großeltern waren alle mit Krätzemilben infiziert - seien jedoch weggeschickt und an die Uniklinik Düsseldorf verwiesen worden.

"Das liegt daran, dass auch wir nur einen kleinen Bestand an Scabioral haben, den wir als Krankenhaus natürlich für unsere stationären Patienten vorhalten. Aus der Sicht der Ärzte handelte es sich bei der Familie um Patienten, die sich auch ambulant behandeln ließen", sagt Jörn Grabert, Sprecher der Helios Klinik Wuppertal. Der Arzt berichtet derweil, dass die Familie an der Uniklinik Düsseldorf stationär aufgenommen und mit Scabioral behandelt wurde. "In Düsseldorf verfügt man über eine Hochschulambulanz. Das bietet mehr Kapazitäten", sagt wiederum Grabert. 

"Es gibt noch eine Alternative für sehr schwere Fälle von Krätze", sagt ein Mitarbeiter der Herz Apotheke in Düsseldorf. "In Frankreich wird ein ähnliches Präparat hergestellt, allerdings muss das Medikament dann importiert werden - und das zahlen nicht alle Kassen." Zudem könne der Import bis zu zehn Tagen dauern, ein langer Zeitraum für Betroffene, vor allem auch angesichts der Ansteckungsgefahr für das Umfeld. 

Wann die Lieferschwierigkeiten behoben werden können, ist unklar. Laut der Gelben Liste soll das Unternehmen Infectopharm frühestens im Dezember 2017 wieder liefern können.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Engpass in NRW: Medikament gegen Krätze wird knapp


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.