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Online-Bewegung
Warum sich Menschen ein Semikolon tätowieren

Fragebogen: Leiden Sie an Depressionen?
Fragebogen: Leiden Sie an Depressionen? FOTO: Shutterstock/Themalni
Düsseldorf . Ein Semikolon wird benutzt, wenn ein Autor seinen Satz beenden könnte, aber entscheidet, es nicht zu tun. Jetzt ist es zum internationalen Symbol der Hoffnung für Menschen mit Depressionen geworden. Die Geschichte einer Online-Bewegung. Von Susanne Hamann

Auf immer mehr Handgelenken, Armen und Fußknöcheln weltweit ist es zu sehen: das Semikolon. Es ist zum Symbol geworden für Menschen, die trotz Depressionen am Leben festhalten.  Damit erkären sie sich zu einem Teil der Online-Bewegung "Semicolon Project".  Ihr Credo: "Der Autor bist du und das Semikolon ist dein Leben", wie auf der Webeite des gemmeinnützigen Projekts zu lesen ist.

Begonnen hat alles im Jahr 2013, damals gründete Amy Bleuel die Online-Gruppe "Semicolon Movement", nachdem sie sich selbst das Satzzeichen auf den Arm tätowieren ließ. Damit zollte sie zum einen Tribut an ihren Vater, der Selbstmord begangen hatte. Zum anderen setzte sie aber auch ein Zeichen für sich selbst. "Trotz der Verletzungen einer dunklen Vergangenheit war ich in der Lage aus der Asche aufzusteigen und zu beweisen, dass das ich das beste im Leben noch vor mir hatte", schreibt Bleuel. 

Der Aufruf, den sie mit dem Semicolon Project in die Welt trägt, liest sich so: "Die Bewegung ist für alle, die sich jemals selbst verletzt haben, die an einer psychischen Erkrankung leiden oder schon einmal versucht haben, sich umzubringen." Das Semikolon sei ein Zeichen der Hoffnung, schreibt sie weiter, das Leben sei nicht vorbei, Betroffene sollten sich daran erinnern – und zwar durch das Semikolon.

Die Bedienungsanleitung für das aufgemalte oder tätowierte Symbol ist denkbar einfach:

"Setze ein Semikolon auf dein Handgelenk oder wo es am meisten Bedeutung für dich hat. Jedesmal, wenn du es siehst, denke an etwas, dass das Leben lebenswert macht", heißt es ebenda.

Gewirkt hat der Aufruf. Die Bewegung erhielt durch die sozialen Medien in Windeseile so viel Aufmerksamkeit, dass sich Bleuel bald entschied, ein gemeinnütziges Projekt daraus zu machen.

So sollen die Geschichten der Menschen, die tagein tagaus mit der schweren Traurigkeit leben, gehört und anderen gezeigt werden. "Wir sind keine 24-Stunden-Helfer-Hotline oder ausgebildete Psychotherapeuten", schreibt Bleuel auf der Webseite. "Project Semicolon möchte als Inspiration dienen".

Im Internet jedenfalls funktioniert die Bewegung längst. Unter den Hashtags #semicolonproject, #projectsemicolon und #mystoryisntover zeigen Menschen weltweit, wie sie das Symbol in ihr Leben integriert haben.

Und manche erzählen auch ihre Geschichte:

 


 

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