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Experten warnen
"Die Mücken haben lange gehungert"

Das hilft bei Stichen
Das hilft bei Stichen FOTO: Shutterstock/Image Point Fr
Neuss/Düsseldorf. Durch die plötzliche Wärme sind viele der Mückenlarven geschlüpft. Sie sind sehr aggressiv. Experten warnen vor einer Mückenplage im Rheinland. Von Leslie Brook, Joris Hielscher und Petra Schiffer

Ein Spaziergang am Rhein, am ersten echten Sommertag des Jahres, dazu ein Eis: Simone (41) und Tochter Anne (4) hatten bei ihrem Fronleichnamsausflug noch kurz die Schildkröten im Neusser Sporthafen beim Sonnenbaden beobachtet und reihten sich dann in die Schlange beim Eismann ein. Da lauerten sie - nicht eine Mücke, sondern direkt ein kleiner Schwarm, der zum Angriff überging. "So viele Mücken habe ich an dieser Stelle noch nie gesehen", sagt Mutter Simone. Innerhalb weniger Minuten waren sie und ihre Tochter an Armen und Beinen zerstochen.

Tatsächlich sind die Mücken derzeit besonders aggressiv, sagt Heinz Mehlhorn, Professor für Parasitologie an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf: "Wir haben eine Mückenplage im Rheinland." Da es lange Zeit kühl und nass war, blieben die Insekten so lange wie möglich im Wasser. In der Hitze der vergangenen Tage sei dann eine große Anzahl von Wald- und Wiesenmücken geschlüpft, die nun Blut bei Mensch und Tier saugen. "Viele Menschen waren sozusagen der erste Happen nach dem Schlüpfen", erklärt Mehlhorn. Die Weibchen brauchen das Blut, das Eiweißstoffe enthält, um Eier legen zu können.

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Dabei seien sie derzeit nicht wählerisch. Zwar gibt es Menschen, die aufgrund ihres spezifischen Geruchs von den Mücken nach wie vor besonders gerne angeflogen werden, "im Moment aber nehmen sie alles, was sie bekommen können", sagt Mehlhorn. Das heißt: Es werden auch Menschen gestochen, die sonst vielleicht nie oder kaum einen Mückenstich abbekommen und sich jetzt wundern, was los ist.

Viele Stiche seien mit starken Schwellungen und Juckreiz verbunden. Das erklärt Mehlhorn so: "Eine Mücke, die lange gehungert hat, hat den ganzen Speichel noch im Rüssel und pumpt ihn ins Blut des Opfers." Der Speichel sei kompliziert zusammengesetzt und dabei so perfekt gebaut, dass er unter anderem dafür sorgt, dass der Stich nicht sofort bemerkt wird. "Der Erste, der gestochen wird, bekommt die Hauptmasse ab", sagt Mehlhorn - die Einstichstelle werde sehr dick, "bei weiteren Stichen derselben Mücke schwächt sich die Wirkung ab". Wie allergisch ein Betroffener reagiert, hänge von dessen Immunlage ab.

Apotheken und Notfallpraxen waren am Wochenende stark frequentiert. "Wir hatten Kunden mit 20 Mückenstichen und mehr", sagt Christoph Napp-Saarbourg von der Einhorn-Apotheke in Neuss. Über die Hälfte seiner Kunden seien am Sonntag wegen Mückenstichen gekommen, die sich oftmals entzündet hätten. Waren die Entzündungen sehr schlimm, seien viele Menschen sogar zum Arzt gegangen, berichtet der Apotheker. Zum Beispiel zu Ingolf Baron, Arzt für Innere Medizin, der am Wochenende in der Notfallpraxis im Neusser Lukaskrankenhaus Dienst hatte. Über 60 Patienten seien allein am Samstag wegen Insektenstichen gekommen. So viele würden sonst an einem ganzen Tag die Notfallpraxis aufsuchen. "Entweder zeigten sie allergische Reaktionen, oder die Stiche hatten sich infiziert", erklärt Baron. Antiallergika und Antibiotika sind dann die Gegenmittel.

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Während die Hausmücken besonders in der Dämmerung aktiv sind, sind die jetzt geschlüpften Wald- und Wiesenmücken am Tag unterwegs. "Ihnen reicht eine Regentonne, ein Blumenuntersetzer oder eine Pfütze", sagt Mehlhorn. Dort werden die Eier abgelegt. Der Experte rechnet damit, dass der Mückenalarm in den kommenden Tagen noch schlimmer wird - wenn es weiter warm bleibt. So könne es passieren, dass vier bis fünf Generationen gleichzeitig unterwegs sind.

In Bayern könnte es hingegen noch gut zwei Wochen dauern, bis die ersten Mücken ausschwärmen. Dort war es in den vergangenen Tagen sehr nass, und das mögen die Insekten nicht. "Es gibt kein Deutschlandwetter für Mücken, es ist regional sehr unterschiedlich wann sie auftreten und wie hoch die Population ist", macht Mehlhorn deutlich. NRW könnte noch im Juni eine zweite Invasionswelle treffen.

Quelle: RP
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