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Die Wirkung der Werbung
Warum Kinder den Big Mac lieben
Die Wirkung der Werbung: Warum Kinder den Big Mac lieben
Das den Kindern der Big Mac so gut schmeckt, hängt auch von der Werbung ab. Das fand eine aktuelle Studie heraus. FOTO: MCDONALDS CORP., AP
Düsseldorf (RP). Ein typisches Bild vor Supermarktkassen: Kleine Kinder betteln ihre hilflosen Eltern um Süßigkeiten an und zeigen überraschendes Wissen um Produktnamen und Marken. Kein Wunder, denn alleine in den USA investieren Nahrungsmittelhersteller jährlich zehn Milliarden Dollar in die Werbung für Produkte mit Kindern als Zielgruppe. Von Michael Wenze

Ein interdisziplinäres Forscherteam fand heraus, dass bereits das einmalige Anschauen eines Werbespots ausreicht, um die Produktwahl von Vorschulkindern zu beeinflussen.

Welche Auswirkungen die Werbeflut des täglichen Lebens auf das Geschmacksempfinden hat, berichteten die Wissenschaftler kürzlich im Fachblatt "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine": Sie servierten 63 Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren zwei Fünf-Gänge-Menüs, bestehend aus je einem Geflügelbratling, dem Viertel eines Hamburgers, einer Portion Pommes Frites sowie zwei Babykarotten und einem kleinen Becher Milch oder Apfelsaft - einmal in der typischen Verpackung des Fastfood-Riesen McDonald´s und einmal in neutraler Erscheinung.

Der Fernseher als Geschmacksverstärker?

Entgegen der Erwartung schmeckten die Menüs den Nachwuchsgourmets nicht in gleicher Weise, wie sich besonders im Fall der Kartoffelstäbchen zeigte: Über 76 Prozent der Befragten nahmen die Fritten aus der Verpackung mit Markenlogo als schmackhafter wahr.

Nur zehn Prozent empfanden beide Proben als geschmacklich gleichwertig. Der Trend setzte sich durch alle Gänge fort - auch im Fall der Gemüserohkost, die bei McDonald´s nicht auf der Speisekarte steht.

Wie sich zeigte, bevorzugten besonders Kinder aus Haushalten mit mehr als einem Fernsehgerät, die häufig McDonald´s-Restaurants besuchten, das Menü mit dem orange-gelben M.

Werbung als Appetitanreger für Gemüse?

Die Studienergebnisse bestätigen die Schlussfolgerung eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach das aggressive Bewerben energiereicher, aber vitalstoffarmer Nahrungsmittel ein Grund für das steigende Übergewicht bei Kindern in Industrieländern ist.

Mediziner fordern daher, im Interesse der Kindergesundheit den Spieß umzudrehen und mit gezielten Werbestrategien den jungen Gourmets Obst und Gemüse schmackhaft zu machen.

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