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Gefahr für die Karriere
Freund und Kollege – verträgt sich das?

Gefahr für die Karriere: Freund und Kollege – verträgt sich das?
Freundschaften unter Kollegen wirken motivierend, fördern jedoch auch Neid und betrieblichen Unfrieden. FOTO: Shutterstock/BlueSkyImage
Düsseldorf. Mit Arbeitskollegen verbringen wir täglich viel Zeit. Manchmal entstehen daraus Freundschaften. Das hat nicht nur Vorteile. In welche Fallen Sie tappen können, lesen Sie hier. Von Tanja Walter

Beim gemeinsamen Mittagessen erfährt Jonas, dass der neue Kollege auch Motorrad fährt. Er hat sich selbst gerade erst eine neue Maschine gekauft. Die beiden unterhalten sich im Büro öfter darüber.

Die Chemie stimmt einfach, also verabreden sie sich auch abends mal zum Schrauben und planen schließlich eine gemeinsame Motorradtour über ein verlängertes Wochenende. Aus den Kollegen werden Freunde, neudeutsch auch "Frollegen" genannt.

Soziologisch gesehen ist das keine Überraschung. Das Fundament jeder Freundschaft sind gemeinsame Erlebnisse und Interessen. Auch wenn sie nicht gleich das Hobby teilen, mangelt es bei Kollegen daran nicht. Oft haben sie einen ähnlichen Werdegang und ähnliche Ziele oder arbeiten an denselben Projekten – alles Gründe, die es Freundschaften leicht machen.

Horror-Kollegen: Die neun meistgehassten Büro-Typen FOTO: shutterstock/ prochasson frederic

Vorteile von Freundschaften im Job

Freundschaften im Job können der Himmel sein, aber auch zur Hölle werden. Ein Blick in den Himmel: Untersuchungen zeigen, dass die Arbeitszufriedenheit wächst, Arbeit mehr Spaß macht und effizienter ist, wenn man mit Kollegen auf einer Wellenlänge liegt.

Man findet mehr Unterstützung, Bestätigung und der Wissensaustausch läuft besser. Der Grund: "Durch die Zusammenarbeit entsteht emotionale Nähe. Man ist erst einmal motivierter", sagt Michael Kastner, Leiter des Instituts für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin.

Gefährliche Nachteile von Freundschaften im Beruf

Nun der Blick auf die Kehrseite der Medaille: Leicht verwischen Grenzen zwischen Job und Privatem und führen zu Interessenkonflikten, Neid und Enttäuschung. Crowdingstress entsteht, wenn Arbeit und Privates zu dicht aufeinander rücken.

Hintergrund: Was der Chef alles darf – und was nicht FOTO: Shutterstock/ ollyy

Besonders gefährlich ist das bei Liebschaften innerhalb der Firma. "Irgendwann gelingt es nicht mehr, private Konflikte aus dem Arbeitsleben heraus zu halten. Dadurch sind Arbeitsprozesse gefährdet", sagt Kastner. Unternehmen, die er berät, empfiehlt er darum hohe Transparenz: "Bei Betriebsausflügen sollte man zum Beispiel die Familien miteinbeziehen. Größere Teamrunden sind besser als ein Einzelbier."

Seine Faustformel: Je größer die Konkurrenz bei Gleichgesetzten ist oder je größer die Abhängigkeit im beruflichen Miteinander ist, desto mehr Vorsicht ist geboten. Das mag der Grund dafür sein, dass Top-Manager zwar über verwobene Netzwerke verfügen, jedoch selten unter Vorstandskollegen enge Freundschaften bestehen.

Augenhöhe geht verloren

Nicht nur im Management besteht jedoch das Risiko für freundschaftsbedingte Konflikte. Bewirbt sich beispielsweise der "Frollege" auf eine höhere Stelle und bekommt sie, wird er plötzlich zum Chef des eigenen Freundes. In solchen Konstellationen machen sich oft Interessenkonflikte bemerkbar: Der Untergebene hegt Neid auf die höhere Position des Kollegen. Er hat Probleme, sich unterzuordnen und im Ernstfall der Ansage von oben Folge zu leisten. "Man ist nicht mehr auf gewohnter Augenhöhe", sagt Kastner.

Tipps: So wehren Sie sich gegen mobbende Kollegen FOTO: gms

Ein weiterer Stressfaktor solcher Konstellationen: "Der Freund in der Führungsposition benachteiligt den Untergebenen aus Angst vor unterstellter Bevorzugung." Leicht können freundschaftliche Empfindungen den Anforderungen des Jobs zum Opfer fallen. Mehr noch: "Wenn Beziehungen kippen, schlagen sie leicht in Hass um", sagt Kastner. Die Folgen dessen können für die Betroffenen wie für Unternehmen schwerwiegende Folgen haben .

Schwierig werden "Frollegen-Beziehungen" in allen Konkurrenz-Situationen. Bewerben sich beispielsweise beide auf die gleiche Position, werden aus Freunden Rivalen. Darum rät Arbeitspsychologe und Berater Kaster: "Fahren Sie nicht gemeinsam mit Kollegen in Urlaub, sondern bleiben Sie von Anfang an bei einer gesunden Halbdistanz. Vielleicht müssen Sie noch 30 Jahre lang zusammen arbeiten."

Am besten funktioniert das mit folgenden Grundregeln:

  • Pflegen Sie ein freundliches und faires Miteinander bei gesunder Halbdistanz.
  • Bleiben Sie beim "Sie", das sorgt für gleiche Augenhöhe, Ausnahme ist möglich bei unmittelbaren Mitarbeitern.
  • Planen Sie gemeinsame Weihnachtsmarktbesuche, aber nie einen gemeinsamen Urlaub. Sorgen Sie für hohe Transparenz im Team – Kollegenparty ist besser als Einzelbier.
  • Behalten Sie Ihre Privatsphäre. Auch wenn man sich gut versteht muss man nicht seinen privaten Beziehungsstress besprechen.

Zu welchen Missverständnissen es im beruflichen und freundschaftlichen Miteinander kommen kann, zeigte sich auch in einer amerikanischen Studie.

Patricia Sias befragte dazu Firmenmitarbeiter danach, wodurch ihre Firmenfreundschaften Risse bekommen hätten. Die häufigste Antwort: Dadurch, dass "Frollegen" sie in einer Idee nicht unterstützten oder sie sogar überraschend negativ bewerteten.

Das zeigt den Kern des Problems: Wir erwarten, dass Freunde uns immer unterstützen und uns wohl gesonnen sind. Bei der Arbeit aber zählen andere Kriterien. Da ist Objektivität gefragt, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Ein Grund dafür also, Freundschaften außerhalb des Jobs zu pflegen. Sie sind oft über Jahre gewachsen und wichtig als Gegengewicht zum Berufsalltag und den damit verbundenen Belastungen.

Ein guter Freund kann ein Anker sein, der deutlich neutraler als man selbst auf schwierige Situationen blickt und Rat geben kann, gleich ob sie das Privatleben oder den Job betreffen

 
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