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Bundesweite Untersuchung
TÜV: Keime im Trinkwasser
Fragen und Antworten zum  Trinkwasser
Fragen und Antworten zum Trinkwasser FOTO: dapd
(RP). In einer bundesweiten Untersuchung öffentlich zugänglicher Wasserhähne haben Tester in jeder zweiten Probe gefährliche Bakterien nachgewiesen. Auch NRW ist betroffen. Das Umweltministerium mahnt sorgfältige Kontrollen an. Von Gerhard Voogt und Ulrike Winter

Das deutsche Trinkwasser ist offenbar schlechter als sein Ruf – das hat ein Test des TÜV Rheinland und des ARD-Magazins "Plusminus" in zehn deutschen Städten ergeben. In jeder zweiten der 50 Proben aus öffentlich zugänglichen Gebäuden wurden Verkeimungen festgestellt. In NRW waren 14 von 25 Proben betroffen. Mitunter wurden die zulässigen Grenzwerte sogar um das Achtfache überschritten. Unter anderem wiesen die Prüfer E.-coli-Bakterien und Legionellen nach, die für Menschen mit geschwächtem Immunsystem zum Gesundheitsrisiko werden können.

Die Proben wurden Anfang Juli in zehn Städten genommen, darunter Düsseldorf, Köln, Aachen, Bonn und Essen. Sie stammen aus den Wasserhähnen öffentlich zugänglicher Toiletten in Bahnhöfen, Rathäusern, Kliniken, Seniorenheimen und Universitäten. Die betroffenen Einrichtungen wurden vom TÜV bereits über die erhöhten Werte informiert – bei ihnen, so vermuten die Tester, liegen die Ursachen für die Verschmutzung.

"Erfahrungsgemäß bekommen die Einrichtungen ihr Wasser von den Versorgungsunternehmen in einwandfreiem Zustand geliefert", sagte Walter Dormagen, TÜV-Experte für Mikrobiologie. "Bakterien gedeihen besonders gut in kaputten Rohren, in toten Leitungen oder solchen, in denen nur wenig Wasser fließt." Auch über verschmutzte Wasserhähne würden Keime übertragen.

Während die Keime für gesunde Menschen nicht zwangsläufig gefährlich sind, können sie für Menschen mit schwachem Immunsystem zum Problem werden. In zwei Proben wurden die als Krankenhauskeime bekannten Pseudomonaden entdeckt, die bei frisch Operierten zu erheblichen Komplikationen führen können. Viermal registrierten die Tester Legionellen, die lebensbedrohliche Lungenerkrankungen verursachen können.

"Die Funde sind als besorgniserregend einzuschätzen", sagte ein Sprecher von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Das Ministerium mahnte die örtlichen Gesundheitsbehörden, ihre Kontrollaufgaben ernst zu nehmen.

Diese sind laut Trinkwasserverordnung verpflichtet, dort zu kontrollieren, wo Wasser öffentlich abgegeben wird. "Ein Kommentar der Verordnung beschränkt unsere Zuständigkeit aber auf Einrichtungen mit besonders gefährdeten Gruppen", sagte Klaus Goebels vom Düsseldorfer Gesundheitsamt. Seine Behörde überprüfe jedes Krankenhaus und jedes Altenheim der Stadt einmal pro Jahr; auch Schulen und Hotels bekämen regelmäßig Besuch. "Stimmen die Werte nicht, müssen die Betreiber ihre Leitungen sanieren – bei akuter Gefahr werden die sanitären Anlagen geschlossen." Die Heinrich-Heine-Universität lässt ihre Wasserwerte nach eigenen Angaben laufend von einem Institut der Uniklinik prüfen, bei der Deutschen Bahn werden sie einmal pro Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Lebensmittelsicherheit überprüft. "Wir haben unverzüglich die Wasserleitungen in den betroffenen Bahnhöfen in Düsseldorf, Köln und Aachen spülen lassen", sagte ein Sprecher. Nun soll das Wasser erneut geprüft werden.

Mehr Sicherheit verspricht sich Umweltminister Remmel von der Novelle der Bundestrinkwasserverordnung, die zum 1. November in Kraft tritt. "Auf Anregung von NRW wurde darin ein Grenzwert für Legionellen festgesetzt", sagte sein Sprecher. Die Ausbreitung von Bakterien habe oft auch mit übertriebenen Sparanstrengungen zu tun: "Manche Heizungsbetreiber stellen die Wassertemperatur niedrig ein, um Geld zu sparen." Bakterien würden aber erst ab Temperaturen von 60 Grad absterben.

Quelle: RP
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