Beziehungsforschung
Bei diesen Warnzeichen droht die Trennung

Bei diesen Warnzeichen droht die Trennung
Schrille Stimme und steigender Blutdruck sind messbar und deutliche Anzeichen für ein baldiges Beziehungsende. FOTO: Shutterstock/oneinchpunch
Braunschweig. Wer frisch verliebt ist, kann sich meist gar nicht vorstellen, dass die Liebe irgendwann endet. Doch Forscher aus Braunschweig haben herausgefunden, dass sich an körperlichen Symptomen schon Jahre im Voraus ablesen lässt, ob eine Beziehung zu scheitern droht.  Von Tanja Walter

Statistisch gesehen ist das Risiko für eine Trennung hoch, auch wenn die Liebe noch so groß scheint: 40 Prozent der Ehen enden vor dem Scheidungsrichter. Noch höher schätzen Experten die Trennungsrate unter den Nichtverheirateten.

Anzeichen für den Beziehungstod

Forscher der Technischen Universität Braunschweig haben nun körperliche Faktoren entdeckt, an denen sich die Wahrscheinlichkeit für eine Trennung ablesen lässt: Hoher Blutdruck und hohe Cortisolwerte beim Mann sind, so die Forscher, ein Anzeichen für das baldige Beziehungsende. Bei der Frau ist die Höhe der Stimmfrequenz der Maßstab für die Trennungswahrscheinlichkeit, fand das Forschungsteam um Professor Kurt Hahlweg in einer Langzeitstudie heraus.

Für diese suchten die Wissenschaftler zunächst Paare für ein gemeinsames Kommunikationstraining. "Am Ende hatten wir 68 Paare, die wir zu Beginn körperlich untersuchten", erklärt Professor Kurt Hahlweg, Studienleiter und Psychologe sowie Psychotherapeut. "Dann ermittelten wir, in welchen Bereichen sie schon einmal Konflikte hatten", so Hahlweg weiter. Was die Paarforscher besonders interessierte, waren weit verbreitete Streitpunkte wie "Mein Partner schätzt mich nicht" oder "Mir fehlt Zuwendung. Ich möchte gerne mal öfter in den Arm genommen werden". 

Das Streitexperiment

Dann konnte das Experiment beginnen: Die Wissenschaftler präsentierten allen Pärchen eines der mittelschweren Probleme, das sie zuvor selbst genannt hatten. Ihre Aufgabe: In Wohnzimmeratmosphäre darüber zu diskutieren. Die daraus resultierende Auseinandersetzung filmten die Forscher und ermittelten erneut die Blutdruck- und Cortisolwerte der Teilnehmer - einmal während des Streits und ein weiteres Mal eine Stunde später. Dann geschah erst einmal lange Zeit nichts.

Erst elf Jahre später fügten sich diese Daten durch neuerliche Gespräche mit den beteiligten Paaren zum Ganzen. Es zeigte sich, dass etwa ein Drittel getrennt oder geschieden waren. "Als einziger signifikanter Vorhersagefaktor für Trennung oder Scheidung zeigte sich bei den Frauen die Sprachgrundfrequenz und bei den Männern eine erhöhte Cortisol-Ausschüttung in Konfliktsituationen. Beide sind wichtige Indizes emotionaler Erregung", erklärt Hahlweg dazu.

Die gefährlichen Folgen von Dauerstreit

Wenn sich jemand streitet, gibt es zwei messbare Veränderungen: Zunächst schüttet der Körper Adrenalin und Noradrenalin aus, weil er in Stress gerät. "Rund 20 Minuten später setzt die Ausschüttung von Cortisol ein, mit Hilfe dessen die Erregung herunterreguliert wird", erläutert der Paarforscher weiter.

Streiten Paare oft, bleiben sie in gewisser Weise in einem chronischen Erregungszustand. Der bleibt laut Hahlweg nicht folgenlos: "Wie bei einer chronischen Krankheit beeinflusst dieser Zustand das Immunsystem. Außerdem wissen wir heute, dass Menschen, die aus einer Scheidungsfamilie kommen, durchschnittlich eine um mehr als vier Jahre verkürzte Lebenszeit haben." Das zeige, wie weiterreichend und sogar gesundheitlich bedeutsam eine Unzufriedenheit in einer intimen Beziehung sein könne. Doch nach etwa zehn Jahren nimmt die Zufriedenheit mit der Beziehung bei den meisten Paaren kontinuierlich ab. 

Wie man die Trennung verhindern kann

Eine professionelle Paartherapie könnte vielen Paaren helfen, wie Studien bestätigt haben. Doch nur zehn bis 20 Prozent der unzufriedenen Paare nehmen solche Hilfe in Anspruch. 

