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Zum internationalen Tag des Mannes
Die neue Emanzipation ist männlich

Zum internationalen Tag des Mannes: Die neue Emanzipation ist männlich
FOTO: shutterstock/ MCarper
Düsseldorf. Der moderne Mann hat es nicht leicht. Ein einfühlsamer Familienvater soll er sein, aber auch der coole Karrieremann. Männerpsychologe Björn Süfke erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, warum diese schwierige Männerrolle wichtig ist - und warum endlich auch die Männer lernen müssen "Nein" zu sagen. Von Susanne Hamann

Herr Süfke, immer wieder ist von der Krise des modernen Mannes zu hören, worin besteht diese Krise denn eigentlich?

Süfke Das Problem für Männer heutzutage ist, dass sie eine Doppelrolle erfüllen müssen. Wie die Allensbach-Studie über Männer zeigte, wollen 66 Prozent der Frauen, dass ihre Männer mehr Arbeiten im Haushalt übernehmen, zugleich wollen aber 52 Prozent, dass der Mann erfolgreich im Beruf ist. Diese Situation ist schwierig zu meistern und überfordert viele Männer. 

Björn Süfke ist seit 15 Jahren Therapeut für Männer. FOTO: Björn Süfke

Heißt das, der moderne Mann steckt in einer Identitätskrise?

Süfke Ja, so könnte man das nennen. Aber man muss hier unterscheiden. Die Krise an sich wäre eigentlich kein Problem. In einer Krise liegt ja auch immer eine Chance. In diesem Fall bedeutet dass, wenn die alten Bilder wanken, gibt es für Männer mehr Möglichkeiten sich anders als bisher zu verhalten. Schwierig wird es dadurch, weil das neue Rollenbild so unklar ist. Vor 40 Jahren gab es eben nur ein sehr eindeutiges Leitbild. Das verschwindet jetzt jedoch immer mehr. Aber klares neues Leitbild, an dem sich Männer orientieren könnten, gibt es noch nicht.

Welche Lösung kann es denn für den modernen Mann geben?

Süfke Genau so wie sich die Frau vor einem halben Jahrhundert begonnen hat zu emanzipieren,  müssten das Männer jetzt eben auch tun. Das bedeutet sie müssten dahin kommen zu sagen,  "okay, mein Chef will dieses von mir, und meine Frau jenes - aber, das lasse ich mir jetzt alles mal egal sein und höre darauf, was ich eigentlich will und wie es mir eigentlich mit diesen ganzen Rollen geht".

Männer müssten also auch mehr lernen "Nein" zu sagen?

Süfke Sie müssten lernen mehr in sich hinein zu hören und dann gemäß ihren Gefühlen zu reagieren, anstatt irgendwelche Rollenbilder zu bedienen. Leider ist aber vielen Männern der Kontakt zu ihren Gefühlen regelrecht abtrainiert worden. Sie nehmen oft gar nicht wirklich wahr, wenn sie wütend, verletzt oder enttäuscht sind - und können deshalb weder für sich selbst richtig reagieren, noch ihr Problem zur Sprache bringen.

Was bedeutet das denn für den Alltag?

Süfke Naja, ich kann Ihnen ein Beispiel aus meinem eigenen Alltag geben. Obwohl ich meine Kinder viel öfter in der Kita abgebe als meine Frau, sehen die anderen Mütter immer nur sie als Ansprechpartnerin an. Wenn also eine Geburtstagsfeier ansteht, muss ich mir anhören "und wegen der Einladung und den Geschenken telefoniere ich dann mit deiner Frau". Ich werde also in meiner Vaterrolle gar nicht richtig ernst genommen und dass macht mich natürlich sauer. Wenn ich dieses Gefühl aber nicht richtig zulassen kann, kann ich auch nichts an der Sache ändern. Wenn ich dieses Gefühl aber als Wut erkenne, kann ich beispielsweise einfach mal etwas zu den anderen Müttern sagen.

Kommt die Emanzipation des Mannes und die der Frau sich dann nicht in die Quere?

Süfke Nein, das widerspricht sich nicht. Denn damit sich Frauen stärker auf ihre Karriere konzentrieren können, müssen die Männer ja auch mitziehen und bereit sein, sich mehr um die Familie zu kümmern. Und umgedreht, wenn Männer sich mehr in der Familie engagieren wollen, brauchen sie entsprechende Partnerinnen, die das akzeptieren und unterstützen. Man könnte also eher sagen, die "neuen Väter" brauchen auch "neue Mütter". Für beide Geschlechter ergeben sich somit neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten. Und beide stehen in gewisser Hinsicht vor der Herausforderung, diese vielen Möglichkeiten gemeinsam meistern zu müssen. 

Halten Sie das denn für realistisch?

Süfke Es gibt zwei Dinge, die der Emanzipation des Mannes am stärksten im Wege stehen: Das eine ist, dass viele Frauen denken, ihre Männer wollen nicht reden und es dadurch zu großen Streitigkeiten in Familien kommt, obwohl Männer meistens in Wirklichkeit sogar sehr bereit wären über alles zu sprechen. Nur haben sie eben keinen guten Zugang zu ihren eigenen Gefühlen, weil sie immer noch in der Supermannrolle feststecken, und Angst haben zu enttäuschen. Das andere Hindernis besteht darin, dass Männer nur wenig Unterstützung bekommen. Es gibt kaum Bildungsangebote für Männer. Kaum Männergesprächsgruppen in denen sie sich miteinander austauschen können und wenig Öffentlichkeitsarbeit zum Thema. Ohne diese Unterstützung wird es Männern jedoch weiterhin schwer fallen, anstatt auf ein Rollenbild auf ihr Selbstbild und Selbstgefühl zu setzen.

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

(ham)
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