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Illusion geglückt
Forscher lassen Menschen unsichtbar werden

Wie die Forscher Menschen unsichtbar machten
Wie die Forscher Menschen unsichtbar machten FOTO: Staffan Larsson
Stockholm. Stellen Sie sich vor, Sie könnten unsichtbar werden. Schwedische Neurowissenschaftler haben das in einem Experiment möglich gemacht und so untersucht, wie sich das auf die Psyche der Menschen auswirkt. Von Tanja Walter

Schwedische Forscher erregen derzeit mit einem Experiment Aufmerksamkeit, in dem sie – zumindest gefühlt – Menschen unsichtbar werden lassen. In der Science-Fiction-Literatur ist das schon lange möglich. In der Realität allerdings ist man bislang über Forschungen rund um die Tarnkappentechnik nicht hinaus gekommen. Bislang gelang es französischen Wissenschaftlern lediglich Datenströme unsichtbar zu machen. An der Technik, die auch Körper der optischen Wahrnehmung entzieht, aber scheitert die Menschheit noch.

Schon jetzt allerdings versuchen Wissenschaftler möglichst viel darüber herauszufinden, was es eigentlich mit uns macht, unsichtbar sein zu können. Im Labor ließen sie darum 125 Menschen verschwinden.

So gelang es, Menschen verschwinden zu lassen

Genau genommen gaukelten ihnen die schwedischen Wissenschaftler in einem Labor des Karolinska-Instituts in Stockholm mit einer Spezialbrille das virtuell nur vor. Dazu erhielten die Probanden die Anweisung, an ihrem Körper hinab zu schauen. Über eine Spezialbrille wurde ihnen ein Bild vom Fußboden geschickt, das mit einer gegenüberstehenden Kamera aufgenommen und auf ihre Brille geschickt wurde. Um die Imagination perfekt zu machen, strichen ihnen die Versuchsleiter mit einem Pinsel über den Körper und in synchronen Bewegungen auch über den imaginären Körper, den die Kamera aufnahm.

Die Illusion glückte: Es dauerte weniger als eine Minute, bis die Teilnehmer das Gefühl der Berührung auf den leeren Raum übertrugen, auf dem sich der Pinsel bewegte. Die Versuchsteilnehmer fühlten zwar ihre Gliedmaßen, konnten ihren Körper aber nicht sehen.

Menschen mit drei Armen im schwedischen Labor

Ähnliches hatten die Forscher um Arvid Guterstam, dem Autor der jetzt veröffentlichten Studie, bereits vor einigen Jahren nachgewiesen. Damals ließen die Nerrowissenschaftler ihren Probanden im Labor einen dritten Arm wachsen. Auch hier operierten sie mit Täuschungsmanövern in Form einer Gummiarmprothese. Um das Gefühl zu erzeugen, auch der dritte Arm gehöre zum Körper der Probanden, berührten die Forscher einen der echten Arme und auch den künstlichen mit einer kleinen Bürste. Das Hirn der Untersuchten spielte ihnen einen Streich und gab ihnen das Gefühl, dreiarmig zu sein.

Video vom Experiment mit dem dritten Arm

Wie aber würde sich nun die Unsichtbarkeit auf die Psyche auswirken? Um das zu untersuchen, stieß man den Verschwundenen imaginär ein Messer in den Bauch. Auf ihrer Brille sahen sie wie ihr unsichtbarer Bauch mit einem Messer malträtiert wurde. Allen Versuchsteilnehmern brach der Schweiß aus. Ihr Hirn interpretierte die Bedrohung des leeren Raums als Angriff auf ihre Person.

Und was soll der Quatsch?

In einem nächsten Schritt füllte man das Versuchslabor mit fremdem Publikum. Der Stresspegel, der in solchen Situationen normalerweise in die Höhe schnellt, blieb jedoch auch in Erwartung davor nun vor einer fremden Menschenmenge zu stehen, vergleichsweise niedrig. Messbar wurde das über die Herzfrequenz. Die Forscher hoffen, dass diese Erkenntnisse zum Beispiel bei der Therapie von Patienten mit sozialen Ängsten helfen könnte, indem man diesen Menschen die Illusion erzeugen könnte, unsichtbar zu sein.

Auch in Zukunft wird es spannend bleiben im schwedischen Labor. In einem nächsten Schritt wollen die Neurowissenschaftler herausfinden, wie das Gefühl der Unsichtbarkeit unsere moralischen Entscheidungen beeinflusst, um sicherzustellen, dass eine Tarnkappe nicht das Gefühl zwischen Recht und Unrecht verändert.

 

 
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