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Immer mehr Fälle
Zika-Virus wird auch durch Sex übertragen

Zika-Infektionen nach Sex
Dallas. Das eigentlich harmlose Zika-Virus greift um die Welt: Eine brasilianische Stadt sagt den Karneval ab, die Fluggesellschaft Swiss stellt weibliche Besatzungsmitglieder von Flügen nach Brasilien frei und aus den USA gibt es den ersten Infizierten nach sexuellem Kontakt.

Die Infektionen mit dem Zika-Virus nehmen ein immer größeres Ausmaß an. In den USA infizierte sich zum ersten Mal ein Mensch beim Sex mit einer infizierten Person mit dem vor allem in Latein- und Südamerika grassierenden Erreger, wie die Gesundheitsbehörde im texanischen Dallas am Dienstag mitteilte. Drei erste Infektionsfälle wurden aus Chile gemeldet. In Spanien wurde ein vierter Fall bestätigt. Wie drei weitere Reisende zuvor infizierte sich der Mann in den betroffenen Gebieten.

Das Virus grassiert derzeit vor allem in Brasilien und Honduras. Es wird mit Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation hatte wegen der explosionsartigen Ausbreitung von Zika am Montag einen globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Das verlieh dem Kampf gegen das Virus neue Impulse. Die WHO hat die Vermutung aufgestellt, dass vermutlich jedes nord- und südamerikanische Land betroffen sein wird, in dem die übertragende Aedey-aegypti-Mücke zu finden ist. Das sind alle Staaten auf den Kontinenten außer Kanada und Chile.

Die Erkrankung durch das Zika-Virus verläuft zwar meist harmlos und löst in den meisten Fällen lediglich Fieber oder Ausschlag aus. Gefährlich werden kann sie aber für Schwangere in den Verbreitungsgebieten, denn viele Frauen brachten zuletzt in auffällig hoher Zahl Babys mit Schädelfehlbildungen zur Welt.

Hintergrund: Die wichtigsten Fakten zum Zika-Virus

In Brasilien wurden mittlerweile 404 Fälle der als Mikrozephalie bezeichneten Fehlbildung bestätigt. Die Gesamtzahl der vermuteten Fälle wurde am Dienstag vom brasilianischen Gesundheitsministerium von 3893 auf 3670 nach unten korrigiert. In 17 der bestätigten Fälle sei ein Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie festgestellt worden, hieß es in einem Bericht des Ministeriums.

Die brasilianische Gemeinde Capivari sagte ihre Karnevalsumzüge ab. Sie will das dafür gedachte Geld - etwa 25.000 Dollar - im Kampf gegen das Virus verwenden. Brasilien stellte bereits rund 220.000 Soldaten ab, die gegen die Überträgermücke zu Felde ziehen sollen. Sie nutzt vor allem stehendes Wasser und offene Wasserbehälter als Brutstätten, damit sind besonders Menschen in Lateinamerikas Armenvierteln gefährdet.

Das Kinderhilfswerk Unicef will in dem südamerikanischen Land mit einer Informationskampagne eine weitere Ausbreitung verhindern. Das Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur kündigte am Dienstag Forschungen für einen Impfstoff gegen das Virus an. Bis es eine Impfung gibt, dürften aber Jahre vergehen.

Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Swiss erklärte am Dienstag, weibliche Mitglieder der Besatzungen könnten bis auf Weiteres Flüge in die brasilianische Metropole São Paulo ablehnen. Die Fluglinie werde entsprechende Wünsche berücksichtigen. São Paulo ist die Hauptdestination von Swiss in Südamerika.

Auch aus Nicaragua wurden nun die ersten Fälle von Zika-Infektionen bei Schwangeren gemeldet. Vier Frauen wurden positiv auf das Virus getestet, darunter zwei Schwangere. Insgesamt beläuft sich die Zahl der dort bekannten Infizierten auf 15.

Normalerweise überträgt sich das Virus über Mückenstiche, Experten hegen jedoch schon seit längerem den Verdacht, dass sich Zika auch über sexuellen Kontakt überträgt. Der jetzt bestätigte Fall in den USA ist der erste dieser Art. Der oder die Patientin habe sich bei einer Person angesteckt, die sich in einem von der Epidemie betroffenen Land aufgehalten habe, teilte die texanische Gesundheitsbehörde mit.

(lukra/ap)
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