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Entdeckung Schweizer Forscher
Tumor versteckt sich unter gesundem Gewebe

Washington (RPO). Mit einem hinterhältigen Trick überlisten viele Tumore die körpereigene Abwehr durch weiße Blutkörperchen: Sie umgeben sich mit einer dünnen Oberflächenschicht und verkleiden sich dabei als Lymphknoten - und damit als Teil des Abwehrsystems. Das haben Schweizer Wissenschaftler herausgefunden, als sie den schwarzen Hautkrebs bei Mäusen untersuchten.

Der Tumor sondert ein Protein ab, das in gesunden Lymphknoten die Abwehrzellen anzieht und sie für Immunfunktionen vitalisiert. Bei Krebs helfen diese Proteine, eine Schutzschicht auszubilden. Die für den befallenen Organismus gefährliche Mimikry dürfte zum Ansatzpunkt für neue Therapien werden. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler um Melody Swartz von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne im Fachmagazin "Science" vor.

Lymphknoten sind quasi die Filterstationen für Gewebewasser und kommen entsprechend überall im Körper vor. Und sie sind Teil des Immunsystems, denn in den Lymphknoten vermehrt sich ein bestimmter Typ weißer Blutkörperchen, die Lymphozyten. Diese machen hocheffizient Krankheitserreger, Fremdstoffe oder auch Krebszellen unschädlich. Den Wissenschaftlern war nun aufgefallen, dass sehr viele Tumore ein Protein mit dem Namen CCL21 absondern, das normalerweise die Körperabwehrzellen anzieht.

"Der Tumor trickst den Körper aus"

Um das Rätsel aufzuklären, untersuchten die Forscher Hautkrebs bei Mäusen. "Der Tumor trickst den Körper aus, indem er ihm vorspiegelt, körpereigenes Gewebe zu sein", berichtet Swartz. Das von dem Geschwür ausgeschüttete Protein CCL21 spielt eine zentrale Rolle bei der Migration von Immunzellen im Gewebe, es wirkt aktivierend auf die Abwehrzellen und ist an der Organentwicklung beteiligt.

Im Fall des Tumors bildet sich aber ein Gewebe, das dem von Lymphknoten ähnelt. Diese Schicht zieht nun die weißen Blutkörperchen an, deren Auftrag eigentlich in der Vernichtung von Krebszellen besteht. Die Lymphozyten werden umprogrammiert und akzeptieren dann den verkleideten Tumor als unschädliches Gewebe. Unter dieser Tarnkappe beginnt der Krebs nun ein schnelles, ungehindertes Wachstum.

Den Mechanismus, wie Tumore die Immunabwehr umgehen, bewerten die Wissenschaftler als einen wichtigen Schritt, neue Krebstherapien zu entwickeln. Auch ergebe sich ein vertieftes Verständnis in der Interaktion von Tumoren und dem Lymphsystem.

(DDP/nbe)
 
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