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Bilder aus der Psychiatrie
Das wahre Gesicht der Depression

Ein Leben mit Depression - Bilder aus der Psychiatrie
Ein Leben mit Depression - Bilder aus der Psychiatrie FOTO: Laura Hospes
Düsseldorf/ Groningen. Gerade einmal 20 Jahre alt ist Laura Hospes, als sie im niederländischen Groningen in die Psychiatrie eingewiesen wird. Ihre einzige Rettung nach einem Suizidversuch. Dann begann sie zu fotografieren. Schonungslos ehrlich. Sich selbst. Ihre Depression. Ihre Zustände in der Klinik. Ein Selbstporträt in Wort und Bild.  Von Susanne Hamann

"Mein Name ist Laura Hospes, ich bin 21 Jahre alt und ich lebe in Groningen in den Niederlanden. Ich studiere Fotografie an der Fotoacademy in Amsterdam. Bis vor einigen Monaten war es mein größter Traum, eine Ausstellung mit Selbstpoträts zu machen. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Vor einigen Monaten habe ich einen Selbstmordversuch unternommen. Ich bin darauf nicht stolz. Aber ich muss auch zugeben, dass er mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin - und um diesen Menschen zu zeigen, mache ich meine Fotos. Im Krankenhaus zwang ich mich dazu auch weiterhin Selbstporträts zu schießen. Was erst reine Pflicht war, begann sich mit der Zeit immer besser anzufühlen. Die Erleichterung lag darin, dass ich endlich all jene Gefühle herauslassen konnte, dich ich im echten Leben, niemals hätte zeigen dürfen. Ich konnte endlich weinen. Wütend sein. Zutiefst verängstigt. Und alle Gefühl darumherum. 

Nur durch meine Fotos konnte ich meinen Freunden und meiner Familie zeigen, wie es mir wirklich geht. Was in mir los ist. Wie sich Depression wirklich anfühlt. Leicht war das nicht, aber nun wussten sie endlich, was in mir vorgeht. Das half ihnen zu verstehen, und mich machte es weniger einsam. Meine Kamera ist mein Trost. Sie hört mir besser zu als jeder Mensch. Als ich in die Klinik eingeliefert wurde, hatte ich keinen Kontakt zu meinen Gefühlen. Ich war verwirrt und nahm sie wie aus weiter Ferne war.

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Durch meine Fotos konnte ich wieder einen Zugang zu mir selbst finden. Und eben auch andere Menschen den Schmerz und die Einsamkeit spüren lassen, die in mir vorgeht. Hingehen zum Krankenhaus, muss ich auch knapp ein Jahr nach meinem Suizidversuch noch. Ich wohne dort nicht mehr, aber ich muss jeden Tag hin und mit den Ärzten reden. Das gibt mir einen straffen Rythmus in meinem Tag, ohne den ich auch heute noch nicht aus dem Bett kommen würde. 

Die Fotoserie heißt UCP-UMCG nach der Abteilung in der Psychiatrie in der ich lag. Und es geht um ein Mädchen, das auf der Grenze zum Tod wandelt. Es geht um mich.

Anfangs wollte ich die Fotos nur für mich nutzen. Dann aber begann ich eine innere Rebellion gegen diese Menschen zu spüren, die nur das Perfekte auf Facebook und in den Medien zeigen. Ich wollte zeigen, dass auch die schwierigen Geschichten es wert sind gesehen zu werden. Ich wollte andere Betroffene damit inspirieren, ihnen Liebe und Unterstützung schenken in der Hoffnung, dass sie sich dann weniger alleine fühlen. 

Das letzte was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass ich verrückt bin. Ich bin nicht verrückt. Niemand, der in der Psychiatrie landet ist verrückt. Diese Zustände können jeden überkommen, und es ist ein schreckliches Gefühl langsam die Kontrolle über das eigene Verhalten zu verlieren. Nach wie vor gehört es für mich zu den schwierigsten Momenten des Tages, überhaupt aus dem Bett aufzustehen. Ich fühle mich jeden Tag, als hätte ich einen schweren Stein um den Hals.

Mein Rat: Denkt an die Menschen, die im Krankenhaus sind, oder wegen ihrer mentalen Verfassung keinen Kontakt zu anderen aufbauen können. Sie haben sich diese Situation nicht ausgesucht. Lasst sie wissen, dass ihr an sie denkt und sendet ihnen eure Unterstützung. Das ist die schönste und wichtigste Nachricht, die ein Mensch in einer Psychiatrie bekommen kann." 

Für die Schonungslosigkeit und den Mut alle Eitelkeit von ihren Bildern fernzuhalten, erhielt Laura Hospes den Foto-Award "Lens Culture Emerging Talents 2015"

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