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Wo wir von Telemedizin profitieren

Ob im Rettungswagen oder zur Blutdruckkontrolle: In vielen Bereichen ist Telemedizin nicht mehr wegzudenken. Lesen Sie hier, wo wir davon profitieren und wo es noch Klärungsbedarf gibt.

Wo wir von Telemedizin profitieren

Gründe für das Nutzen von Dr. Google und Apps

Ärzte aller Berufssparten kennen es. Unsichere Patienten schicken Ihnen Fotos per Mail oder zeigen ihnen Bilder gleich auf dem Handy geschossen. Denn das Warten auf Termine erscheint vielen zu langwierig, oft sind es Schamgefühle, die manchen vom Besuch beim Arzt fern halten. Aus diesem Grund haben es Angebote und Medizin-Apps leicht. Sie füllen die Lücke zwischen Unsicherheit und Arztbesuch. Bei ernsten Erkrankungen jedoch - darin sind sich Berufsverbände, Ärztekammern und Ärzte einig, kommt der Patient um die Konsultation eines FAcharztes nicht herum.

Wo wir von Telemedizin profitieren

Telemedizin im Rettungsdienst

In Rettungswagen ist Telemedizin heute fester Bestandteil: erste Daten eilen dem Patienten voraus ins Krankenhaus und kommen schon an, während er noch unterwegs ist. Das ermöglichst es den Kliniken, sich auf schwer Verletzte oder Kranke gleich optimal einzustellen.

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Patientenkontakte zu Krankenkassen

Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten Hotlines oder Patientenprogramme an, die helfen sollen, sie in ihren spezifischen Krankheiten besser zu betreuen. Meist sind es Ärzte, die über den heißen Draht helfend und Ratend zur Seite stehen. Auch das ist Telemedizin

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Krankenhaus und Patient zu Hause in Kontakt

Das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart wertet in einem Telemedizinischen Zentrum Patientendaten aus, die über eine Basisstation täglich beim Patienten zu Hause gemessen werden. Sie werden ausgewertet und der BEtroffene bekommt Empfehlungen und bei Bedarf Kontakt zum behandelnden Arzt. So will man sicherstellen, dass man den Patienten bei bestimmten Erkrankungen auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch begleiten kann und ihm helfen kann, mit seiner Krankheit besser umzugehen.

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Alzheimer-Patienten per GPS orten

Auf der Basis von GPS-Technologie entwickeln und betreiben die Projektpartner von der Universität Siegen und dem Kölner Unternehmen itss ein technisches System, das die Ortung von Demenzkranken erlaubt. Langsam fortschreitender Untergang von Nervenzellen des Gehirns führen bei der Alzheimer-Krankheit zu sinkenden geistigen Fähigkeiten. Sie können sich irgendwann nicht mehr selbst im Alltag zurechtfinden. Betreuende Pflegekräfte oder Familienangehörige stellt das mitunter vor besondere Herausforderungen, etwa wenn mit den sinkenden geistigen Fähigkeiten auch der Orientierungssinn verloren geht und ein Demenz-Kranker sich verirrt. In dieser Situation soll das im Pilotprojekt entwickelte Ortungssystem Unterstützung bieten.Suchende können den VErmissten schnell orten und werden über dessen Route informiert.

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Automatische Blutdruckkontrolle

Patienten mit zu hohem Blutdruck haben die Möglichkeit, an der telemedizinischen Blutdrucküberwachung teilzunehmen.Sie bekommen dann ein spezielles Blutdruckmessgerät mit nach Hause, mit dem die Messwerte automatisch an das überwachende Institut übermittelt werden. Gemessen werden die Werte zu möglichst konstanten Zeiten und dann per SMS an das Institut geschickt. Die Daten werden von Experten überprüft und anhand einer elektronischen Patientenakte mit den bisherigen Werten verglichen. Bei drohender Befundverschlechterung nimmt ein Arzt telefonischen Kontakt mit dem Patienten auf, um frühzeitig medizinisch erforderliche Maßnahmen einzuleiten. Die Behandlung erfolgt immer in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hausarzt bzw. dessen Facharzt.