"Die Hälfte der Beziehungen laufen nach einer Paartherapie zufriedener. Allerdings berichten 30 bis 60 Prozent der Paare innerhalb von zwei Jahren nach Abschluss der Therapie erneut über eine Verschlechterung ihres Verhältnisses zueinander", sagt Kurt Hahlweg. Paarforscher führen das auf das meist zu späte Intervenieren der Betroffenen zurück. Besser sei es, präventiv schon etwas für das gute Miteinander zu tun und nicht erst zu warten, bis sich gravierende Krisen zeigen, die kaum mehr zu bewältigen sind.

Ausgehend von diesen Beobachtungen hat der Paarforscher im Jahr 1980 das sogenannte Partnerschaftliche Lernprogramm (EPL) entwickelt, das mittlerweile in ganz Deutschland und auch im Ausland zum Einsatz kommt. Rund 30.000 Paare haben es mittlerweile absolviert. "Die Scheidungsraten lassen sich damit halbieren", erklärt der Forscher und bezieht sich damit auf die Auswertung von drei Langzeitstudien an 180 Paaren.

Im Kern geht es dabei um ein verändertes Kommunikationsverhalten. "Viele Paare scheitern daran, offen miteinander zu sprechen, sich gegenseitig zuzuhören und Erwartungen verständlich auszudrücken" sagt Professor Hahlweg. Eine ganz alltägliche Äußerung wie "Der Mülleimer ist voll" kann so schon zur Belastungsprobe werden. Während sie mit ihrer Bemerkung die unausgesprochene Bitte verbindet, er möge doch bitte diesmal den Mülleimer einmal ausleeren, geht er über die Äußerung hinweg, weil er die indirekte Aufforderung nicht verstanden hat. An diesem Missverständnis kann sich in der Folge ein großer Streit entzünden.

Grundregeln für eine stabile Partnerschaft

Vermeiden lässt sich ein solcher Streit durch einige Grundregeln, die Paare durch Kommunikationstrainings wie das EPL lernen:

  1. Bleiben Sie im Streit beim Thema und holen Sie nicht zum Rundumschlag aus. Wer beispielsweise wegen seiner Enttäuschung über die Verspätung des Partners gleich noch hinterherschiebt: "Es war mir schon klar, dass du zu spät kommen würdest. Du bist immer so unzuverlässig. Den Brief vom Steuerberater hast du auch noch nicht beantwortet und deinen Bruder wolltest du schon letzte Woche zurückrufen und hast es immer noch nicht gemacht", lässt dem anderen keine Möglichkeit, seine Sichtweise darzustellen. Statt dessen macht er mit zwei Sätzen mehrere Nebenkriegsschauplätze auf. Kurz: Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und kramen Sie nicht uralte Kritikpunkte wieder hervor.
  2. Hören Sie dem Partner zu und zeigen Sie ihm Ihr Interesse durch Rückfragen oder das Aufnehmen von Aussagen und Argumentationen.
  3. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Gespräche: Ein Partner fühlt sich nicht ernst und wichtig genommen, wenn man bei Gesprächen ständig etwas anderes nebenher macht oder wiederholt den Eindruck vermittelt, auf der Flucht zu sein. Paartherapeuten empfehlen außerdem, ein Mal pro Woche einen Zeitpunkt für ein Beziehungsgespräch festzulegen. Das klingt zunächst seltsam, führt aber dazu, dass sich negative Gefühle nicht unnötig aufstauen. Die wichtigsten Regeln: Legen Sie einen Zeitrahmen fest, lassen Sie den anderen ausreden und siehe Punkt 1. 
  4. Schauen Sie Ihrem Partner mal wieder bewusst in die Augen und stellen Sie Körperkontakt her. Denn auch über non-verbale Kommunikationsmittel senden Sie eine Botschaft. Wissenschaftlich belegt ist, dass sich Partner in einer funktionierenden Beziehung häufiger anschauen, öfter lächeln und sich interessierter zuhören.
  5. Fragen Sie Ihren Partner nach seinen Bedürfnissen - insbesondere in Streitsituationen. Oftmals verlieren sich beide in Vorwürfen und vergessen, worum es eigentlich geht. Die Frage: "Was wünscht du dir eigentlich von mir?" - bringt die Sache dagegen ohne Beleidigungen auf den Punkt. Einzige Regel: Der Antwortende muss konstruktive Sätze sagen, also nicht: "Ich wünsche mir, dass du nicht andauernd ausgehst, anstatt etwas mit mir zu unternehmen". Sondern: "Ich wünsche mir, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen."

In seiner mehr als 40-jährigen Forschungszeit wies Hahlweg nach, dass Paare mit einer EPL-Schulung auch nach fünf Jahren noch ähnlich gut miteinander umgingen, wie sie es erlernt hatten. Bei den Kontrollpaaren hatte sich in der gleichen Zeit hingegen das nonverbale Verhalten stark verändert. "Sie schauten mehr weg, sprachen häufiger mit sarkastischer und anklagender Stimme oder machten abwertende Gesten."

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie das Glück einer Partnerschaft berechnen können, lesen Sie hier weiter.

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