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Prozess um vernachlässigte Kinder in Düsseldorf
Wie das Jugendamt überforderte Eltern unterstützt

Düsseldorf: Wie das Jugendamt überforderte Eltern unterstützt
Viele junge Eltern brauchen Unterstützung (Symbolbild). FOTO: Antonio Guillem/ Shutterstock.com
Düsseldorf . In Düsseldorf muss ein Paar vor Gericht, weil es sich offenbar kaum um seine acht Kinder gekümmert hat. In solchen Fällen kommt immer wieder die Frage auf, ob das Jugendamt nicht mehr hätte tun können. Stephan Siebenkotten-Dalhoff, Abteilungsleiter der Sozialen Dienste im Jugendamt Düsseldorf, erklärt, wie das Jugendamt aktiv wird. Von Susanne Hamann

Der Fall aus Düsseldorf zeigt, dass manche Menschen damit überfordert sind, Eltern zu sein. Herr Siebenkotten-Dalhoff, wie wird das Jugendamt auf solche Eltern aufmerksam?

Siebenkotten-Dalhoff Es gibt zwei Wege, über die wir aufmerksam werden, wenn wir mit den Eltern noch nicht in Kontakt stehen: Zum einen kann es sein, dass sich die Eltern selbst melden und nach Hilfe fragen. Das ist die beste Variante, weil das bedeutet, dass die Eltern eine hohe Motivation haben, die Hilfe auch anzunehmen. Zum anderen melden sich aber auch Dritte bei uns. Das kann die Gynäkologin sein, die einen Verdacht hat, der Kinderarzt, das Krankenhaus oder Menschen im Geburtsvorbereitungskurs. Immer wieder sind es auch Verwandte oder Nachbarn. 

Wie reagiert das Jugendamt dann?

Siebenkotten-Dalhoff Es kommt darauf an, um was für einen Fall es sich handelt. Gibt es Hinweise, dass das Kind misshandelt oder vernachlässigt wird, dann ist es ein Notfall und wir reagieren sofort. Das heißt, ein Mitarbeiter geht zu der Familie nach Hause und sucht das Gespräch. Ansonsten schreiben wir die Familie an und laden sie zu einem Gespräch zu uns ins Haus ein. Im zweiten Schritt folgt dann ein Hausbesuch. 

Stephan Siebenkotten-Dalhoff ist Abteilungsleiter der Sozialen Dienste am Jugendamt in Düsseldorf. FOTO: Stephan Siebenkotten-Dalhoff

Was wird dann besprochen?

Siebenkotten-Dalhoff In dem Gespräch klären wir, wie die Situation der Eltern ist, welche Probleme sie vielleicht haben und welche Hilfe sie sich selbst wünschen. Dann folgt ein Hausbesuch. Bei dem sehen wir uns natürlich augenscheinliche Dinge an, etwa ob die Wohnung vermüllt ist oder ob das Kind unterversorgt ist, aber wir achten auch auf Dinge, die eher verdeckt sind. 

Wie machen Sie das?

Siebenkotten-Dalhoff Wir haben dafür ein spezielles Diagnoseinstrument. Dabei handelt es sich um einen Katalog an Fragen und Beobachtungen, die unsere Mitarbeiter abarbeiten. Sie werden dafür speziell geschult. Dazu gehört etwa herauszufinden, ob alles getan wird, was nötig ist, damit es dem Kind gut geht: gute Ernährung, ausreichend Pflege. Wird mit dem Kind gespielt? Hat es einen Ruheplatz? Ist das Bett in Ordnung, und hat es genügend Spielsachen? Das sind alles Indizien für die Situation, in der sich das Kind befindet. 

Es kann aber auch sein, dass das Kind materiell alles hat und auch wohl genährt ist, die Eltern aber psychisch überfordert sind. Wie finden Sie das heraus?

Siebenkotten-Dalhoff Wie geht es den Eltern mit dem Kind? Wie geht es ihnen mit ihrer neuen Rolle? Wie erleben sie die Veränderung, die vor allem im ersten Jahr nach einer Geburt auf sie zukommt? Solche Fragen werden im Gespräch gestellt und geklärt. 

Sind Eltern meistens ehrlich?

Siebenkotten-Dalhoff Es ist nicht immer leicht, denn leider hat das Jugendamt immer noch den Ruf, dass es Eltern das Kind sofort wegnimmt, wenn sie zugeben, dass sie Probleme haben.

Ist das so?

Siebenkotten-Dalhoff Nein, im Gegenteil. Manchmal, das räume ich auch ein, ist es zwar tatsächlich nötig, ein Kind aus einer Familie zu nehmen, etwa wenn Eltern psychische Probleme oder eine Suchterkrankung haben oder wir eben wirklich feststellen, dass das Kind misshandelt oder schwer vernachlässigt wird. Das sind aber nicht die häufigsten Fälle. Meistens helfen wir den Eltern mit einer ganzen Menge Maßnahmen dabei, selbst mit ihrer Situation fertig zu werden. Wir sind um jedes Kind froh, dass bei seinen Eltern aufwächst. 

Welche Hilfsmaßnahmen gibt es?

Siebenkotten-Dalhoff Die häufigste Hilfestellung kommt über das Projekt "Zukunft für Kinder". Das ist eine Zusammenarbeit zwischen Jugend- und dem Gesundheitsamt in Düsseldorf. Eltern mit Säuglingen werden dabei regelmäßig von einer Familienhilfe besucht. Das kann eine Hebamme sein oder auch eine Kinderkrankenschwester. Sie erklären den Eltern dann, wie man ein Baby wickelt und ernährt. Wie man mit ihm spielt und spricht und welche Art von Schreien was bedeutet. Und sie helfen ihnen, gesundheitliche Probleme einzuschätzen. 

Das wird gut angenommen?

Siebenkotten-Dalhoff Ja, sehr. Allerdings haben viele Eltern Angst, selbst nach Hilfe zu fragen. Deswegen sind Hinweise von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder auch dem Kinderarzt so wichtig. Wir hören oft, dass die Eltern erleichtert sind, wenn ihnen jemand von außen einfach Hilfe anbietet, ohne dass sie fragen müssen. Und wir haben in Düsseldorf auch wirklich viele Möglichkeiten. 

Welche Angebote gibt es noch?

Siebenkotten-Dalhoff Wir haben beispielsweise Familienberatungsstellen, eine Schreiambulanz und Müttergruppen. Dabei können sich die Mütter nicht nur mit Fachleuten austauschen, sondern merken in der Begegnung mit anderen Frauen in derselben Situation auch, dass sie nicht die einzigen sind, die Überforderung empfinden. 

Ohne einen Hinweis besuchen Sie junge Eltern aber nicht?

Siebenkotten-Dalhoff Wir besuchen sie jedenfalls nicht, um sie zu kontrollieren. Es gibt aber schon einen Elternbesuchsdienst, der kurz nach der Geburt einen Begrüßungsbesuch für das neue Kind macht und dabei auch ein Paket überreicht, in dem Informationen über die verschiedenen Angebote für Eltern und Alleinerziehende gesammelt sind. (Informationen zu Beratung und Angeboten beim Jugendamt finden Sie hier.)

 
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