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Schnelle Information zu Hautproblemen

Leberflecken und Hautausschläge stellen für manchen eine belastende Situation dar. Nicht immer lässt sich gleich klären, was sich dahinter verbirgt. Über die App "gorderma" können Aufnahmen von Hautveränderungen verschlüsselt an ein Portal gemailt werden. Qualifizierte Dermatologen geben innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung und liefern dem Patienten gezielt allgemeine Informationen zu der jeweiligen Erkrankungen. Es werden dabei allerdings keine Handlungsempfehlungen gegeben und keine Verordnungen ausgestellt.

Wo wir von Telemedizin profitieren

Probleme, die sich in der Telemedizin stellen sind oft rechtlicher Natur:

Welche Daten dürfen wie, wohin übermittelt werden? Wie wird sichergestellt, dass kein Datenmissbrauch stattfindet? Zudem gibt es Klärungsbedarf darüber, welche Leistungen angeboten werden dürfen. Diagnosen online zu stellen, ist in Deutschland nicht statthaft. Ebenso wenig ist es erlaubt, nach einer Online-Beratung  Rezepte auszustellen und therapeutisch tätig zu werden.

Wo wir von Telemedizin profitieren

Telemedizin muss im Einklang mit der ärztlichen Berufsordnung stehen, die folgendes festhält:

"Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt." (§7, Absatz 4)

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Abrechnung bei Ferndiagnose nicht möglich

In vielen Bereichen kennen Fachärzte es, dass ihnen von Patienten oder deren Angehörigen Fotos übermittelt werden, um anhand dieser Diagnosen zu stellen. Zum Teil helfen sich in ländlichen Gebieten Ärzte verschiedener Fachdisziplinen so aus, um Behandlungsbedürftigen weiterzuhelfen, die keinen Zugriff auf bestimmte Fachärzte haben. Probleme bereitet dann allerdings die Abrechnung solch erbrachter ärztlicher Leistung. Denn abrechnen dürfen Ärzte mit Krankenkassen nur bei dirketem Arzt-Patientenkontakt.

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Noch Information oder schon Beratung?

Nicht klar definiert ist bei Online-Beratung die Grenze zwischen Information und Behandlung. Für Anbieter gezielter Patienteninformationen ist es schwierig, sich nicht in eine Grauzone zu begeben. Konkrete ärztliche Information zu einem klar umrissenen Problem ist für Patienten zwar hilfreicher, als die Selbstsuche auf Google und Wikipedia, doch die Diskussion dazu, was online geleistet werden darf und was nicht ist in vollem Gange. Berufverbände, Ärztekammern, Fachärzte und Patienten haben unterschiedliche Auffassungen davon, was hilfreich und was kontraproduktiv ist.

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Keine Einheitlichkeit

Es fehlt an durchgängigen Standards. Bereiche, in denen Telemedizin verankert ist, bestehen als Inselbereiche nebeneinander. Es gibt keine einheitlich gültigen Qualitäts- oder Verfahrensstandards. Das macht es schwer, Angebote gegeneinander abzugrenzen, ihre Qualität zu bestimmen oder sie zu vergleichen. Weitere Probleme gibt es rein technisch: Oft verwenden Krankenhausinformationssysteme und Praxissoftware keine einheitliche Schnittstellen. Es gibt lauter Einzelangebote. Ärzte und Anbieter medizinischer Leistungen sind zu wenig vernetzt. Es gibt nur wenig politische Einflussnahme für die Interessen von Internetmedizin.

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Nicht alle redem vom selben

Telemedizin oder Internetmedizin – ist das nicht das Gleiche? Nein, findet der Bundesverband für Internetmedizin.Telemedizin sei lediglich ein Teilbereich der Internetversorgung. Neben technischen Voraussetzungen gehe es um Kommunikation und das Zusammenbringen gesellschaftlicher Entwicklungen sowie in erster Linie um eine aktive Beteiligung von Patienten. Wie ein solches Gefüge aussehen soll, daran müssen in den kommenden Jahren Ärzte- und Patientenverbände gemeinsam arbeiten.